Bayerische Weltmusik präsentierten Stephan Schludi (Mitte) sowie Sarah Nietsch und Gerhard Saller im Alten Pferdestall in Andechs. 
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Bayerische Weltmusik präsentierten Stephan Schludi (Mitte) sowie Sarah Nietsch und Gerhard Saller im Alten Pferdestall in Andechs. 

Trio Stephan Schludi

Bayerische Version des Savoir-vivre

Folkmusik und Mundart präsentierten Stephan Schludi, Sarah Nietsch und Gerhard Saller vor begeisterten Zuschauern im Andechser Florianstadl. Warum das talentierte Trio längst mehr als ein Geheimtipp der Region ist. 

Andechs – Stephan Schludi (54) ist ein Kind der 1980er Jahre. Mit seinen Freunden feierte der Heranwachsende am Baggersee, streifte durch Wiesen und Wälder und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Gepflegte Langeweile gehörte genauso zu seiner Jugend wie Gitarre und Gesang. 1984 hängte der Gilchinger seine Gitarre an den Nagel – und nahm das Instrument erst 15 Jahre später wieder zur Hand. Seither legt der selbstständige Gärtnermeister im Winter eine „kreative Phase“ ein, wie er sagt.

Während eines Auftritts in einer Musikkneipe wurden Sarah Nietsch und Gerhard Saller auf ihn aufmerksam und schlossen sich ihm 2016 an. Nur drei- bis viermal jährlich steht das Trio Stephan Schludi jetzt mit „bayerischen Volksliedern“ und sogenannten Conversions auf der Bühne. Zuletzt am Freitag im Rahmen der Andechser Musikwoche unter dem Motto „Mundart“. Schludi am Mikrofon und mit der Gitarre. Nietsch an Kontrabass oder Violine und mit ihrer dunklen Stimme. Banjo-Lehrer Saller begleitet mit der Gitarre.

Das Gilchinger Trio begeisterte die Besucher in Andechs

Angekündigt war das Gilchinger Trio mit „Musik aus eigener Feder, handgemacht, authentisch und vielsaitig“. Vom Gilchinger komponierte „Bayerische Weltmusik“, die die Besucher im gut besuchten alten Pferdestall beim Florianstadl begeisterte. Manch einer hatte ein Bier vor sich, eng ineinander verschlungene Pärchen bewegten sich zu den harmonischen Klängen, zu „Folkmusik“ und zu frei Schnauze in Mundart Übersetztem. Etwa John Lennons „Imagine“ auf Bayerisch. „Stell dir d’Leit vor, die lebn nur für heit.“

Den Saal erfüllten tiefgründige, poetische Texte über das Leben und über die Zeit, in denen der Niederbayer erwachsen wurde. Klang und Lyrik schufen an diesem verregneten Maitag den Alltag einer analogen Welt. Stichwort Regen: „Es is so wie’s is“, kündigte Schludi musikalisch seine Version des bayerischen Savoir-vivre an. Das typisch weiß-blaue „Schau mer mal“, das dem Liedermacher beim Dichten Modell stand. In Zeiten, in denen der Schokoriegel „Twix noch Raider hieß“ und er am Baggersee feierte. Man habe nicht aufs Handy gestarrt, sondern sich im Wald versteckt und mit einem Strohhalm zwischen den Zähnen in den Wiesen gelegen. Das Lied dazu: „Lass di falln“. Fallen lassen zwischen Vergissmeinnicht und Stiefmütterchen. „Schaun die Vögl, schaun die Wolken zu, genießn“.

Die Klänge fingen die Zuhörer auf dem Heiligen Berg sofort ein

„Texte sind mir wichtig“, betont der 54-Jährige im Gespräch. Getragen werden sie von Melodien, die ins Ohr gehen. Von Klängen, die die Zuhörer auf dem Heiligen Berg sofort einfingen. Nach einer knappen Stunde verabschiedeten sich der Gärtnermeister und Meister bayerischer Musik, die wahrlich „bezaubernde Sarah Nietsch“ und der „vielsaitige Gitarrist“ Gerhard Saller von ihren Zuhörern. Und bekamen anhaltenden Applaus für ihre Darbietungen, die sich in der Musikszene sehen und hören lassen können. Sie sind längst mehr als ein Geheimtipp aus der Region.

Von Michèle Kirner

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