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Erzabt Öxler St. Ottilien

Klostergespräche

Multikulti ist die Zukunft

Andechs - Wie würde der heilige Benedikt mit der Flüchtlingsthematik umgehen? Diese Frage stellten sich Abt Johannes Eckert und Erzabt Wolfgang Öxler in Andechs auf dem Podium. Zwischen damals und heute gibt es dabei keinen so großen Unterschied.

Wie würde der heilige Benedikt mit den Flüchtlingen umgehen? Diese Frage wurde bei einem Gesprächsabend des Freundeskreises Kloster Andechs diskutiert. Auf dem Podium Johannes Eckert, Abt von St. Bonifaz und Andechs, Erzabt Wolfgang Öxler vom Kloster St. Ottilien und Nikolaus Neumaier vom Freundeskreis, der den Abend moderierte. „Flüchtlinge sind nichts Neues unter der Sonne“, betonte Abt Johannes Eckert immer wieder, schließlich ist das Migrationsthema ins Stammbuch der Bibel geschrieben.

Die Benediktiner verstehen Integration als Chance für die Gesellschaft. Auch als Herausforderung. Denn „Integration ist kein Fertiggericht“ und „braucht einen langen Atem“. So der geistliche Leiter von St. Ottilien. In der Erzabtei sind 25 Flüchtlinge untergebracht, was „relativ gut geht“. Der Erzabt sprach also auch aus Erfahrung und gab so manche Anekdote zum Besten, was alles so erklärt werden muss. Dass Herdplatten nicht zum Heizen da sind und auch nicht einfach mal eine Frau ins Kloster gebracht werden darf.

„Integration macht sich im Konkreten klar“ und ist nicht einfach. Aber „Multkulti ist die Zukunft der Welt“, so Abt Johannes. „Wir haben die Vorteile der Globalisierung genutzt, jahreang Bodenschätze ausgeraubt, lassen überall produzieren und tragen nun die Konsequenzen.“ Klare Worte auch zum Versagen der EU, die jetzt , „wo es ans Eingemachte geht“, Mauern aufbaut. „Grenzen schüren Aggressionen“, so Abt Johannes.

Ob die Benediktiner denn eine Obergrenze befürworten, wollte ein Zuhörer wissen. Benedikt hätte sie befürwortet, antworteten die Geistlichen, denn es braucht Grundregeln, „um eine Gemeinschaft nicht zu überfordern. Sonst knallt es“. Selbst in Klostergemeinschaften, die in sich geschützt sein müssen. Deshalb hat auch Erzabt Wolfgang Öxler eine Gruppe Rumänen, die „unverschämt“ an der Pforte bettelten, vor die Tür gesetzt. Bei mir steht auf der Stirn „Geduld“, so der Klostervorsteher, der auch an all die Mönche erinnerte, die nach Afrika ausgewandert sind und sich dort als Fremde einleben mussten. Der benediktinische Geist zeigt sich im Optimismus, dem Annehmen der Herausforderungen und in der Offenheit allem Fremden und Neuem gegenüber, das auch bereichern kann und ermöglicht, eigene Werte zu hinterfragen. Aber letztlich seien es vor allem die kleinen menschlichen Reibereien, die die Integration schwer machen. Ein Patentrezept hat keiner. „Wir sind ein lernendes System und haben mit dem Papst ein großes Vorbild, der keine Konfrontationen scheut“, so Öxler. Er vermisst klare Ansagen, will kein „Beckenbauerwischiwaschi“.

Die Benediktiner empfehlen „zur Desensibilisierung“ mal nach Berlin zu fahren. Die Flüchtlingswelle „sollte uns ein Weckruf sein“, appellierte Abt Johannes. „Wir saßen jahrelang im Schlafwagen.“ Und so bewundert er auch die Willkommenskultur von Angela Merkel. „Endlich interessieren sich die Menschen wieder für Politik“. Und dann bekannte der Abt noch: „Ich habe auch Migrationshintergrund. Komme nicht aus diesem Land. Also aus Bayern.“

Astrid Amelungse-Kurth

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