Asyl

Exhibitionist in Heimat ausgeflogen

Andechs - Der 26-jährige Afghane, der im Sommer in der S-Bahn mehrere Frauen belästigt hatte, hat Deutschland verlassen. Helferkreis und Mitbewohner hatten ihn zur Ausreise gedrängt. 

Der Exhibitionist wohnte im Containerdorf in Andechs. Am 7. November findet nun in dem Ort eine Informationsveranstaltung zum Thema Asyl statt. 

Manfred Boll ist Leiter des Andechser Helferkreises Asyl und ein besonnener Mensch. Vorbehalten in der Bevölkerung begegnet er mit Bedacht, und auch die immer neuen Herausforderungen in der Wohnanlage in Andechs können ihn fast nicht aus der Ruhe bringen. Dass sich sozusagen einer seiner Schützlinge in der S-Bahn übelst aufgeführt hatte, erfuhr er nach seinem Sommerurlaub von der Mutter einer Betroffenen – das Mädchen war erst 14 Jahre alt. Boll setzte sich ins Auto und brachte der Familie Blumen. 

Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der 26-jährige Afghane mindestens drei Mal in der S-Bahn vor Frauen sein Geschlechtsteil entblößt hatte. Die Beweislast war erdrückend – es gab nicht nur Handyvideos, sondern auch Kameramaterial aus den S-Bahnen. „Die Polizei hat ziemlich Druck gemacht, als sie ihn gefunden hatten“, erinnert sich Boll. „Wir haben dann im engsten Helferkreis überlegt, wie wir mit der Sache umgehen.“ Am Anfang habe der 26-Jährige alles bestritten. „Als dann die Aufnahmen keine Zweifel mehr ließen, war er kooperativ.“ 

Der Helferkreis entschied, Ruhe zu bewahren und vor allem das Gespräch zu suchen. „Wir haben intensiv auf ihn eingeredet und ihn gedrängt zu gehen“, sagt Boll. Die anderen aus Afghanistan stammenden Männer hätten den 26-Jährigen geächtet. „Er ist letztlich freiwillig gegangen.“ Die Gerichte werden sich mit dem Fall nicht mehr befassen. 

Als zuständige Behörde war auch die Ausländerbehörde im Landratsamt informiert. In diesem Fall, wenn also ein Flüchtling in sein Land zurückkehren will, schaltet sich das EU-Projekt Coming Home ein. Hauptziel von Coming Home ist es, Flüchtlinge, Asylsuchende und ausreisepflichtige Drittstaatsangehörige bei der Rückkehr in ihre Heimat zu unterstützen. „Die haben das Ticket organisiert. Vergangenen Donnerstag ist er nach Afghanistan zurückgeflogen.“ Boll rief danach als erstes die Familie der 14-Jährigen an. 

Für Boll und sein Team war es der erste Fall dieser Art. Ganz zu Beginn seiner Arbeit, im Frühjahr 2016, seien einmal zwei Geschwister in der Früh geholt worden. „Die waren in Bulgarien erstregistriert – da galt das Dublin-Abkommen“, sagt Boll. Ein anderes Mal habe man mit Hilfe der Ausländerbehörde die Verlegung eines renitenten Jugendlichen durchgesetzt. Und eine Familie aus dem Iran habe in die Heimat zurückgewollt. Grundsätzlich aber sei es ruhig in der Andechser Anlage, in der 80 Menschen aus fünf Nationen leben, unter ihnen viele Familien mit Kindern. „Kinder sorgen für einen anderen Umgangsstil“, findet Boll. Obwohl er auch auf den Fall mit dem Exhibitionisten nie angesprochen worden ist, weiß er doch von Vorbehalten in der Bevölkerung. Daher lädt die Gemeinde auf Anregung des Helferkreises für Montag, 7. November, im Saal des Klostergasthofs zu einer Informationsveranstaltung ein. „Wir werden über unsere Arbeit berichten – und auch Asylbewerber kommen zu Wort“, sagt Boll. Beginn ist um 19.30 Uhr.

hvp

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