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Da wird diskutiert: Bürgermeistertochter Sabine (Birgit Heilander), Bürgermeisterfrau Babett (Stefanie Strobl), Großbauer Geißlechner (Andreas Roger), Installateur Hirnblaser (Simon Schaumberger), Zimmerer Flohbeisser (Martin Strobl) und der Wirt und Bürgermeister Alois Filzer (Tom Baier).

Theater

Stimmig, lebendig und voll Feuer

Das war eine tolle Premiere: Der Trachtenverein „Die Eichentaler“ brillierte mit „Die Lügenglocke“ von Fred Bosch.

Frieding – Der Trachtenverein „Die Eichentaler“ hat sich in seiner dritten Theaterproduktion einem Bühnenstück angenommen, das eine halberte Schaufel Erfolg schon eingebaut hat: „Die Lügenglocke“ von Fred Bosch wird seit 1986 häufig aufgeführt und kommt meistens gut an. Die zweite halbe Schaufel zum Erfolg legten die Friedinger aber selber drauf: Die Darsteller spielen mit echtem inneren Feuer, das sich auch aufs Publikum überträgt.

Drei Gemeinderäte, die sich nichts als ein bequemes Leben wünschen: Das sind der Großbauer (Andreas Roger), der Installateur (Simon Schaumberger) und der Zimmerer (Martin Strobl). Alle sind sie meisterlich darin, sich als arme Schlucker darzustellen, solang sie nicht von einem Zusatzverdienst gelockt werden. So eine Goldader stellt der Wirt und Bürgermeister in Aussicht – sofern jeder eine Anschubfinanzierung leistet. Die schlitzohrigen Dialoge sind an sich schon gut, werden durch überzeichnetes Stammtischgehabe aber wirklich kurios. Tom Baier spielt den Wirt mit Verve als überdrehten Hansdampf. Nahe am Herzinfarkt will er alles kontrollieren, auch die Zukunft seiner Tochter Sabine (lässig selbstsicher: Birgit Heilander). Spätestens mit der kaputten Kirchenglocke mischen sich die Karten neu – denn ausgerechnet der im Rang weit unten stehende Hilfskellner Thomas (Valentin Schaumberger) erfindet einen Trick mit mehrfachem Nutzen.

Was genau die „Lügenglocke“ ist, braucht hier nicht verraten zu werden, nur soviel: Sie lässt die Paschas ganz schon alt aussehen und bringt sogar die stocksteif-korrekte Wirtin (Stefanie Strobl) in Verlegenheit. Dafür bekommen die Wahrsagerin (als kuriose Althippie-Tante: Monika Zerhoch) und der Pfarrer (treffend salbungsvoll: Christian Kaiser) Oberwasser.

Das Sich-Arm-Rechnen vor den Obrigkeiten löst im Premierenpublikum genauso Lacher aus wie die „Filzerbräu“-Spezialitäten, an deren Kulinarik erhebliche Zweifel bestehen – was sich bis in die erste Zuschauerreihe auswirkt. Wunderbar dicht und lebendig ist diese Inszenierung von Angelika Link. Weitere Pluspunkte sind die ungemein passende Ausstattung (Silke Schaumberger) und das Bühnenbild: Bis hin zum Segensgruß der Sternsinger von 1973 werden die Wirtsstube und der Mini-Gemeinderat vor der Gebietsreform exakt wie in einem Dokumentarfilm getroffen. Und es wirkt stimmig und sympathisch, dass die Trachtenjugend leere Gläser abräumt – so setzt sich die Bühnen-Wirtsstube quasi nahtlos ins Vereinsheim fort.

Im Friedinger Erwin-Rauscher-Haus allerdings herrscht nicht mehr 1973, sondern es gibt sogar aktuelle Modegetränke: „Manna, sowas haut Eich weit viera!“ – das männliche Ansehen wachse enorm, wenn man den Damen diese Drinks spendiere, warb Trachtenvorstand Michael Schaumberger jun. launig. Dem Punktekonto beider Geschlechter dient jedenfalls das Anschauen des Stücks, das ohne Hänger und ohne Längen amüsiert.

Andreas Bretting 


„Die Lügenglocke“ ist noch am 31. Januar, 1. und 8. Februar im Erwin-Rauscher-Haus zu sehen. Einlass ab 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr.

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