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Die Trennscheiben sind aktuell gut gefragt und sorgen bei Christian Koder für volle Auftragsbücher.  

Wirtschaft

Zuschneiden statt spengeln

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Tröpfcheninfektion gilt als Hauptübertragungsweg des Coronavirus. Viele Unternehmen versuchen daher, ihre Mitarbeiter im Kundenkontakt so gut wie möglich zu schützen. Eine Erlinger Firma macht aus der Not eine Tugend – und kann sich vor Anfragen kaum retten.

Erling – Am Samstag vor einer Woche hatte Christian Koder sein neues Angebot bei Facebook und Instagram veröffentlicht – durchsichtige Trennwände für Verkaufstische und dergleichen. Als er nach dem Wochenende wieder ins Büro kam, hatte er schon 25 Anfragen auf dem Tisch. Die Aufträge kommen aus der ganzen Region „von Starnberg bis Fürstenfeldbruck“, so der Unternehmer. Koders Firma, die Horst Koder GmbH aus Erling, ist Spenglerei, Dachdeckerei, Zimmerei, macht Gerüstbau – und seit Neuestem auch Sicherheitstrennwände.

Eine der ersten Bestellungen kam aus dem Andechser Rathaus. „Es ist Wahnsinn, was Facebook für eine Reichweite hat“, staunt Christian Koder. Denn anderweitig hat er für die durchsichtigen Schutztrennwände keine Werbung gemacht. Lediglich eine kurze Beschreibung und der Hinweis „Durch diese einfache Methode erhöht sich die Sicherheit und der Gesundheitsschutz“ sind in Koders Facebook-Beitrag zu finden.

Die durchsichtigen Scheiben aus Polycarbonat sollen dem Schutz der Mitarbeiter in Apotheken, Supermärkten, Banken und anderen Einrichtungen dienen, in denen die Mitarbeiter viel Kundenkontakt haben. Sie sind vier bis fünf Millimeter dick und haben, falls gewünscht, unten eine Öffnung, deren Größe sich nach den jeweiligen Bedürfnissen anpassen lässt. Damit sie nicht umfallen, stehen sie auf einem Stahlsockel, der etwa 20 Kilogramm wiegt. Bislang gibt es die Module in den Breiten 70, 80 und 90 Zentimeter. Hoch sind sie je 90 Zentimeter und haben an der Oberkante einen zehn Zentimeter langen Knick nach außen. Die Module können auf gängige Verkaufstresen ohne weitere Fixierung gestellt werden. Inklusive Aufmaß und Montage kostet ein Modul zwischen 300 und 350 Euro. Um eine lange, durchgehende Trennwand zu ergeben, lassen sie sich über Zwischenstücke verbinden. Auf Wunsch fertigt Koder auch Sondergrößen.

Im Gegensatz zu Plexiglas sei die Polycarbonat-Scheibe wirklich bruchsicher, werde nicht rissig oder laufe nicht an. Von der Optik sei das Material „wie eine echte Glasscheibe“, sagt Koder. Die Idee zu den Trennwänden hat Koder von Peter Trenkwalder, einem befreundeten Handwerker aus Südtirol, übernommen. Der hatte die durchsichtigen Trennwände wegen wegbrechender Aufträge spontan als zweites Standbein entwickelt. Sie stehen nun unter anderem in einer Apotheke in Gossensaß, der Partnergemeinde von Seefeld.

Bei Koder sind die Auftragsbücher derzeit noch voll. „Wir machen das so nebenbei“, sagt er. „Ein paar Überstunden müssen wir schon machen.“ Koder sieht die Schutzscheiben als seinen Beitrag, etwas Gutes in diesen schwierigen Zeiten zu leisten. Zwar seien sie ein durchaus willkommenes Zubrot, dennoch hofft er im Hinblick auf die Corona-Krise, „dass das alles bald wieder vorbei ist“.  kb

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