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Ausnahmeerscheinung: Es gibt durchaus Fälle, in denen sich Wildschweine mit Nutztieren von Bauern vertragen – im Bild im Landkreis Göttingen. Im Landkreis jedoch sieht der Bauernverband in der Schwarzwildpopulation eine Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest und verlangt eine rigide Bejagung der Schwarzkittel.

Jagdrecht

Bauern im Landkreis für stärkere Wildschweinjagd

Sind Wildschweine im Landkreis Starnberg eine Plage? Der Bauernverband jedenfalls fordert vom Landkreis drastische Bekämpfungsmaßnahmen – um eine Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Selbst das Bundeskriminalamt spielt dabei eine Rolle.

Landkreis– Umgewühlte Sportplätze und Wildunfälle sind ein untrügliches Zeichen, dass Wildschweine im Landkreis längst keine Ausnahme mehr sind. Aber sind es zu viele? Und sind sie eine Gefahr für Nutzschweine? Dem Bayerischen Bauernverband geht die Bekämpfung des Schwarzwilds nicht weit genug, er fordert spezielle Fallen und die Ausrüstung der Jäger mit Nachtsichtgeräten. Im Landratsamt ist man von solchen Forderungen nicht überzeugt, prüft aber.

Bauernobmann Georg Zankl hatte einen Antrag an Landrat Karl Roth geschickt, in dem er die Erlaubnis für so genannte Saufänge fordert. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesagt, um ein Gatter mit Futterködern für Wildschweine – sind die Sauen drin, geht das Tor zu, die Schweine können erlegt werden. Zudem plädiert Zankl für die Erlaubnis für Jäger, Gewehre mit Nachtsichtgeräten verwenden zu dürfen. Die allerdings sind nach dem Jagd- und Waffengesetz verboten, erleichtern aber die Jagd auf die nachtaktiven Wildschweine.

Grund für Zankls Nachdruck ist die Afrikanische Schweinepest, die sich von Osteuropa auf Bayern zubewegt. Derzeit ist sie in Rumänien. Würde sie hierzulande auftreten, hätte dies drastische Folgen – Betriebssperrungen, ausgedehnte Jagden und einiges mehr. „Es muss alles daran gesetzt werden, eine Einschleppung nach Bayern zu verhindern“, betont Zankl, selbst Schweinezüchter. Er steht nicht allein: Schon seit Monaten klagen Waldbesitzer über eine aus ihrer Sicht überhandnehmende Schwarzwildpopulation. Ob es eine regelrechte Plage ist, steht dahin – laut Landrat Roth wäre aber eine Plage Voraussetzung, um über das Bundeskriminalamt die waffenrechtlichen Genehmigungen für Nachtsichtgeräte zu bekommen. Der Landrat sieht noch keinen akuten Handlungsbedarf. Im Kreistag erklärte er gestern, bis die Afrikanische Schweinepest im Landkreis ankommen dürfte, würden mehrere Jahre vergehen – es kann aber auch sehr viel schneller gehen. Die Tierseuche wird von bayerischen Behörden durchaus ernst genommen, auch wenn sie keine Gefahr für den Menschen darstellt. Der Kreistag ist für diese Jagdfragen übrigens gar nicht zuständig. Der staatliche Teil des Landratsamtes, das in diesem Fall als Behörde des Freistaates agiert, werde die Anträge des Bauernverbands prüfen, erklärte Sprecher Stefan Diebl und verwies auf einen Runden Tisch dazu vor wenigen Tagen.

Die Jäger selbst sehen das Problem weniger dramatisch. Hartwig Görtler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, erklärte auf Anfrage, die Frage der Nachtsichtgeräte stelle sich nicht – sie seien per Gesetz verboten. Deswegen müsste erst das Gesetz geändert werden. Saufänge hält die Kreisjägerschaft für tierschutzrechtlich bedenklich, aber in Ausnahmefällen für genehmigungsfähig. Dazu müssten die Landwirte aber erst mal alle Möglichkeiten ausschöpfen. Görtler erkennt Defizite bei der Jagd in diesen Bereichen. Zudem müsste für einen Saufang nachgewiesen werden, dass alle anderen Möglichkeiten nichts gebracht haben – „das haben die Bauern noch nicht dargelegt“.

Eine dritte Forderung des Bauernverbandes ist, dass der Landkreis Jägern die Kosten für Untersuchungen erlegter Wildschweine erlässt. Andere Kreise haben dies bereits getan. Jede Sau muss auf Trichinen untersucht werden, wobei auch radioaktive Belastungen ermittelt werden. Die stammen in vielen Fällen, wie CSU-Kreisrat und Jäger Helmut Wagner erklärte, von Pilzen, die auch mehr als 20 Jahre nach Tschernobyl immer noch belastet sind. Ob der Kreis die Kosten übernimmt, müsse der Kreistag entscheiden, erklärte Diebl. Roth ließ durchblicken, sich eine Kostenübernahme vorstellen zu können. Görtler ist „sehr stark dafür“, denn die Untersuchung kostet pro Tier fast 20 Euro – für ein Kilo Wildschwein bekommt man 4 Euro. Daraus lässt sich errechnen, dass nur große Schwarzkittel geschossen werden. Ein Wegfall der Gebühren, die der Kreis erhebt, wäre ein Anreiz für die Jäger, alle Größen von Wildschweinen zu jagen.

Wie viele Tiere es im Landkreis gibt, weiß übrigens niemand.

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