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Ein „Urgestein“ nimmt Abschied

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Von: Andrea Gräpel

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Dem Berufsleben kehrt Johann Oberhofer (Bild links) nun den Rücken. 44 Jahre war er bei der VR Bank, hat für das Geldinstitut unter anderem die legendären Montag-Konzerte bei den Erlinger Volksfesten organisiert
Dem Berufsleben kehrt Johann Oberhofer (Bild links) nun den Rücken. 44 Jahre war er bei der VR Bank, hat für das Geldinstitut unter anderem die legendären Montag-Konzerte bei den Erlinger Volksfesten organisiert © Andrea Jaksch

Noch findet Johann Oberhofer nicht die richtigen Worte dafür, wie er seinen Ruhestand beschreiben könnte. Erst seit Jahresbeginn ist er offiziell Rentner. 44 Jahre war er bei der VR Bank, zuletzt als Marketing-und Vertriebsleiter. 2003 erhielt er die Prokura. „Ein Urgestein“ nennt ihn seine Nachfolgerin Franciska Distler im besten Sinne.

Erling - Johann Oberhofer hat das Bankwesen bei der VR Bank von der Pike auf gelernt. Was durchaus wörtlich zu nehmen ist, denn der Erlinger durchlief alle Stationen. Er war Vermögensberater, arbeitete in der Kreditabteilung und war Filialleiter in Wörthsee, nachdem er stellvertretender Filialleiter in Frieding war. Damals noch mit Lagerhaus, „da hab’ ich den Kunstdünger noch persönlich verteilt“. Heute kaum noch vorstellbar.

Oberhofer ist zwar ein echtes Erlinger Kindl, aber geboren in Wartaweil, im damaligen Entbindungsheim von Gertrud Thyssen. In Wartaweil verbrachte er auch seine Jugend, als seine Eltern von 1962 bis 1987 das ehemalige Seeheim gepachtet hatten. Mit der Vermietung von Badekabinen und Liegestühlen hat er als Teenager seine ersten Geschäfte gemacht und gelernt, was Dienstleistung bedeutet. Im Herzen blieb er auch in dieser Zeit Erlinger. Oberhofer nennt es „die Gunst der Geburt, wenn man als Kind hier groß geworden ist“. Sogar die Kühe vom Großvater habe er noch gehütet.

Als er nach der Schule eine Lehrstelle suchte, ging er den kurzen Weg. Erlings damaliger Bürgermeister Ludwig Mörtl war Chef der Raiffeisenbank und nahm ihn sofort. Der Start ins Berufsleben erfolgte im Rathaus, denn dort war die Bankfiliale zwei Jahre bis zur Fertigstellung der neuen Büroräume an der Herrschinger Straße untergebracht. „In den nächsten zwei Monaten wird auch dieses Haus abgerissen“, weiß Oberhofer. Die Neubaupläne hat er noch hautnah begleitet. Der 65-Jährige selbst hat sich mit seiner Frau Andrea mittlerweile einen alten Hof an der Mühlstraße gekauft und liebevoll restauriert. Seit 2015 leben sie mit den gemeinsamen Töchtern dort, nachdem sie kurzzeitig nach Herrsching gezogen waren. Damals ein Grund dafür, dass Oberhofer den Gemeinderat Andechs nach 16 Jahren verlassen musste – mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Denn dass der Terminkalender prall gefüllt ist, funktionierte auch ohne Kommunalpolitik.

Bei der VR Bank hat Oberhofer mit viel Engagement die finanzielle Förderung kultureller Angebote vorangetrieben, und früher auch organisiert. Legendär sind die „Montags-Konzerte“, die er bei den Erlinger Volksfesten im Namen der Bank veranstaltet hatte – zuletzt mit einem gewissen Hans Hölzl, der Nachwelt besser bekannt als Falco. Oberhofer hatte die Telefonnummern von Wolfgang Ambros, Hubert von Goisern und der Spider Murphy Gang. Als Reinhard Fendrich die 5000-Marke bei der Besucherzahl riss, hatte Oberhofer die gesamte Familie eingespannt. Stolz zeigt er ein Foto, auf dem seine Mutter Fendrich und dessen Band im Oberhoferschen Garten mit Kuchen verköstigt. „Das waren tolle Erlebnisse“, sinniert er. Beinahe hätte er sogar Roxette verpflichten können, „wenn sie nicht vorher zwei Nummer-1-Hits gelandet hätten. Das Management meinte, dass sie dann besser nicht mehr im Festzelt spielen sollten.“ 1992 fand das letzte Montags-Konzert statt. Auch das Erlinger Volksfest gibt es nicht mehr.

Oberhofer baute für die VR Bank weiter Brücken. Begleitete Reisegruppen durch die ganze Welt und kümmerte sich als ehemaliger Landesliga-Fußballspieler auch gerne um die „Sterne des Sports“. Fünfmal stellte die VR Bank Herrsching mit ihm den Bayernvertreter in Berlin. Auch die Bürgerstiftung im Landkreis geht auf sein Konto, „das war mein Projekt“. Genauso war er es, der sich 2014 für die Aufstellung einer der ersten E-Ladesäulen im Landkreis einsetzte. „Damals gab es gerade 80 E-Autos“, weiß er und ist stolz auf seine Voraussicht. „Die Bank war auch immer offen für solche Ideen“, fügt er hinzu.

Vor Langeweile ist Oberhofer auch ohne VR Bank nicht bange, auch wenn es sich die ersten Tage seltsam anfühle. „Umtriebig war ich schon immer“, und er werde es auch bleiben – als Mitglied einiger Vereine in Erling und auch sportlich.

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