Der Mond und ein kunstvoll angestrahlter Florianstadl: Diese eindrucksvolle Kulisse bot sich bei der letzten Orff-Premiere der Märchen-Oper „Der Mond“ in Andechs. Foto: SvJ

Orffs Mond als Rundum-Kinoerlebnis

Andechs - Mehr als nur buntes Licht zur Musik: Orffs „Der Mond“ erzeugt durch vielfältige Projektionen auch Kino-Atmosphäre. Dass Musiker und Sänger dazu in Hochform sind, bewies die Premiere.

Einziger Wermutstropfen im Florianstadel : Der als Erzähler fungierende Tenor Manuel König könnte durchaus ein erhöhtes Podest verdienen, damit seine gekonnt mystische Interpretation bis nach hinten trägt. Denn allzu bekannt ist „Der Mond“ nicht, darum - und wegen Orffs stilistisch feiner Worte - lohnt sich jede Zeile.

Dunkelheit herrscht im Florianstadl bei dieser Inszenierung von Marcus Everding: Voraussetzung für die Wirkung der bewegten Lichtbilder. Bald schon prangt der Mond über der Bühne, dies ist erwartbar - was wirklich fasziniert, ist die Einbeziehung der Seitenwände des Florianstadls. Dieses „Rundum-Kino“, das zumindest die vorderen Reihen vollständig umschließt, zeigt glitzernde Sterne, irrlichternde Schatten, eine Berglandschaft und zuletzt alte Gewölbebogen.

Mit wachem Esprit macht das Orchester der Orff-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters unter Christian von Gehren die eher trockene Akustik vergessen. Die Orff-typischen Forti bekommen ihre spritzigen Knalleffekte, doch besonders gut gelingen die begleitenden samtschmeichelnden Melodien - wenn der Mond gerettet scheint - und die spannungsdurchbebten Partien zum Gesang. Schließlich ist der Himmelskörper eine Art Lampe, die es sich zu stehlen lohnt.

Mit großer Intensität gelingen die Wechselgesänge zwischen den vier Dieben (Michael Schlenger, Adrian Brunner, Benedikt Eder und Thilo Dahlmann) und den Bürgern, vertreten durch den Andechser Festspielchor, hinzu kommt eine Klangfarbe des Chores der Andechser Volksschule. Orffs rhythmische Pointierungen erzeugen eine Dramatik, welche dieses Werk - obwohl kaum zwei Stunden lang - dennoch als vollwertig erscheinen lassen.

Großen Anteil daran hat Franz Hawlata. Als würdevoller Petrus singt der Bassbariton in der Unterwelt. Die im ungewohnten Mondlicht feiernden Verstorbenen - in Gestalt des Festspielchores - wirken an dieser Stelle etwas zu statisch. Bald aber breitet sich wieder der Orff-Zauber aus, als in einer Art orchestraler Stubnmusi - mit Zither und Geige - der Mond doch für die hiesige Welt gerettet wird. Anrührend, wie ein Bub schlicht sagt: „Ach da hängt er ja, der Mond.“ Wenn jetzt ein Petrus käme und die Orff-Festspiele weiterhin in Andechs positionieren könnte, wäre der Zauber perfekt - aber vorläufig war dies die letzte Orff-Premiere.

Weitere Aufführungen gibt es am kommenden Freitag und Samstag um 19 Uhr und am Sonntag, 26. Juli, als Dernière des Orff-Festivals um 16 Uhr, jeweils im Florianstadl in Andechs.

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