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Seit 20 Jahren, also von Anfang an dabei: Karl Strauß kann sich für die Aktion bis heute begeistern. 

Jubiläum der Möbelbörse

„Alles ein bisschen wild, aber es gefällt“

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Seit 20 Jahren füllt der Verkauf aus der Möbelbörse das Sozialkonto der Gemeinde Andechs. Der Starnberger Merkur hat sich umgeschaut.

Erling – Als die Möbelbörse Andechs am 25. April 1998 erstmals ihre Tore öffnete, war der Erfolg erstaunlich. Rund 300 Menschen brachten und kauften gut erhaltene Möbel und Haushaltsgegenstände. Der Erlös kam von Anfang an sozialen Zwecken in der Gemeinde zu Gute. 20 Jahre liegt dies nun zurück. Bis heute gibt es den Schnäppchenmarkt, bis heute ist von Frühjahr bis Herbst am letzten Samstag im Monat geöffnet und bis heute sind Karl und Marianne Strauß dabei.

„Wir sind die letzten Übriggebliebenen“, sagt Karl Strauß. Der ehemalige SPD-Gemeinderat hatte sich damals seiner Fraktionskollegin Christl Lautenbach angeschlossen, die als Sozialreferentin im Gemeinderat Motor der „Aktion Sonnenblume“ war. So hatten sie den Verkauf getauft. Die Sonnenblume zierte lange Zeit die Straßenfront des alten Rauscherstadls, in dem die Möbelbörse zuerst untergebracht war. Die Bleibe an der Herrschinger Straße mussten die Helfer 2005 räumen. Der Rauscherstadl wurde 2006 abgerissen, weil er Platz machen musste für das Betreute Wohnen „Haus Erling“. Glücklicherweise hatte kurz zuvor der Bauhof seine alten Hallen an der Kientalstraße geräumt, so dass Kientalstraße 1 seitdem die Adresse der Möbelbörse ist. Strauß wohnt nun quasi gleich nebenan.

Die Eheleute Strauß werden heute von Irmgard Rigger, Alexandra Mayr und Eugen Eschenloer unterstützt. „Wenn nötig, stehen auch noch zwei bis drei andere Helfer zur Verfügung“, sagt Karl Strauß. Von Anfang klingelte es bei den Strauß’ zwei- bis dreimal die Woche. Daran hat sich auch nach 20 Jahren nichts geändert. Entweder werden gut erhaltene Möbel und Haushaltsgegenstände geliefert oder Sozialhilfeempfänger, die vom Landratsamt geschickt werden, suchen sich gegen einen Gutschein etwas aus. „Etliche kommen aber auch vom Jobcenter“, weiß Strauß.

Das Gemeinderatsmandat hat der Sozialdemokrat vor einigen Jahren niedergelegt. Als Rentner genießt er, sich um die beiden Enkel kümmern zu können, dass er ein passionierter Heimatforscher ist, weiß auch jeder, und die Möbelbörse scheint dem Erlinger eine Herzensangelegenheit zu bleiben. „Bei uns ist alles ein bisschen wild durcheinand“, sagt er. Aber das gefalle den Leuten, „und mir auch“. Stundenlang stöberten einige durch die alte Bauhof-Halle, wenn geöffnet ist. In der Anfangszeit hatten die Helfer parallel Flohmärkte veranstaltet – zu Jubiläen zum Beispiel, aber das sei eingeschlafen. Auch in diesem Jahr wird es keinen geben. Das Team ist ohnehin spät dran mit Feiern. Sobald es kälter wird, geht’s in die Winterpause. Zurückhaltend wie Strauß ist, so soll auch gefeiert werden „still und leise“. Wichtiger sei der noch immer andauernde Erfolg.

Schon in den ersten fünf Jahren waren aus dem Verkauf 35 000 Euro in die Sozialkasse der Gemeinde geflossen. „Wir nehmen viel ein, geben aber auch viel aus“, sagt Strauß. Gemeinde oder Nachbarn sind es meist, die Bescheid geben und auf Menschen in Not hinweisen. Früher seien es oft Alleinerziehende gewesen, die sich kaum etwas leisten konnten, heute seien es immer mehr ältere Menschen. „Altersarmut“, sagt Karl Strauß traurig. Dann übernimmt die Gemeinde über das Sozialkonto die Kosten zum Beispiel für die Winterkohlen. Manchmal ist es aber auch ein Spielgerät, das vom Sozialkonto der Gemeinde finanziert wird.

Freude machen dem Möbelbörseteam aber auch diejenigen, die am letzten Samstag im Monat glücklich aus dem alten Bauhofstadl rausgehen, weil sie ein „Liebhaberstück“ ergattert haben. Es kommen ja immer neue Lieferungen rein, ganz häufig aus Haushaltsauflösungen.

Natürlich hat die Möbelbörse auch am letzten Samstag im September wieder geöffnet. Von 9 bis 15 Uhr besteht dann das nächste Mal die Gelegenheit zum Stöbern in gut erhaltenen Möbeln und Haushaltsgegenständen. Im Laufe der Jahre haben sich auch viele antiquarische Bücher in der Börse angesammelt.

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