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Das Orff-Festival Andechs-Ammersee 2020 präsentieren Florian Zwipf-Zaharia, Wilfried Hiller und Michael Langer, Vorsitzender des Hans-Sachs-Chors Nürnberg (v.l.). 

Kultur am Ammersee

Carl-Orff-Fest als Festival geadelt

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Die Carl-Orff-Festspiele haben sich zum Festival gemausert. Im Jubiläumsjahr gibt es ein Programm mit Überraschungen.

Andechs – Der kulturelle Knaller wird fast zwei Monate vor dem Orff-Festival 2020 im Andechser Florianstadl gezündet. Am 23. Mai wird dort der Hans-Sachs-Chor Nürnberg Orffs „De temporum fine comoedia“ (Spiel vom Ende der Zeiten) aufführen. Ein anspruchsvolles, durchaus auch als schwierig zu bezeichnendes szenisches Werk, mit dem Carl Orff die Aufführenden vor besondere Herausforderungen stellt. Allein das Instrumentarium ist beeindruckend: Etwa 100 Instrumente umfasst das Schlagwerk, hinzu kommen Holz- und Blechbläser, je drei Harfen und Klaviere und eine elektronische Orgel. Darum verwundert es nicht, dass dieses Werk einschließlich der Uraufführung 1973 weltweit erst zehnmal aufgeführt wurde. Der Nürnberger Amateurchor ist dieses Wagnis eingegangen. Er wird das Werk am 3. Mai zunächst in der Nürnberger Meistersingerhalle und dann in Andechs präsentieren.

Beethovens 250. Todestag

Dieser Aufführung und dem Orff-Festival ist gemeinsam, dass sie im Carl-Orff-Jahr 2020 anlässlich des 125. Geburtstages des Komponisten einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit entspringen. Dabei hat das Orff-Festival vom 18. Juli bis 9. August ebenfalls Hochkarätiges zu bieten. Das und die Tatsache, dass „wir mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen sind“, so sagte es Florian Zwipf-Zaharia vom Veranstalter Arte-Musica-Poetica, hat die Organisatoren bewogen, das bisherige Orff-Fest zum Festival zu erheben.

Die sechs Programmpunkte umfassende Veranstaltungsreihe in Andechs und am Ammersee würdigt nicht nur das Orff-Jubiläum, sondern auch den 250. Todestag von Ludwig van Beethoven. Der Meister der Wiener Klassik ist gleich dreimal beim Festival vertreten.

Gleich zum Auftakt (18. und 19. Juli) werden unter dem Motto „Münchner Freiheit“ vom Bayerischen Junior Ballett München der Heinz-Bosl-Stiftung verschiedene Choreografien im Florianstadl getanzt. Dazu spielt das Odeon-Orchester (Musiker des BR-Symphonieorchesters) Beethovens 4. Klavierkonzert, Astor Piazollas „Jahreszeiten“ sowie Orffs „Tanz der Faune“.

Anna Maria Sturm ist die „Bernauerin“

Weiter geht es im Festival-Reigen am 22. Juli. Im Florianstadl findet das Finale des Orff-Kompositionswettbewerbes statt.

Fast den kompletten Heiligen Berg vereinnahmt das Festival am 26. Juli. „Ein Tag mit Ludwig van B. und Carl O.“ bespielt neben dem Florianstadl auch den Bibliothekssaal des Klosters, die Wallfahrtskirche sowie den Pferdestall. Mitwirkende an den verschiedenen Spielstätten sind das Henschel-Quartett, die Pianistinnen Margarita Oganesjan und Lika Bibileishvili, die Sopranistin Lioba Braun sowie der Kabarettist Andreas Rebers.

Gleich fünfmal wird Orffs „Bairisches Welttheater“ aufgeführt. „Die Bernauerin“ mit Anna Maria Sturm in der Titelrolle geht in einer Fassung für Kammerorchester am 30. Juli sowie am 1., 2., 8. und 9. August über die Bühne im Florianstadl. Neben weiteren Darstellern suchen die Veranstalter auch noch Sänger. Es soll ein Chor aus Mitwirkenden der Region zusammengestellt werden. Interessenten melden sich per E-Mail an die Adresse chor@arte-musica-poetica.de.

Furioser Schlusspunkt

Ein Konzert mit Dinner-Begleitung unter dem Motto „Ein Abend mit Ludwig van B. und Carl O.“ soll das Publikum am 7. August ins Hotel Kaiserin Elisabeth nach Feldafing locken.

Den furiosen Schlusspunkt des Orff-Festivals setzt ein Abend mit edlen Pferden, den Münchner Symphonikern, dem Mendelssohn Vocalensemble, dem Tölzer Knabenchor sowie der oberbayerischen Band Dreiviertelblut. „Carmina burana Cavallo & Dreiviertelblut“ heißt das Spektakel, das am 8. August in der Arena auf Schloss Kaltenberg geboten wird.

Anspruchsvolle Zugabe

Zurück zum Zusatzprogramm. Die Uraufführung seines letzten szenischen Werkes „Spiel vom Ende der Zeiten“ hat Carl Orff nicht mehr erlebt. Er kam kurz zuvor ins Krankenhaus, wo er verstarb. Die letzten Korrekturen und Ergänzungen ließ er durch seinen Vertrauten Wilfried Hiller (Komponist und Vorsitzender der Carl Orff-Stiftung) handschriftlich in die Partitur einarbeiten. Michael Langer, der Vorsitzende des Hans-Sachs-Chores Nürnberg, war zur Vorstellung des Festival-Programms an den Starnberger See gekommen. Er und seine Mitstreiter sind dankbar, dass sie die Möglichkeit bekommen, das Orff-Werk nach Nürnberg in Andechs ein zweites Mal aufführen zu dürfen.

Wer die zweite Zugabe im Orff-Jahr erleben möchte, muss sich am 28. November 2020 nach Blaibach bei Straubing begeben. Dort gastieren der Tölzer Knabenchor und andere Mitwirkende mit Orffs „Weihnachtsgeschichte“. Eine Station auf einer Tournee, die auch nach Österreich führt.

Der Vorverkauf für „Carmina burana Cavallo“ läuft seit Juli, Karten für alle anderen Veranstaltungen gibt es ab sofort über MünchenTicket

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