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Martin Glaab schwört auf das neue alkoholfreie Weiße.

Brauereien im Landkreis Starnberg

Andechs: Ein gutes Bier braucht Zeit

Andechs - Bayern ist Bierland. Und natürlich gibt es auch im Lesebereich unserer Heimatzeitung eine Reihe von größeren und kleinen Brauereien. Was liegt da näher, als Ihnen anlässlich der 500-Jahrfeier des Bayerischen Reinheitsgebots von 1516 die ambitionierten Menschen vorzustellen, die hier in der Region Bier aus Leidenschaft brauen. Heute: Die Klosterbrauerei Andechs.

Die Klosterbrauerei Andechs ist nicht nur die größte Brauerei im Fünfseenland, „sondern auch die größte Brauerei Deutschlands, die komplett von einer klösterlichen Gemeinschaft betrieben wird, also nicht zu einem Konzern gehört“, erläutert Martin Glaab, Pressesprecher des Klosters, in Vertretung für den Betriebsleiter der Klosterbrauerei, Braumeister Alexander Reiss. „Mit den Einnahmen sichern wir das seelsorgliche, karitative und wissenschaftliche Engagement unserer Benediktinerabtei St. Bonifaz in München“, fährt Glaab engagiert fort, und man spürt, wie stolz er ist auf das, was in Andechs und dort in München, beispielsweise für Obdachlose, geleistet wird.

Das ist umso wichtiger, als das Kloster keine Zuwendungen aus dem Kirchensteueraufkommen erhält. Wahrscheinlich haben die Benediktiner aus Tegernsee 1455 die Braukunst mit nach Andechs gebracht. Seitdem wird ununterbrochen am Heiligen Berg Bier gebraut. Selbst während der Säkularisation hatte die Brauerei als Pachtbetrieb Fortbestand. Die Brauerei als Wirtschaftsfaktor ist für das Kloster damals wie heute von größter Bedeutung, entsprechend wurde in der Vergangenheit immer wieder investiert, erneuert und modernisiert, wobei auch der Nachhaltigkeitsgedanke, beispielsweise im Energiebereich, eine große Rolle spielt.

„Uns liegt viel an einem bewussten Umgang mit den Ressourcen“, so Glaab, „die Mönche legen viel Wert auf traditionelle Brauprozesse in Kombination mit modernster Brautechnologie.“ Dazu zählt beispielsweise das Mehrfachmaischverfahren beim Brauen der dunklen Biere, das heute in Anbetracht der Qualität der Rohstoffe eigentlich nicht mehr nötig wäre. „Es unterstützt das Herauslösen des Zuckers aus dem Malz, um den Hefen genügend Futter für die alkoholische Gärung zu geben“, schmunzelt Glaab. „Unsere dunklen Biere schmecken dadurch sehr malzaromatisch, allerdings dauert es bis 25 Prozent länger als bei herkömmlichen Verfahren.“

"Ein gutes Produkt braucht Zeit"

Der Faktor Zeit spielt überhaupt eine große Rolle bei den benediktinischen Glaubensregeln. „Ein gutes Produkt braucht Zeit, deshalb ist es für uns wichtig, dass die Gär- und Lagerzeiten wirklich lang genug sind, bis zu sechs Wochen. Wir geben der Hefe viel Zeit, damit sie aus der Würze Alkohol, Kohlensäure und die für jede Sorte ganz eigenen Geschmacks- und Aromastoffe produzieren kann.“ Außerdem wird in Andechs noch das Zweitankverfahren praktiziert, bei dem das Jungbier nach der Gärung aus dem Gär- in einen Lagertank umgepumpt wird. Dadurch klärt sich das Bier noch besser und die Andechser Klosterbiere haben einen abgerundeten, vollmundigen Geschmack. „Das alles ist Teil unserer Philosophie“, so Glaab, „wir brauen Premiumbiere, die dann auch ihren Preis haben.“

In Andechs werden derzeit acht Biere gebraut (siehe www.andechs.de), zusätzlich gibt es von Martini bis Josephi das kellertrübe Winterbier, das unfiltriert nur auf dem Heiligen Berg direkt vom Fass ausgeschenkt wird. „Es hat eine große Geschmacksintensität“, verrät Martin Glaab. Das jüngste Bier der Klosterbrauerei ist das alkoholfreie Weißbier, seit 19 Jahren die erste Produktinnovation. „Die Entscheidung, ob ein alkoholfreies Weißbier zu einer Starkbierbrauerei passt, hat der Konvent sich nicht leicht gemacht. Wir können nicht jedem Trend folgen, beobachten aber den Biermarkt genau und schauen, was in unsere nachhaltige Planung passt“, erläutert Glaab.

Und auch bei der schonenden Entalkoholisierung mittels Membranfiltertechnik ist die Klosterbrauerei einen aufwändigen Weg gegangen, „der eingesetzte Prozess erlaubt es, Geschmack und Aroma des Ursprungsproduktes auch ohne Alkohol zu erhalten“, so Glaab. Die Nachfrage ist inzwischen so groß, dass die Mengen schon zugeteilt werden müssen.

Apropos Starkbierbrauerei: In Andechs gibt es keine spezielle Fasten- oder Bockbierzeit, Bockbier wird das ganze Jahr über gebraut. Auch das hängt mit der Tradition der Benediktiner zusammen, denn Andechs ist der älteste Wallfahrtsort Bayerns. „Die Pilger kamen und kommen das ganze Jahr, deshalb bieten die Benediktiner aus ihrem Verständnis für Gastlichkeit und ihrer Hochachtung dem Gast gegenüber ganzjährig Starkbier an“, so Glaab.

Und noch etwas liegt ihm am Herzen, die Brautradition betreffend: „Andechser Bier wird nur hier gebraut, nichts ist ausgelagert. Weder Brauen, Lager, Abfüllen noch Etikettieren, hier liegen unsere Wurzeln. Jede Flasche, auch die für die USA oder andere europäische Länder, war hier am Heiligen Berg.“ Insgesamt werden in Andechs pro Jahr über 100 000 Hektoliter Bier gebraut, „das sind 20 Millionen Halbe. Wenn man die hintereinander stellt, kommt man ganz schön weit“, verdeutlicht Glaab lachend. Der Hopfen für die selbstredend nach dem Bayerischen Reinheitsgebot gebrauten Andechser Biere kommt aus der Hallertau, „wir nehmen nur Aromahopfen“, so Glaab, und auch das Malz kommt nur von bayerischen Mälzereien. Hier erwähnt der Sprecher stolz, dass sie sofort nach Bekanntwerden der Glyphosatfunde im Bier alle Andechser Biere testen ließen und dass sie alle frei von dem Pflanzenschutzmittel sind. Somit kann man sich ruhigen Gewissens seine Halbe bei einer deftigen Brotzeit schmecken lassen und den Heiligen Berg auf sich wirken lassen. Genuss eben für Leib und Seele.


Von Eva-Maria Schröder

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