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Flächennutzungsplan

Andechs will wachsen, aber in Maßen

  • vonAndrea Gräpel
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Gemeinsam mit dem Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München hat der Gemeinderat Andechs in vielen Arbeitsstunden eine Priorisierung erarbeitet, die auch für andere Gemeinden beispielgebend sein könnte. Denn es geht darum, eine maßvolle städtebauliche Entwicklung zu gewährleisten – nicht zu schnell, nicht zu langsam und vor allem unter Berücksichtigung der Schaffung von Wohnraum für Einheimische.

Andechs - Die Gemeinde Andechs hat seit einem Jahr einen neuen Flächennutzungsplan. Ein Instrument der räumlichen Planung, das dieses Wachstum für die nächsten 15 bis 20 Jahre festlegt – inklusive Baulandausweisungen. Allein deswegen ist diese Planung ein hochsensibles Thema. Aufmerksam verfolgten am Dienstagabend vor allem junge Bürger aus den drei Andechser Ortsteilen, wie der Gemeinderat nun künftig mit den Neuausweisungen umgehen will.

Für die Aufstellung des neuen Flächennutzungsplans waren 64 Entwicklungsflächen durch Bürgeranfragen, Gemeinderatsklausur, Bürgerveranstaltung und Ortsteilveranstaltungen eingebracht und diskutiert worden. 34 wurden in den Plan aufgenommen und nun städtebaulich untersucht. Dies entspricht einer Fläche von insgesamt 32 Hektar. Allein die Möglichkeit gibt den Grundbesitzern aber nicht unbedingt Baurecht. Dies wird erst durch Bebauungspläne geschaffen. Doch wo damit anfangen und nichts übers Knie brechen? Darum geht es bei der Priorisierung, die im Einzelfall flexibel bleiben soll, sich also insofern anpassen könnte, als eine Fläche in der Priorisierung unter bestimmten Umständen auch nach vorn rutschen könnte.

Christian Schwander vom Planungsverband stellte das Konzept am Dienstag am Beispiel der Andechser Ortsteile vor. Nach diesem Schema sollen sich Erling, Frieding und Machtlfing gleichberechtigt in vier Stufen entwickeln. „Wichtig ist es, das Bevölkerungswachstum nicht aus den Augen zu verlieren“, sagte Schwander. Im Vergleich hatte Frieding mit 3,1 Prozent nämlich großen Zuwachs bereits in den Jahren 2015 bis 2019. Seine Prognose bis 2030 verteilt sich mit 0,9 bis 1,6 Prozent pro Jahr gleichmäßiger auf alle Ortsteile – insgesamt heißt dies bis zu etwa 620 neue Einwohner. Allein die Max-Planck-Fläche in Erling soll Wohnraum für 90 Menschen bieten. Die größte Entwicklungsfläche (37 Prozent) in Frieding betrifft das Gewerbegebiet, das damit keine Auswirkung auf die Einwohnerzahl hat.

Robert Klier (Bürgergruppe) lobte die vier Stufen der Priorisierung, mahnte aber, weiterhin maßvoll damit umzugehen, „um nicht ein Überangebot zu bekommen“. Für Christian Pfänder (Bayernpartei) war der Vorteil für Einheimische nicht deutlich genug herausgearbeitet. „Viele Flächen sind in der Priorisierung schlecht bestellt“, fand er. Auch Michaela Eisenschmid (Bürgergruppe) fürchtete, „am Kernproblem vorbeizuschrammen“, an der Schaffung von Wohnraum für Einheimische. Der Bedarf sei groß, schließlich wohnten deshalb so viele junge Leute der Sitzung bei, merkte sie an. Wohnraum etwa auf der Stadlerwiese werde sich kaum ein Einheimischer leisten können, sagte Pfänder.

Bürgermeister Georg Scheitz erinnerte in diesem Zusammenhang an das Konzept der Sozialen Bodennutzung, das bei Neuausweisungen berücksichtigt werden müsse. „Das ist immer ein guter Teil der Fläche“, sagte er. Mit Begründung sei die Priorisierung außerdem jederzeit flexibel. Scheitz räumte ein, dass dies ein heikles Thema sei, erkannte aber „eine gute Mischung“, die auch sichergestellt sei. „Wichtig für uns ist, dies jetzt im Zeitplan gut zu verteilen“, sagte er.

Stefan Dorn (CSU) fand Schwanders Vorschläge gut. „Wir entscheiden, wie es weiter geht“, sagte er. Es sei auch kein „sturer Fahrplan“, versprach Scheitz. Damit wollte auch Michaela Eisenschmid leben. Dem Vorschlag des Planungsverbandes mit einer städtebaulichen Entwicklung in vier Stufen in allen Ortsteilen stimmte der Gemeinderat ohne Gegenstimme zu.

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