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Mit Beginn der großen Ferien beginnt für Barbara Pfaffinger (65) der Ruhestand. 

Carl-Orff-Grundschule

„Ich war 17 Jahre sehr glücklich hier“

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Andechs‘ Grundschulleiterin Barbara Pfaffinger wird von Schülern, Lehrern und Eltern nach 17 Jahren ein herzliches Ruhestandsfest bereitet.

Andechs – Dieser Freitag war für Barbara Pfaffinger ein sehr bewegender Tag. Eigentlich hat die Rektorin der Carl-Orff-Grundschule Andechs erst am 31. Juli ihren letzten Schultag. Weil die Schule aber das große Sommerfest veranstaltete, wurde es zugleich ein Abschiedsfest für die bei Schülern, Eltern und Kollegen gleichermaßen beliebte Lehrerin. Die Rektorin geht mit Beginn der Sommerferien nach 17 Jahren in den Ruhestand.

„Ich hatte eine sehr schöne Zeit, ich war 17 Jahre sehr glücklich hier“, sagt sie. „Kein Tag, an dem ich aus dem Auto stieg und auf meine Schule zuging, an dem ich mich nicht gefreut hätte.“ Als Barbara Pfaffinger 2001 die Leitung der Andechser Grundschule übernahm, habe ihr nichts Besseres passieren können. „Das war die ideale Schule für mich“, schwärmt die Starnbergerin, die sich der bayerischen Tradition eng verbunden fühlt. Elf Jahre hatte sie vorher in Starnberg unterrichtet, „und ich hatte nur eine einzige Schülerin, die Dialekt sprach. In Andechs sagen die Schüler griaß di, ohne dass sie merken, dass sie uns duzen. Und wir lassen sie“.

Der Schulleiterin geht das Herz auf, wenn sie an „ihre“ Andechser Kinder denkt. Die meisten ebenso in der bayerischen Tradition verwurzelt wie sie selbst. Andechs war auch deshalb eine ideale Schule für die langjährige Schulleiterin, weil Barbara Pfaffinger gern musiziert. Die Carl-Orff-Grundschule ist eine Schule mit Musikprofil. Die 65-Jährige spielt Klavier, Akkordeon und Kontrabass – aktiv und gemeinsam mit ihrem Mann Ferdinand. Und singen mag sie auch sehr gern. „Das bayerische Liedgut liegt mir besonders am Herzen. Und Volkstänze – alles im Orffschen Sinne.“ Das trifft sich in Andechs gut, denn in allen drei Ortsteilen wird Tradition groß geschrieben.

Barbara Pfaffinger hatte sich damals schnell eingelebt. Der erste Schultag jedoch hat sich in ihr Gedächtnis gebrannt – auch mit unangenehmen Erinnerungen. Es war der 11. September 2001 – der Tag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon. „Da gab es viel Erklärungsbedarf“, erinnert sie sich. Die Kinder von damals sind heute Anfang, Mitte 20. Nicht wenige der Ehemaligen waren unter den 500 Gästen, die am Freitag zum Sommerfest kamen. Die Schulleiterin freut sich jedes Mal, sie zu sehen. Einige haben bereits ein so genanntes Orientierungspraktikum bei ihr absolviert, und eine sogar ein richtiges, „die studiert jetzt, die meint es ganz ernst“. Das findet Barbara Pfaffinger „ganz wunderbar“.

Irgendetwas habe sie wohl richtig gemacht, überlegt sie. Wenn nämlich an einem Freitagvormittag Elternsprechtag an manchen weiterführenden Schulen ist, dann könnten die Schüler eigentlich ausschlafen. Nicht aber diejenigen, die in Andechs Lesen und Schreiben lernten. „Wochen vorher fragen sie, ob sie nicht zu uns kommen können“, freut sich die Schulleiterin. 17 Schüler seien es zuletzt gewesen, die sie dann auf die Klassen verteilt habe. „Die assistieren uns und lassen sich von den Kleinen bewundern, weil sie schon so weit sind“, freut sich Barbara Pfaffinger und findet das prima. „Es wirkt auf die Kleinen doch ganz anders, wenn ein Schüler sagt, die Exen dort sind aber gepfeffert, als wenn wir Lehrer das sagen.“ Ganz abgesehen von der Tatsache, dass die Schüler in ihrer schulfreien Zeit kommen, ein Zeichen ist, dass sie in Andechs gern zur Schule gingen.

„Das gilt natürlich uns allen“, sagt die Chefin eines 20-köpfigen Kollegiums. Alles Frauen. Auch dieses Kollegium ist beständig. „Wer einmal bei uns war, bleibt eigentlich.“ So ist es gewissermaßen auch mit ihrer Nachfolgerin Brigitte Ruck-Däschel. Für ein Jahr ist sie zurzeit Konrektorin an einer Münchner Schule, „am 1. August kommt sie zurück“. Barbara Pfaffinger ist froh über diese Wahl. „Sie kennt den Betrieb.“ Und die alte Schulleiterin kann sich sicher sein, dass die Kolleginnen bei der neuen in besten Händen sind, „denn meine Kollegen liegen mir sehr am Herzen“.

Nur eines gibt es, auf dass Barbara Pfaffinger künftig gerne verzichtet: die Bürokratie. Morgens sei sie Lehrerin gewesen, nachmittags Schulleiterin, manchmal verbrachte sie bis zu 60 Stunden in der Woche in der Schule. „Mal sehen, wie ich aus diesem Hamsterrad wieder rauskomme“, sagt die Starnbergerin, die bald viel mehr Zeit hat.

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