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Start in die Andechser Musikwoche mit Claudia Koreck und den Bandmitgliedern Andi Bauer, Gunnar Graewert, Oscar Kraus sowie Lukas Haefner (v.l.).

Florianstadl Andechs

Bayerische Soul-Queen setzt Sahnehäubchen

Es gibt einen neuen Namen im Veranstaltungskalender des Fünfseenlandes: Der heißt „Andechser Musikwoche“. Das fünftägige Mini-Festival wird von Bernhard Schloemer aus Krailling organisiert. Zum Auftakt startete das Programm, das auf zeitgenössische Musik setzt, mit gleich drei Live-Konzerten in Folge – das Sahnehäubchen bildete der Auftritt der bayerischen Soul-Queen Claudia Koreck.

Andechs – Jeder Musiktag beginnt bereits am späten Nachmittag. Den Auftakt machen am ersten Tag der Sänger Philip Bradatsch aus Kaufbeuren im kleinen Nebenraum des Florianstandls. Anschließend bespielt die Fürstenfeldbrucker Formation Chris Mayer and the Rockets die große Bühne. Nach einer Snackpause geht es mit dem Hauptact in die letzte Doppelstunde. Getreu dem Tagesmotto „Singer/Songwriter“ ist dies die meist bairisch intonierende Soul-Sängerin Claudia Koreck mit ihrer Band.

Sogleich versprüht die Traunsteinerin ihre sympathische Mischung aus Dynamik, Lebensfreude und Poesie. Dynamik, weil sie zu ihrer Musik unermüdlich hüpft und das große Publikum antreibt. Lebensfreude, weil sie unverblümt bekennt: „Wir haben nur wenige Auftritte dieses Jahr, deswegen Andechs: Lasst’s uns raus!“ Und Poesie, weil sie mit viel Einfühlung auf die Vogelstimmen eingeht, die vom Dachgebälk piepsen – anfangs noch, denn die zu Beginn recht rockig-laut verstärkte Band bringt die Vögel bald schon zum Abflug.

Nachdem die 32-Jährige zunächst nur eine Ukulele in der Hand hatte, wird sie mit ihrer Akustikgitarre schon etwas durchsetzungsfähiger. „Ziag deine Schua aus“, singt sie – und verrät einleitend noch, dass sie sich in vielen Liedern entlang ihrer Periode des „Mann-Einfangens“ bewegt, und sie fügt grinsend hinzu: „Des am Keyboard, des is übrigens mei Mo.“

Doch das potenzielle Zartgefühl ist zwar im Text, aber noch nicht musikalisch angesagt. Im Gegenteil: Eher kommt Rock-Konzert-Atmosphäre auf, und E-Gitarrist Luke Cyrus Goetze bringt beeindruckende Funk-Soli als Intermezzi.

Das stärkste Charakteristikum ist freilich Korecks Stimme. Sie findet auch in hohen Lagen Festigkeit und Stärke und sie schafft in den Refrains immer wieder neue Variationen derselben Zeilen. Dazu wirft sie auch in bairischen Texten ein englisch gesprochenes „oh“ dazwischen und moduliert danach regelrecht soulig weiter. Allerdings bindet sie oft die Worte zu einer einzigen Klangwolke zusammen, sodass manche Zeilen kaum verstehbar sind – macht aber nichts, denn Korecks Stimme ist einfach ein weiteres erstaunliches Melodieinstrument.

Abwechslung ist angesagt, wenn die Band ihre Klangfarbe wechselt. Zu einer Art Steelguitar und zum Akkordenklang einer Melodica passen die sanften Zeilen: „Wenn die Welt dia an Vogl zoagt, lassn fliagn.“ Lässig, fast jazzig kommt die „Sommerliab“. Und besonders beeindruckend wird der „ausgstöpslt“ gespielte akustische Teil des Konzerts, wo Koreck über dem Hintergrundgesang ihrer Bandkollegen versichert: „Unter meiner Deckn is es warm.“

Ein Höhepunkt ist der gospelig-jazzige Stimm-Einsatz von Schlagzeuger Oscar Kraus, der prompt Sonderjubel bekommt. Aber egal ob rockig („Holodeck“) oder sanft („Paper aeroplane“): Man spürt immer, dass die Emotionen der Sängerin ebenso ehrlich wie auch stark rüberkommen. In ihren eigenen Worten: „I muss dia sagn, was i fui – yaa“ (ich muss dir sagen, was ich fühle). Immer heftiger wird der Beifall, und als Koreck zuletzt alle zum Aufstehen auffordert, reagiert der ganze Saal ohne Zögern.

Die Andechser Musikwoche

geht noch zwei Tage weiter. Am heutigen Freitag, 3. Mai, spielt ab 17.15 Uhr das „Stephan Schludi Trio“ aus Gilching, anschließend singt die Münchnerin „De Hörmann“, ab 20 Uhr tritt „Dreiviertelblut“ auf. Am Samstag, 4. Mai, musizieren ab 17.45 Uhr gleich vier Formationen: Die „Würmsee Böhmischen“, die swingenden „ImWiDo“ und als Entspannung Joe Traxler, bevor ab 21 Uhr „LaBrassBanda“ den Florianstadl zum Glühen bringen wird.

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