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30 verschiedene Rezepte hat Elfriede Bauer für Plätzchen und Stollen. Die backt sie zusammen mit zwölf anderen Frauen für den Andechser Christkindlmarkt.

Backen für den Andechser Christkindlmarkt

In der Erlinger Weihnachtsbäckerei

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Beliebt und schnell aufgekauft: Elfriede Bauer backt seit 41 Jahren mit zwölf Bäuerinnen Plätzchen und Stollen.

Erling– Ein Hauch von Zimt und Bratapfelduft zieht durch das Haus. Seit 8 Uhr in der Früh steht Elfriede Bauer auch heute in ihrer Küche und backt. Seit Allerheiligen knetet sie jeden Tag Teig in ihrer Weihnachtsbäckerei, den ganzen November hindurch, jeden Tag bis in den frühen Abend. 75 Pfund Plätzchen und 25 Stollen backt sie jedes Jahr, seit 41 Jahren. „Damals hatte unser Bürgermeister Ludwig Mörtl die Idee, zur Erlinger 1200-Jahr-Feier einen Christkindlmarkt in Andechs zu eröffnen. Die Erlinger Bäuerinen, so heißen wir uns, bekamen einen Stand für ihre hausgemachten Plätzchen, Stollen und Glühwein.“ Und so wird es bis heute fortgeführt.

„Die Mama hat schon immer gern gebacken“

Für Elfriede Bauer ist es die schönste Zeit, wenn ihre Küche zur Backstube wird. Ausgesetzt hat sie noch nie. „Da wird selbst jede Operation entsprechend gelegt“, sagt Tochter Christiane und lacht. Immer an Allerheiligen holt ihre Mutter den großen alten Wickeltisch aus dem Keller. Der eigne sich wunderbar zum Kneten und Teigausrollen, schwärmt Elfriede Bauer. „Den hat mir mein Schwager mal gemacht“, erinnert sich die ehemalige Bäuerin.

„Die Mama hat schon immer gern gebacken“, weiß Christiane Bauer. Sie und ihre beiden Geschwister haben diese Plätzchenzeit als Kinder geliebt. Ebenso die drei Enkelkinder von Elfriede Bauer, die mittlerweile auch zu groß sind, als dass sie noch immer jedes Stückl Plätzchenteig daspechten.

Bauer backt zusammen mit zwölf anderen Frauen

So wie im Hause Bauer duftet es auch in vielen anderen Küchen in Erling. Inklusive Elfriede Bauer und ihrer Tochter Christiane gehören zwölf Frauen im Alter von 30 bis 85 Jahre zu den Erlinger Bäuerinnen. „Wir waren auch schon mal 20“, sagt Elfriede Bauer. Damals hatte Erling jedoch auch weit mehr Bauernhöfe. Heute sind es noch sechs, die im Haupterwerb bewirtschaftet werden. Ungebrochen ist aber der Ansturm auf die unterdessen berühmten Plätzchen und Stollen, wenn der Christkindlmarkt am Freitagmittag vor dem zweiten Advent eröffnet wird. Die Leute stehen Schlange, kommen zum Teil von weither. „Sogar aus Köln ist jemand jedes Jahr da, um Plätzchen zu kaufen“, erzählt die Erlingerin mit einem Strahlen im Gesicht.

Eine Frau, erinnert sich Elfriede Bauer, habe sich einmal volle zwei Stunden in der Kälte nicht von der Stelle gerührt. Sie blieb vor dem Standl stehen, weil sie befürchtete, keine Plätzchen mehr zu bekommen. Das Weihnachtsgebäck war mal wieder ausgegangen und eine Bäuerin musste ihr stille Reserve von zu Hause holen. Sämtliche Versicherungen, der Frau Plätzchen zurückzulegen, hätten da nichts genutzt, erzählt die Erlingerin und lacht. „Die blieb stehen.“

Die Erlingerin hat 30 verschiedene Rezepte

Jede Bäuerin bereitet für den durch seine Lebende Krippe berühmten Markt dieselbe Menge Plätzchen und Stollen vor. „Wir haben zuerst klein angefangen“, erinnert sich Elfriede Bauer. „Und die Plätzchen waren immer wieder zu schnell aus.“ Über Nacht hätten sie damals gebacken, um am nächsten Tag welche zu haben. „Wir wussten ja nicht, wie’s geht“, sagt sie. Heute wissen sie es. Und doch: Am Sonntag des zweiten Advents sind meist „nur“ noch Stollen übrig.

Welche Plätzchen gebacken werden, das entscheidet jede Bäuerin selbst. Elfriede Bauer hat 30 verschiedene Rezepte. Von Orangenstäbchen über Vanillekipferl, Zimtsterne und Nussmakronen bis zu Walnussplätzchen und viele mehr. Sind die aufwändig zu dekorierenden Plätzchen an der Reihe, steht nicht nur Tochter Christiane mit in der Küche, dann kommt auch die Tante und hilft beim Kleben, Pinseln und Wälzen. So wird’s gleich noch gemütlicher im Haus und – fröhlich. Dabei gilt das ungeschriebene Gesetz: Beim Backen wird nicht genascht, erst hinterher.

Etwas ganz Besonderes sind die „Springerle“

Die Plätzchen werden immer zuerst gebacken. Die für den Stand der Erlinger Bäuerinnen und die, die zur Weihnachtszeit für Familie und Freunde gemacht werden. Danach sind die jeweils ein Kilo schweren Christstollen dran. Auch in diesem Fall sind es am Ende mehr als die festgelegten 25. Zwei Christstollen stehen zur Wahl – mit Quark oder mit Hefe. „Die Rezepte dazu sind für uns alle gleich. Das haben wir uns von einem Konditormeister ausrechnen lassen“, verrät die Weihnachtsbäckerin. Wie viel Mehl Elfriede Bauer jedes Jahr braucht, weiß sie nicht. Nur, dass es „sehr viel“ ist.

Ganz zum Schluss macht sich Elfriede Bauer an so genannte Springerle. „Ein Teigrezept von meiner Schwiegermutter.“ Die Springerle sind beliebt, weil schöne Bildmotive in den Teig gedrückt werden. Mancherorts werden diese bemalt, „bei mir aber nicht“. Das wäre dann doch zu viel Aufwand. Vor allem sind sie nicht typisch. Aber auch sie haben ihre Liebhaber und gingen deshalb genauso schnell weg, wie alle anderen Plätzchen. Und die Formen dafür hängen für den Rest des Jahres dekorativ an der Küchenwand – als Vorfreude auf die nächste Weihnachtsbäckerei.

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