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Beratungsstelle Condrobs legt Bilanz vor

Alkohol weiter Droge Nummer eins im Landkreis

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Der Alkohol bleibt auch im Landkreis Starnberg die häufigste Droge, die Menschen in die Abhängigkeit führt. Das zeigen die neuesten Zahlen der zuständigen Suchtberatungsstelle Condrobs einmal mehr:

Landkreis – 58,6 Prozent des Klientels kam im vergangenen Jahr wegen eines Alkoholproblems auf die Berater in Starnberg und in der neuen Außenstelle in Gilching zu. Zweithäufigster Grund für einen Termin bei Condrobs war Cannabis (25 Prozent). Mit weitem Abstand folgten dahinter auf Platz drei so genannte Opioide (5,3 Prozent) vor psychotropen Substanzen (3,2 Prozent) und pathologischem Glücksspiel (2,5 Prozent).

Obwohl sie im Vergleich zum Jahr davor mehr Arbeit bekommen hatten, zogen Condrobs-Abteilungsleiter Stefan Wenger und seine Kollegen Michael Hoffmann und Wolfram Skasa-Weiß eine positive Jahresbilanz. Mit 699 Beratungsgesprächen habe es 80 mehr gegeben als ein Jahr zuvor. Die Steigerung führt das Trio aber nicht auf einen Anstieg des Drogenkonsums im Landkreis zurück, sondern darauf, dass die Hemmschwelle geringer geworden sei, Condrobs aufzusuchen.

Ihren zu hohen Alkoholkonsum beichtet den Beratern dabei vor allem die Altersgruppe ab 35 Jahre. „Diese Leute merken, dass sich etwas in ihr Leben eingeschlichen hat, das sie stört“, weiß Condrobs-Chef Wenger. Die Sucht sei ein schleichender Prozess. Bei den Jüngeren sei der Alkoholkonsum noch positiv behaftet, er stehe für „Party machen“.

Junge Promillesünder werden demnach eher zu Condrobs-Kandidaten, wenn sie mit einer Alkoholvergiftung im Starnberger Krankenhaus landen. Ihnen versucht Condrobs über das bundesweite „HaLT“-Projekt zu helfen. Seit 2009 läuft es auch im Landkreis erfolgreich, mit dem Klinikum wurde 2015 ein Kooperationsvertrag geschlossen. Das Krankenhaus vermittelt die Jugendlichen nach ihrem Vollrausch an die Suchtberatungsstelle; natürlich nur, wenn die Eltern nichts dagegen haben.

Öfter bekommt Condrobs Jugendliche wegen Cannabis-Konsums zu Gesicht, die meisten sind zwischen 15 und 18 Jahre jung. Wenn die jungen Leute mit Marihuana erwischt werden, kennen Polizei und Justiz in Bayern bekanntlich kein Pardon. Ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz landet nicht selten vor Gericht und im Führungszeugnis.

„Wir würden uns eine Entkriminalisierung von Cannabis wünschen“, sagt Wenger mit Blick auf mögliche Probleme der Jugendlichen bei der Ausbildung. Er wünscht sich für Cannabis eine ähnliche Abstufung wie beim Alkohol: Den harten gibt es bekanntlich ab 18 Jahre zu kaufen, Bier ab 16 Jahre. „In Bayern ist das natürlich ein dickes Brett“, so Wenger zu der von vielen geforderten Cannabis-Legalisierung.

Condrobs feiert in diesem Jahr bereits sein 25-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr wartet die Beratungsstelle neben den bestehenden mit einem neuen Projekt auf: Es nennt sich „Schulterschluss“ und wird gemeinsam mit dem Fachbereich für Kinder, Jugend und Familie des Landkreises auf die Beine gestellt. Es diene der Vernetzung und Kommunikation von Fachkräften, die in ihrer Tätigkeit Kindern und Jugendlichen in suchtbelasteten Familien begegnen oder in der Suchthilfe Abhängige betreuen. Ziel sei, „ein institutionsübergreifendes Netzwerk zu aktivieren“, heißt es.

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