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Rechteckig, grün und mit historischen Infos: Die Hausnamentafel von Familie Frey ist eine der ersten, die der Heimatverein anfertigen ließ. Neben dem Hof in der Andechser Straße bekommt auch der neue Aussiedlerhof der Familie eine Tafel. Rita (l.), Leonhard und Sonja Frey freuen sich darüber.

Projekt des Heimatvereins 

Wie Erlings Höfe zu ihren Namen kamen

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Seit 40 Jahren geht der Heimatverein Erling-Andechs der Geschichte der Ortschaft auf den Grund. Anlässlich des Jubiläums haben sich die Heimatforscher einem besonderen Projekt gewidmet: Mehr als 60 Hausnamen machten sie durch umfangreiche Recherchen ausfindig. Nun werden die passenden Tafeln angefertigt.

Erling – Ob der „Huber-Hof“ nach einer Familie Huber benannt ist oder der Hausname von der Bezeichnung „der hubere Hof“, also der halbe Hof, kommt, weiß Sonja Frey nicht. Aber eins steht fest: „Wir waren schon immer die Hubers“, erzählt die 48-Jährige. „Die Hubers“, das sind sie, ihr Mann Markus (44), Tochter Antonia (16), Sohn Leonhard (11) und Oma Rita Frey (69). Bei den Erlinger Landwirten ist die Familie vor allem unter ihrem Hausnamen bekannt. Seit einigen Wochen wissen dank des Hausnamentafel-Projekts des Heimatvereins Erling-Andechs aber wirklich alle Erlinger, dass es sich bei den Freys und Hubers um ein und dieselbe Familie handelt.

Die Freys kannten ihren Hausnamen zwar schon vor dem Projekt, doch das ist längst nicht bei allen Erlinger Familien der Fall. „Viele wussten nur, dass sie früher einen Hausnamen hatten“, erzählt Helmut Schwab, Schriftführer des Heimatvereins. „Aber sie wussten nicht, wie er lautet, warum er so heißt und wie alt der Name ist.“ Das wollten Schwab und der Vereinsvorsitzende Karl Strauß ändern.

Mehr als 60 Hausnamen machten die Heimatforscher ausfindig

Mithilfe alter Kirchenbücher und Pfarrboten förderten sie mehr als 60 Hausnamen und andere interessante Erkenntnisse über Häuser und Höfe in Erling zutage. Damit nicht genug: Familien mit Hausnamen bot der Heimatverein an, Namenstafeln aus Aluminium zu bestellen.

Bei den Einheimischen stieß der Verein damit auf großes Interesse. Zur Vorstellung des Projekts kamen rund 40 Erlinger in den Bernhardhof. Fast alle bestellten direkt danach ein Schild. Knapp 30 weitere Tafeln wurden wenige Wochen später in einem zweiten Schwung in Auftrag gegeben.

An der Andechser Straße hängen mittlerweile schon zwei der grünen Aluminiumtafeln mit weißer Schrift. Eine neben dem Eingang zum Rathaus und eine an der Haustür des Huber-Hofs von Familie Frey. „Wir wollten unbedingt so eine Tafel, weil wir stolz sind, dass es den Hausnamen gibt“, erzählt Sonja Frey. Sie interessiert sich für die Geschichte des Familienhofs und ist vom Hausnamentafel-Projekt so begeistert, dass sie auch für den neuen Aussiedlerhof der Familie am Fuchsbichl eine Namenstafel bestellt hat.

Die Geschichte des Kistler-Hofs ist bis ins 17. Jahrhundert dokumentiert

Eine weiteres Schild wird bald am Haus von Wolfgang Fischer (54) zu finden sein. Die Geschichte seines Anwesens, dem sogenannten Kistler-Hof, ist besonders gut dokumentiert. „Er ist seit 1660 in Familienbesitz“, erzählt Wolfgang Fischer. Der Erlinger wohnt heute – fast 360 Jahre später – mit seiner Mutter Martha (84) im Haus der Vorfahren. In einem Kirchenregister, das der Heimatverein den Fischers zugänglich machte, ist ein gewisser Johannes Leutgam als erster Eigentümer des Hofs aufgeführt.

Dreimal habe sich der Familienname seitdem geändert, erzählt Fischer. Johannes Leutgams Tochter Maria erbte das Haus und heiratete 1709 Petrus Schmid. Dieser war augenscheinlich ein echter Witzbold. „Er muss ein sehr humorvoller Mann gewesen sein, denn er wurde im Allgemeinen der lustige Schreiner genannt“, zitiert Fischer aus dem Kirchenregister. Petrus Schmids Tochter Barbara trug seit ihrer Hochzeit im Jahr 1734 den Nachnamen Weinhart. Im Jahr 1861 erbte Josef Fischer, der Ur-Ur-Großvater von Wolfgang Fischer, den Kistler-Hof.

Der Name des Hofs kommt von der früheren Bezeichnung für Schreiner

Ein Name taucht in den Chroniken allerdings nie auf: Kistler. „Man hat das Haus Kistler-Hof genannt, weil der Eigentümer ein Schreiner war“, erklärt Fischer. „Und Schreiner bezeichnete man früher als Kistler, weil sie auch die letzte Kiste, die man im Leben braucht, geschreinert haben.“ Noch heute befindet sich auf dem Hof hinter dem etwa 200 Quadratmeter großen Wohngebäude eine Schreinerei. Die Töchter der Vorfahren hätten immer Schreiner geheiratet, erzählt Fischer. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“, sagt er und schmunzelt.

Der 54-Jährige ist selbst gelernter Schreiner, hat den Betrieb von seinem Vater aber nicht übernommen. Die Schreinerei ist heute an einen ehemaligen Lehrling seines Vaters und einen weiteren Teilhaber verpachtet. „Ich war nicht der Typ für die Selbstständigkeit“, begründet Wolfgang Fischer diesen Schritt. „Außerdem war damals die Auftragslage nicht so rosig.“ Im Jahr 1990 fing er daher bei der Bayerischen Seenschifffahrt an. Dem Schreinerhandwerk kehrte er damit aber nicht ganz den Rücken. Denn während der Sommersaison rudert er über den Starnberger See, in der kalten Jahreszeit macht er Schreinerarbeiten an den Schiffen.

Das Hausnamentafel-Projekt des Heimatvereins gefällt Wolfgang Fischer sehr gut. „Weil dadurch die Tradition bewahrt wird“, sagt er. Die Hausnamentafel der Fischers muss zwar erst noch geliefert werden, doch Fischer weiß schon, wo er sie anbringen will. „Die Tafel kommt vorne ans Eck neben der Hausnummer“, erzählt er. Die Farbwahl des Heimatvereins hält er für geglückt. „Das Grün passt sehr gut zu unseren Fensterläden.“

Diese Hausnamen gibt’s:

Amtshaus, Bachgartner, Bachkramer, Bachmaurer, Bachseppe, Baderhansl, Baudrexl, Bauer am Schmiedberg, Berl, Bichlkramer, Binder, Bleamezenzl, Bräuweber, Breimesser, Daber, Dagg, Daimer, Doll, Drechsler, Ehemaliges Polizeihaus, Frauenkramer, Goribäck, Huaba, Huber, Jägerbauer, Jägerjörgl, Käberle, Kaltschmied, Kandler, Kistler, Kistlerschuster, Klosterrichter, Kramer, Kramerbauer, Kramerlippl, Lacher, Maurerhansl, Metzgernatz, Oberer Schmied, Orgelbauer, Pabst, Pain, Pfeiffer, Rauscher, Rochl, Schulhaus, Schusterraphel, Schusterthama, Schusterveitl, Spielbauer, Spilcaspar, Stegschneider, Steinschäffler, Tabakkramer, Truckenmüller, Tyroler, Unterer Wirt, Veronihänsl, Wagner, Wagnerwastl, Wasenmeister, Zach, Zankl, Zimmergratz und Zimmermichl.

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