Seit Jahren züchten Bernd und Christine Holzinger Hennen, Puten, Wachteln, Enten und Gänse.

Gastronomie

Familienprojekt "Bernhard"

Erling - Nach der Schließung des Erlinger Hofes gab es lange keinen Gasthof mehr im Andechser Ortsteil Erling. Dank Familie Holzinger wird dies bald anders.

Ein neuer Gastronomiebetrieb soll den Andechser Ortsteil Erling wieder beleben und Einheimischen sowie Ausflüglern einen Treffpunkt mit bayerischer Gemütlichkeit bieten: der Bernhardhof mit Hofladen und Café. Bernd und Christine Holzinger schmieden seit einiger Zeit Pläne für ihr Grundstück an der Andechser Straße. Nach der Schließung des Erlinger Hofes, gäbe es dann nach langer Zeit wieder eine Dorfwirtschaft in Erling.

Im Nu nahmen die Pläne der Holzingers immer größere Dimensionen an. „Eigentlich wollten wir nur Ferienwohnungen bauen“, sagt Bernd Holzinger (45). Weil er aber befürchtete, im Winter ohne Gäste dazustehen, schrieb der selbstständige Informatiker aus Erling Firmen in der Umgebung an, um ihnen für Besucher oder Vertreter eine Unterkunft anzubieten. „Für solche Gäste braucht es dann natürlich auch ein Frühstück.“

Kaum war der Frühstücksraum beschlossene Sache, kamen Anfragen von Einheimischen nach einem Café. Die Holzingers beschlossen: „Gut, dann eröffnen wir zusätzlich ein Café und bieten selbstgemachtes Eis an.“ Im nächsten Schritt fassten sie den Beschluss, auch ein Restaurant zu konzipieren – modern, bayerisch und gemütlich. Dann kann der älteste Sohn (20), der momentan in einem Sterne-Restaurant in Coburg arbeitet, die Leitung übernehmen. Die beiden jüngeren Kinder des Ehepaares (11 und 18 Jahre alt) gehen noch zur Schule.

„Ich hoffe, es läuft alles rund“, sagt der Unternehmer, der sich hoch motiviert auf das Familienprojekt freut. Das Projekt trägt den Namen „Bernhardhof“, um an die vorherigen Generationen auf dem Hof zu erinnern. Nachdem die Ur-Großeltern von Christine Holzinger 1923 den Bauernhof gekauft hatten, wurde er über Generationen hinweg bewirtschaftet. Bis zum Tod von Großvater Ludwig Bernhard im Jahr 1980 war dort auch eine Schmiede in Betrieb. Als dessen Sohn Ludwig jun. 2007 verstarb, endete die Milchviehhaltung, und das Hofgebäude stand leer.

„Seit Ende 2015 sind wir im Besitz des Hofes und möchten ihn nun wieder mit Leben füllen“, kündigt Bernd Holzinger an. „Es ist für unsere Familie ein Ort, an dem sehr viele Erinnerungen hängen und wo die vorherigen Generationen ihre Kindheit und ein arbeitsreiches, teilweise sehr hartes Leben verbracht haben.“

Insgesamt geht die Geschichte des inzwischen maroden Gebäudes bis ins 18. Jahrhundert zurück. „Wir haben einen Grundstein von 1797 gefunden“, erzählt Holzinger. Auch deshalb hätte er es nicht übers Herz gebracht, das Gelände mit Wohnungen zu bebauen und teuer zu verkaufen. Noch im September soll das alte Bauernhaus abgerissen werden.

Jetzt wartet Holzinger auf die Genehmigung des Landratsamtes, um einen Neubau zu errichten, der die klare Architektur des alten Hofes aus Wohnhaus und Stall wiederaufnimmt. Der Andechser Bauausschuss hat bereits seine Zustimmung erteilt (wir haben berichtet). „Dass die Gemeinderäte hinter uns stehen, freut uns sehr“, sagt der gebürtige Pasinger.

„Auch von den Erlingern kamen bisher nur positive Reaktionen.“ Voraussichtlich ab Ende 2017 soll ihnen regionale Küche geboten werden mit frisch erzeugten Gerichten und lokalen Produkten aus der Saison.

Auf die Speisekarte kommt Freilandgeflügel aus eigener Aufzucht am Hof. Seit Jahren züchten die Holzingers Hennen, Puten, Wachteln, Enten und Gänse, die auch den Wanderern unterhalb des Heiligen Berges bekannt sein dürften. „Wir sind der reinste Zoo“, sagt Holzinger und lacht. Auf ihn wartet nach eigenen Worten ein schwerer Einschnitt. „Ich habe 25 Jahre EDV hinter mir“, sagt er. Als Informatiker will er künftig kürzertreten, um seine Energie in den Bernhardhof zu stecken. Er ist optimistisch: „Die langen Tage bin ich gewohnt.“

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