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Lautstark demonstrieren die 165 Erlinger Grundschüler gegen Dreck auf ihrem Gelände.

Demonstration

Das ist Erlings erste Demo

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Minustemperaturen halten Grundschüler nicht von ihrer Demonstration durch Erling ab. Sie ärgern sich schon lange über Hundekot, Scherben und Zigaretten auf ihrem Gelände.

Erling – 8.13 Uhr am Freitag auf dem Hof der Carl-Orff-Grundschule Andechs. Es ist Zeit für die letzte Übung. „Wir müssen mal laut, mal leise sein“, weist Rektorin Barbara Pfaffinger die Runde an. 165 Schüler bringen sich mit Plakaten, Trommeln und Blockflöten schon in Stellung. 8.15 Uhr. „Lärm voraus“, ruft Pfaffinger. Sie ist die Dirigentin der jungen Demonstranten, die mit Lehrern und Eltern gen Ortskern ausströmen.

Tom und Leo: „Eure Scherben sind unser Verderben“

Sie sind schon lange sauer auf die Rücksichtslosigkeit mancher Bürger. Hunde hinterlassen ihren Kot vor dem Eingang, auf der Terrasse oder auf der Spielwiese der Schule. Die herumliegenden Flaschen sind genauso schlimm, sagt Pfaffinger. „Der Hausmeister bringt montags regelmäßig einen ganzen Kasten zusammen.“ Wenn sie Jugendliche darauf anspricht, hätten die nur eine provokante Antwort: „Spende an die Schule.“ Scherben am Klettergerüst können für die Schüler aber zur Gefahr werden. „Dort haben sie Flaschenwerfen gemacht.“

Daher hat die von Pfaffinger initiierte Demo durchaus einen ernsten Hintergrund – es ist die erste im Andechser Ortsteil überhaupt. Dafür scheuen die Grundschüler auch minus zwei Grad nicht. „Eure Scherben sind unser Verderben“ haben Tom und Leo, beide 9, auf ihr Plakat geschrieben. „Die Scherben und Flaschen sehen nicht nur blöd aus, da kann man ja auch rein steigen“, sagt Tom.

Bürgermeisterin Neppel marschiert mit

Die Grundschüler trommeln, pfeifen – und sind auf der Suche nach ihrem Lieblingsspruch. „Flaschen, Scherben, Dreck muss weg!“ etabliert sich. Darunter mischen sich „Ole, Ole“-Rufe.

Ist die Demo eigentlich angemeldet? Bürgermeisterin Anna Neppel räumt rechtliche Bedenken aus und geht einfach mit. Sie stellt sich auf die Straße, winkt die Schüler rüber. Acht Autos, ein Bus – zwischendurch kommt der gesamte Erlinger Verkehr zum Erliegen.

Eine Option: Das Schulgelände einzäunen

Jürgen Plank, 57, schippt gerade vor seinem Getränkemarkt Schnee, als der Demonstrationszug vorbeikommt. Bis zu fünf Stundenkilometer Protestgeschwindigkeit zeigt das Messgerät am Straßenrand an. Der Erlinger pfeift im Rythmus mit, feuert die Schüler an. „Ich habe auch schon etliche Hundehaufen auf meinem Gehsteig weggeräumt“, ärgert sich Plank. Mit seinem sechsjährigen Mischlingshund gehe er aber immer in den Wald. Die Grundschüler treffen an diesem Morgen nicht auf einen Jugendlichen oder einen Hundehalter, den sie belehren könnten. „Aber die Leute haben ganz schön große Augen gemacht“, freut sich Tom.

Anna, 9, hat auf ihr Plakat eine Scherbe und einen Fuß gemalt, darunter: „Attacke gegen Hundekacke“. Einmal ist sie in einen Hundehaufen getreten. „Der Schuh stinkt heute noch“, ärgert sich die Viertklässlerin. Sie hofft, dass die Demo für Aufmerksamkeit sorgt. „Wenn das mit den Scherben und dem Hundekot so weitergeht, sollen sie das Gelände einzäunen“, fordert eine Mutter. 

Das wäre auch für Bürgermeisterin Neppel eine Option. Sie sagt aber: „Das freie Gelände war immer das Besondere an unserer Schule.“ Dorthin kehren die Demonstranten wieder zurück. 8.57 Uhr. Ein letztes: „Der Dreck muss weg!“ Die erste Erlinger Demo ist vorbei. „Ich bin stolz auf euch“, ruft Pfaffinger. „Heute haben wir gelernt, wie wir auf Demos gehen.“ Die Schüler kleben ihre Plakate an die Schulfenster – der Protest geht weiter, im Stillen.

Die Grundschüler bei ihrer Demo

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