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Höhere Türme: Die Kamine für die Dampfkessel-Anlage sollen denen für das angedachte BHKW weichen

Fast fünf Meter höhere Schornsteine

Eigene Energie für die Andechser Molkerei: Bebauungsplan für Blockheizkraftwerk geändert

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Zwei Türme sollen fallen, zwei neue errichtet werden: Um ein Blockheizkraftwerk auf dem Gelände installieren zu können, war der Bebauungsplan für die Andechser Molkerei Scheitz am Dienstagabend erneut Thema im Bauausschuss.

Erling – Die Andechser Molkerei Scheitz will im Hinblick auf ihre Energieversorgung noch nachhaltiger werden. Seit sechs Jahren nutzt sie bereits Öko-Strom, nun möchte sie ein Blockheizkraftwerk (BHKW) neben dem Hochregallager errichten. Ein erster Schritt wurde nun im Bauausschuss der Gemeinde gemacht. Das Gremium billigte einstimmig den Rückbau zweier bestehender Kamine und die Errichtung zweier neuer.

Denn um das BHKW errichten zu können, braucht es nicht nur dafür geeignete Kamine, es musste auch der Bebauungsplan für das Sondergebiet im Hinblick auf die mögliche Kaminhöhe geändert werden. In seiner bisherigen Fassung legte der eine maximal zulässige Schornsteinhöhe von 17,62 Metern fest. Da das BHKW aber aus Fertigbauteilen zusammengesetzt werden soll, wären die neuen Schornsteine 22,50 Meter hoch. Wegen persönlicher Beteiligung nahm Bürgermeister Georg Scheitz (CSU) an der Abstimmung nicht Teil, sein Stellvertreter Robert Klier (Bürgergruppe) leitete die Diskussion.

Zwar erklärte Klier gleich zu Beginn: „Es geht um den Kamin und nur um den Kamin.“ Grünen-Vertreter Peter Schmaderer wollte jedoch in der redaktionellen Änderung des Bebauungsplans, die sich explizit nur auf notwendige Schornsteinhöhe bezog, „den dritten Versuch, über die festgelegten 20 Meter zu gehen“ erkennen. Er befürchtete, dass man die Änderung heranziehen könne, „um eines Tages höher zu gehen“. Die neuen Schornsteine würden die Milchtanks der Molkerei um 2,37 Meter überragen, rechnete Zweiter Bürgermeister Klier vor. Zudem wollte Schmaderer wissen, „warum dieses Blockheizkraftwerk diesen neuen Kamin braucht“. Auch da wusste Klier ihm zu helfen: Weil ein BHKW anders als das bisherige Dampfdruckkesselsystem funktioniere und daher andere Türme nötig würden.

Alexander Kopitsch, Rechtsanwalt der Molkerei, erläuterte dem Gremium, dass ein BHKW-Kamin immer höher seien müsste als das höchste Bauteil in dessen Umgebung, da sonst, sollte ein starker Wind über dem Hochregallager wehen, sich ein Wirbel bilden und die Abgase des BHKW in die Betriebsgebäude leiten könne, was dort zu einer erhöhten Immisionskonzentration führe. Und die Wandhöhe, „die wollen wir ja nicht antasten. Die bleibt unverändert“, sagte Kopitsch.

Insgesamt sei das BHKW ein „Innovationsprojekt“, so der Anwalt, es habe einen Wirkungsgrad von 89 Prozent. Mit ihm könne die Molkerei jährlich 21 000 Kubikmeter Wasser und über zwei Millionen Tonnen CO2 sparen, da neben der Stromerzeugung die Wärme zu Heizzwecken und zur Warmwasserbereitung genutzt werden kann. Die Primärenergieeinsparung würde sich laut Kopitsch auf 38 Prozent belaufen. Die Argumente schienen zu überzeugen.

Ein weiterer Punkt sorgte hingegen für Irritation. Ursprünglich war der Änderungsantrag als isolierte Befreiung Mitte März, als wegen des Lockdowns keine Bauausschusssitzungen stattfinden konnten, gleich ans Landratsamt gegangen. „Warum konnte man es nicht bei der isolierten Befreiung belassen?“, wollte Michaela Eisenschmid (Bürgergruppe) wissen. Das Landratsamt habe die Veränderung anders als die damalige Gemeindeverwaltung nicht als unwesentlich betrachtet, so die Begründung aus dem Andechser Bauamt.

Alle Teilbeschlüsse für die Bebauungsplanänderung im vereinfachten Verfahren fielen einstimmig. Als nächstes steht die Bauleitplanung für das BHKW an. Die Kosten hierfür trägt die Molkerei.

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