Ein Blick von der Pfarrkirche auf Frieding-Nord: Die überplante Fläche ist statt anfangs 16 nurmehr acht Hektar groß. Die gewerbliche Nutzung in den bestehenden Hallen wird durch die bald abgeschlossene Bauleitplanung auf legale Füße gestellt.
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Ein Blick von der Pfarrkirche auf Frieding-Nord: Die überplante Fläche ist statt anfangs 16 nurmehr acht Hektar groß. Die gewerbliche Nutzung in den bestehenden Hallen wird durch die bald abgeschlossene Bauleitplanung auf legale Füße gestellt.

Frieding Nord

Unter Dach und Fach

  • VonAndrea Gräpel
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Nach 15 Jahren im Streit mit Anwohnern, mit Klagen und Petitionen kann die Akte Frieding Nord nun geschlossen werden. Gegen die Stimmen der Grünen-Fraktion hat der Andechser Gemeinderat am Donnerstag in einer Sondersitzung fünf vorhabenbezogene und einen verbindlichen Bebauungsplan verabschiedet.

Frieding – Die Beseitigungsanordnung im Nacken, war die Erleichterung der anwesenden Grundeigentümer in Frieding Nord nach der Entscheidung spürbar. Die Frist, die das Verwaltungsgericht gesetzt hatte, wäre Ende des Jahres ausgelaufen. Zwölf Jahre hat die Bauleitplanung für das Gewerbegebiet in Anspruch genommen, am Donnerstag setzte der Gemeinderat Andechs einen Schlussstrich und gab damit den bestehenden Betrieben ihre Berechtigung.

Ausgelöst durch einen einzelnen Antrag war vor 15 Jahren die Idee entstanden, für das gesamte Gebiet Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Der erste Umgriff war viel zu groß, am Ende empfahlen die Anwälte, das für die bestehenden Betriebe vorhabenbezogene Bebauungspläne aufgestellt werden sollten. Über Durchführungsverträge müssen diese sich strenger an die Festsetzungen halten als es in verbindlichen Bebauungsplänen der Fall ist. Im Laufe der langen Verhandlungen gründete sich auch eine Bürgerinitiative, die gegen die Pläne bis zuletzt Sturm lief, klagte und Petitionen einreichte.

Gemeindeanwalt Dr. Gerhard Spieß begleitet das Verfahren bereits seit acht Jahren, sein Kollege Johannes Mohr, der die Grundeigentümer vertritt, schon zwölf Jahre. Beide atmeten nach der abschließenden Abwägung hörbar auf. Aber auch im Schlussspurt war ihnen noch einmal scharfer Wind entgegengeweht. Als zum Beispiel Peter Schmaderer (Grüne) einwarf, dass ein Beschluss aus dem Jahr 2016 einfach übergangen worden sei. Dieser betraf die Ausweisung eines allgemeinen Wohngebiets an der südwestlichen Grenze des Gewerbegebiets. Tatsächlich hatte sich der Gemeinderat seinerzeit entschieden, dort entsprechend strenge Lärmvorgaben zu machen, was sich im Nachhinein als nicht umsetzbar herausstellte, da an dem bestehenden Betrieb dort nicht gerüttelt werden darf. Aus dem allgemeinen Wohngebiet wurde deshalb ein Mischgebiet mit geringeren Lärmvorgaben. „Da ist aber kein Fehler passiert“, versicherte Spieß.

Auch Schmaderers Fraktionskollegin Judith Birken wollte sich weiterhin nicht mit dem Gewerbegebiet anfreunden. Als Mutter ist sie in Sorge um die Sicherheit der Kinder und zog das Verkehrsgutachten von Professor Harald Kurzak aus dem Jahr 2015 grundsätzlich in Zweifel. Dabei hatte sie im Besonderen die Hartstraße im Blick. Die allerdings ist nicht Bestandteil der Bauleitplanung für Frieding Nord. Die Zusicherung in der Abwägung, dass sich die Gemeinde „bemühen“ wolle, durch den Bau von Gehwegen die Verkehrssicherheit zu erhöhen, reichte ihr nicht. Die Ratsmehrheit schloss sich allerdings der Meinung an, dass kein unmittelbarer Bedarf bestehe.

Schmaderer, Birken und Katharina Linze (ebenfalls Grüne) blieben dabei: Die nun zulässigen Entwicklungsmöglichkeiten der bestehenden Betriebe gingen ihnen zu weit. Judith Birken verwies in dem Zusammenhang auch auf Nutzungsänderungen, die allerdings genehmigt seien, so Spieß. Konkret ging es um einen Reifenhandel, der sich zwischenzeitlich für die Dauer von einem Jahr im Betrieb von Franz Zerhoch eingemietet hat – allerdings nur bis der eigene am Leonhardweg fertig ist. Vermutlich im November.

Viele Einwendungen, vor allem die der sogenannten Träger öffentlicher Belange wie Behörden im Landratsamt oder Wasserwirtschaftsamt, wurden redaktioneller Art in den Bebauungsplänen berücksichtigt. Die meisten Abwägungen wurden einstimmig, ansonsten lediglich gegen die Stimmen der Grünen-Fraktion angenommen. Eine zweite Auslegung ist damit nicht notwendig. Sobald die Satzungen bekannt gemacht sind, können die Betriebe ihre Erweiterungspläne umsetzen beziehungsweise müssen sie sich keine Sorgen mehr machen, ihren Bestand beseitigen zu müssen. Dieser ist mit der Bauleitplanung gesichert.

Beantragt wurde gemäß dieser Vorgabe auch die Herausnahme eines kleinen Bereichs im Landschaftsschutzgebiet, den Bürgermeister Georg Scheitz wie berichtet schon im Vorfeld der Sitzung nicht für schützenswert hielt. Die Forderung von Schmaderer und Birken, dafür einen passenden Ausgleich zu schaffen, nannte Spieß unüblich. Und Scheitz verwies darauf, dass das Gemeindegebiet zu rund 80 Prozent im Schutzgebiet liege: „Wenn wir ausgleichen wollten, müssten wir fast in den Innenbereich gehen.“

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