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Proben für die Auferstehung: Die Schauspieler und Regisseurin Angela Hundsdorfer übten am Montagabend für „Die Auferstehung“ am Sonntag.

Carl-Orff-Fest

Carl Orffs Rückkehr nach Andechs

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Am heutigen Mittwoch beginnt das Carl-Orff-Fest am Ammersee, die Neuauflage der Orff-Festspiele. Ein Blick in die Proben für den Abschluss, passenderweise „Die Auferstehung“.

Andechs – „Das wird eine stramme Woche.“ Regisseurin Angela Hundsdorfer sitzt im Stuhlkreis auf der Bühne des Florianstadls in Andechs und wartet geduldig, bis alle Schauspieler eingetrudelt sind. Einer fehlt immer noch. Es ist Franz Xaver Zeller, der dann irgendwann in den Raum hechtet und eine Entschuldigung murmelt. „Bin im Tunnel stecken geblieben“. „Was? Ist der schon fertig?“, witzelt ein Kollege. Egal. Jetzt kann es losgehen. Es ist Montag, 19.30 Uhr, die erste Leseprobe für die 1956 uraufgeführte „Auferstehung“ vom Dießener Komponisten und Musikpädagogen Carl Orff. Das Osterspiel wird am kommenden Sonntag im Rahmen der neu belebten Orff-Festspiele aufgeführt.

Der Titel passt wunderbar zur Wiederauferstehung der im Jahr 2015 eingestellten Orff-Festspiele. Bekanntlich hatte es künstlerische Differenzen zwischen Marcus Everding und der Carl-Orff-Stiftung gegeben, das Kloster Andechs war als Veranstalter ausgeschieden, aber Florian Zwipf-Zaharia hatte schon damals angekündigt, dass er die Orff-Festspiele am Leben erhalten will. Was zunächst an der Finanzierung scheiterte, Zwipf-Zaharias Firma war insolvent. Jetzt ist der Blick nach vorn gerichtet.

Alle Facetten von Orff werden gezeigt

Das Programm steht, das Konzept ist neu. Man will nun alle Facetten von Orff zeigen, nicht nur sein Werk, sondern auch seine Vorbilder, Lehrmeister, Schüler, Musikerkollegen. Das erweitert die Möglichkeiten immens; Ravel, Bach, ja sogar Hiphop kommen dazu, die Spielorte werden gewechselt, ein Vortrag über Orff und den Natonalsozialismus ist auch dabei.

Florian Zwipf-Zaharia spricht in der Begrüßung der Mitstreiter von einem „großen Abenteuer“. Mit Angela Hundsdorfer hat er schon gemeinsam den Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen gestemmt. An diesem ersten Probentag wurde im Florianstadl die Technik installiert. Licht, Ton, Bühnenaufbau. Die Schauspieler sind auch alle da, jetzt kann es losgehen. Angela Hundsdorfer erklärt nach dem freudigen Ausruf „Ich find es den Hammer!“ ihr künstlerisches Konzept. Im Telegrammstil: Da beim Osterspiel fast nichts passiert, der Text, die Sprache wie Musik ist, gibt es keinen großen Bühnenaufbau, Kostüme werden angedeutet als „Zeitlosigkeit von abgerockten Militärs“. Das Ganze kommt als halbszenische Lesung des artifiziellen Textes daher. Die Regisseurin spricht von theatralen Lösungen, theatralen Funktionen, davon, dass der Teufel als heutiges Wesen aus der Mystik herausgeholt wird, eine Rolle, die sie selbst übernimmt. Es werden Artistiknummern am Vertikaltuch zu sehen sein, wofür Schauspieler gedoubelt werden, der Kinderchor wird von nur fünf Kindern und Sopranen des Münchner Bachchors übernommen.

Dann legen die Schauspieler los. Texte haben sie auf iPads, in der Kladde, als Loseblattsammlung. Franz Xaver Zeller liest ganz cool vom Handy ab. Nur Peter Weiss, der Lesestar des Landkreises hat seine Blätter ordentlich im Ringbuch abgeheftet. In den ersten Minuten klingt es bei den meisten noch etwas vorgelesen, doch sind alle Profis, die schnell den Figuren allein mit ihrer Stimme bairischen Charakter geben. Es wird frech, lebendig, witzig, die Regisseurin gestikuliert wild und wird immer teuflischer, lauter, schriller.

Am Kloster bimmeln die Kirchenglocken. Die Dämmerung bricht ein. O Fortuna… Das Weltenrad dreht sich wieder.

Das Programm des Carl-Orff-Festes: 

Das Programm des Carl-Orff-Festes in den kommenden Tagen rund um den Ammersee:

Mittwoch, 8. August 20.30 Uhr, Das Fest – Das Spiel vom Ende der Zeiten, Orgelkonzert, St. Ottilien, Klosterkirche. 

Donnerstag, 9. August 19.30 Uhr, Das Weltenrad dreht sich, Konzert für 2 Klaviere, Schlagzeug & Schauspieler, Kloster Andechs, Florianstadl. 

Freitag, 10. August 15 bis 19 Uhr, Carmina Burana ist HIP (HOP), Workshop für Jugendliche (Teil 1), Weßling, Pfarrstadel. 19.30 Uhr, Das Finale, Carl Orff Kompositionswettbewerb, Dießen, Traidtcasten. Samstag, 11. August 15 bis 19 Uhr, Carmina Burana ist HIP (HOP), Workshop für Jugendliche (Teil 2), Weßling, Pfarrstadel. 19.30 Uhr, „Wer dumm is, der soll draußen bleibn“, Orffs musikalischer Kosmos – ein Konzert für alle, Kloster Andechs, Florianstadl. 

Sonntag, 12. August 9 bis 13 Uhr, Carmina Burana ist HIP (HOP), Workshop für Jugendliche (Teil 3), Weßling, Pfarrstadel. 11 Uhr, Orff und der Nationalsozialismus, Vortrag von Prof. Oliver Rathkolb, Dießen, Blaues Haus. 15.30 Uhr, Die Schöpfung, Konzert, Schondorf, Heilig-Kreuz-Kirche. 19.30 Uhr, Die Auferstehung, Konzert und szenische Lesung, Kloster Andechs, Florianstadl.

Weitere Informationen und Ticketbestellungen im Internet auf der Seite www.carl-orff-fest.de.

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