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Das Ränkespiel um den Königsmord

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Von: Andrea Gräpel

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Die zwei Dutzend Zuhörer folgen fasziniert dem Theaterstück für eine Person, das der junge Daniel Warland mit voller Wucht auf die Bühne bringt.
Die zwei Dutzend Zuhörer folgen fasziniert dem Theaterstück für eine Person, das der junge Daniel Warland mit voller Wucht auf die Bühne bringt. © Andrea Jaksch

Der erste Königsmord in der deutschen Geschichte bedeutete das Ende der Herzöge von Andechs-Meranien. Ein Drama, ein Ränkespiel. Katharina Buzin als Regisseurin und Lisa Haselbauer als Autorin und Sprecherin woben daraus ein Schauspiel, das in der Reihe Andechser Miniaturen auf der Bühne im Andechser Florianstadl einen ehrenvollen Platz fand.

Andechs - Die Miniaturen wurden vor vier Jahren durch den Freundeskreis Kloster Andechs ins Leben gerufen. Als Kulturreihe, die einen thematischen Bezug zu Andechs haben soll. Die künstlerische Leitung liegt bei der Theaterwissenschaftlerin Katharina Buzin, einer Schülerin Markus Everdings. Ihr Bezug zum Heiligen Berg reicht zurück zu den Orff-Festspielen. Bis heute fühlt sich die Münchnerin diesem Ort und offensichtlich auch seiner Geschichte verbunden.

Das Erzähl-Theater „Königsmord, den Andechs-Meraniern in die Schuhe geschoben“ setzt in den Anfängen an, als die Andechser Grafen an der Seite der Staufer eine bedeutende Rolle in der Reichspolitik spielten. Weit mehr als die Wittelsbacher zu jener Zeit, als die Andechser – zuvor schon in den Reichsfürstenstand gehoben und mit Herzogtitel (Meranien) – auf dem Höhepunkt ihrer Macht stehen. Als die Andechser Ekbert und Heinrich 1208 der Mittäterschaft am Mord an Philipp von Schwaben in Bamberg bezichtigt und geächtet werden, fällt den Wittelsbachern ein Großteil des Andechser Gebietes zu.

Ekbert war Bischof in Bamberg. Markgraf Heinrich war ebenso zu Gast bei der Hochzeit des gemeinsamen Bruders Herzog Otto mit Beatrix von Burgund. Philipp von Schwaben hatte das Mädchen eigentlich Otto von Wittelsbach versprochen. Im Kampf um die Königskrone gegen die mächtigen Welfen um jede Unterstützung dankbar, löste der König das eine Versprechen und gab stattdessen dem treuen Andechser Herzog Otto die Braut zur Seite.

Eifersucht und Machtgeplänkel – kann es bessere Vorlagen für ein Schauspiel geben? Lisa Haselbauer hat das Erzähltheater in eindrucksvolle Worte gefasst, das den Mord auf Grundlage einer Romanveröffentlichung neu aufrollt. „Vogelfrei“ soll vom Aufstieg und Fall zweier Andechser Brüder erzählen, geschrieben von Marlis A. Reebhaus. Wer nun im Buchhandel nach dem Titel sucht, wird nichts finden – der Autorenname ist nichts anderes als ein Anagramm und der Roman nicht mehr als ein Stilmittel, das die Vorlage zu dem Erzählstück ist und Anlass gibt, die Perspektiven zu wechseln.

In der Person des 25-jährigen Daniel Warland vollzieht sich dieser Perspektivenwechsel zunächst erklärend, einfühlsam und mündet wort-, vor allem stimmgewaltig. In beeindruckender Eindringlichkeit und mit Wucht führt der Schüler der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch allein eine Stunde ohne Hänger durch diese Miniatur.

Mal sanft, wenn er die junge Braut Beatrix nach ihren Eindrücken jenes Tages befragt, diabolisch, wenn er als Otto von Wittelsbach seiner Bitterkeit Luft macht, der Ironie als Staufer Freund ein Staufer Mörder zu werden. „Warum tat Philipp mir das an?“ Der andere Otto, der Andechser, „wurde gefeiert wie jemand, der einen Drachen getötet hat“. Diese Eifersucht kann Antwort sein für das Motiv zum Mord – wie so vieles andere mehr. Ganz eines Dramas würdig. Das junge Team um Regisseurin Katharina Buzin (28) hat das dramaturgisch wunderbar umgesetzt.

Wahr bleibt, dass die Andechser Brüder Ekbert und Heinrich der Mittäterschaft beschuldigt wurden. Während Ekbert 1211 wieder als Bischof in Amt und Würden war, zieht sich Heinrich ins heutige Slowenien zurück. Otto, der mit der Pfalzgrafschaft Burgund, resignierte im Kampf mit dem heimischen Adel. Mit dem Tod seines Sohnes – wieder ein Otto – stirbt das Geschlecht der der Andechs-Meranier aus.

Heinrich liegt in Dießen begraben. Im Erzählstück tritt er in der neueren Geschichte als Erscheinung am Dießener Ufer auf – mit dem Blick sehnsüchtig nach Andechs gerichtet.   ANDREA GRÄPEL

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