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Die Andechser Mönche und die Wasserkraft

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Von: Andrea Gräpel

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Ruinen im Wald: Chronist Pater Emmeran Heindl sprach von einem romantischen Eindruck, den machen die Mauerreste auch heute noch. Links oben hinter den Bäumen ist das Wasserhaus zu sehen, das direkt am Weg steht. © Photographer: Andrea Jaksch

Schon früh nutzen die Andechser Mönche Wasserkraft für ihre Zwecke – und nicht nur sie. Unterhalb des Klosters sind bis heute Mauerreste einer Mühle zu sehen. Und ein altes Wasserhaus, durch das lange Zeit Brau- und Brauchwasser zum Kloster gepumpt wurde.

Andechs – Tausende kennen den Weg, Tausende sind auf diesem Weg durch das Kiental irgendwann an dem weißen Häuschen vorbeigekommen, das am Fuße der ersten Treppe hinauf zum Kloster steht – und wunderten sich vielleicht über die mittlerweile malerischen Mauerreste direkt darunter am Wasserlauf. Burgreste aus der Zeit der Andechs-Meranier sind es jedenfalls nicht. Es sind Relikte einer schon frühen ebenso ökologischen wie nachhaltigen Nutzung der Wasserkraft.

Wenn man vom Klosterberg in Verlängerung des ersten Anstiegs links am Klostergasthof vorbei genau hinsieht, ist die Trasse noch zu sehen, die hinunterführt zu den Mauerresten. Über diesen Weg wurden die schweren Holzbalken aus dem Kiental hinauf abtransportiert. Beim Heimatverein Erling-Andechs stehen eine ganze Reihe alter Chroniken aus dem Kloster im Regal, die das Thema Wasser aus dem Kienbach aufgreifen.

Aus den Aufzeichnungen, die Vereinsvorsitzender Karl Strauß und Alfons Echter blind aus den Regalen greifen könnten, geht hervor, dass die Mönche die Wasserkraft aus dem Kienbach schon lange nutzten. In einem Stifterbrief von Herzog Albrecht II wurden „Mühllehen mit Mühlschlag“ bereits am 10. April 1458 an das Kloster verschenkt. 1511 erneuerte Abt Johann II die Mühle. Lückenlos lässt sich die Geschichte bis heute nicht erschließen, auch wenn die Mönche akribisch Chroniken verfassten. Dieses Mühlrecht besaß das Kloster bis zur Säkularisation 1803. Danach wurde die in Privatbesitz übergegangene Mühle in eine Schneidsäge umgewandelt.

1891 verkaufte der damalige Besitzer, Posthalter Johann Panzinger, an den Orgelbauer Beer aus Erling Für die beiden Erlinger ergibt der Verkauf an einen Orgelbauer Sinn: „Er hatte ja immer Holzbedarf.“ In den 1920er Jahren ging die Sägemühle in den Besitz eines gewissen Schönbergers. Wann der Betrieb eingestellt wurde, ist nicht bekannt.

Auf alten Fotografien sieht man Handwerker beim Bau beziehungsweise bei der Reparatur der Wasserfallbrücke, die unmittelbar zu der auf 1893 datierten Staumauer über den Kienbach führt. Und es ist eine Eiche zu sehen, die es heute noch gibt. Ein Teil jedenfalls. In diesem Frühjahr wurde bis zum Rumpf hinunter gestutzt. Die Erlinger Heimatforscher können sich daran erinnern, dass das Marterl davor schon da stand, als sie noch Kinder waren. Es ist noch immer da. Die Fällung erfolgte vermutlich aus Verkehrssicherungsgründen, schließlich führt der hochfrequentierte Wanderweg direkt vorbei. Den Weg von Herrsching hinauf nach Andechs gibt es übrigens erst seit 1853.

Viel älter als die Sägemühle ist eine kilometerlange Wasserleitung aus Teuscheln, Rohre aus durchbohrten Holzstämmen. Baubeginn war 1676, fertiggestellt wurde sie nach einigen Jahren aufwendiger Bauzeit erst im Jahr 1687. „Ein Riesenaufwand, das macht man nur, wenn man weiß, dass die Quelle ergiebig ist“, so Echter. Erbauer Hofbaumeister Marx Schinnagl, zugleich Wasserwart am kurfürstlichen Hofe, war sich wohl sicher. Durch das weiße Häuschen oberhalb der Mauerreste am Weg, das Andechser Wasserhaus, wurde das Wasser von dieser Quelle in Kerschlach mit einer durch Wasserkraft angetriebenen Kolbenpumpe auf den Klosterberg befördert. „Das große Wasserrad steht noch“, weiß Strauß. 1854 erhielt die Leitung südlich von Erling eine andere Trasse östlich des Kienbachs. Und 1884 wurde die gesamte Verrohrung durch Gusseisen erneuert.

Seit den 1920 Jahren kam das Brau- und Trinkwasser aus einer Quellfassung am Klosterweiher. Badende hatten dort deshalb nichts zu suchen und wurden vertrieben. Ein Thema, das sogar das österreichische Tagblatt Linz 1928 eine Meldung wert war. Auf den Text ist Strauß zufällig im Internet gestoßen. Badende wurden vor Glasscherben gewarnt: „Hoch lebe das Andechser Bier und die auf einem Glasscherbenfundament ruhende Erlinger Sittlichkeit.“ Nachdem das Kloster an das überörtliche Trinkwassernetz angeschlossen wurde, vertreibt Badende heute niemand mehr.

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