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In der Queri-Stube des Oberen Wirts: Nicole und Martin Bauer mit zahlreichen Originalausgaben von Queris Werken.
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Der Obere Wirt mit Bronze-Queri vor der Tür.
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Die Todesanzeige der schmerzgebeugten Mutter.
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Auszug aus dem Abschlusszeugnis: Bestnoten hat sich Georg Queri verdient.

Georg Queris 140. Geburtstag und 100. Todestag

Auf Spurensuche

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Er ist einer der bayerischsten, wenn nicht der bayerischste Schriftsteller. Sein Kollege und Freund Ludwig Thoma, selbst ein Schwergewicht bayerischer Literatur, hat über Georg Queri einmal gesagt: „Mit seinem breiten Lachen und seinem schlagfertigen Witz saß Altbayern am Tisch.“ Vor 140 Jahren wurde Georg Queri geboren, am 21. November jährt sich sein Todestag zum 100. Mal.

Frieding/Starnberg– Georg Queri war ein fleißiger Schreiber. Das ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass er bald nach dem Abitur die Journalistenlaufbahn eingeschlagen hat. Auch sein literarisches Werk ist umfangreich. Vieles, was Queri noch geplant hatte, blieb unvollendet oder konnte gar nicht erst angegangen werden, weil er viel zu früh verstorben ist. Mit 40 Jahren erliegt er den Spätfolgen eines Unfalls im Sportunterricht. Sein Geburtstag vor 140 Jahren und sein 100. Todestag am 21. November sind Grund genug für eine Spurensuche.

Wiege stand im Wirtshaus

Der nächste Weg, Spuren von Georg Queri zu finden, führt in den Andechser Ortsteil Frieding. Dort kommt er am 30. April 1879 zur Welt – im Gasthaus Oberer Wirt als einziges Kind von Georg und Pauline Queri. Über den beruflichen Hintergrund der Eltern des kleinen Georg kursieren im Internet verschiedene Angaben. An einer Stelle wird Vater Queri als Fischerei- bzw. Schiffsmeister bezeichnet. Laut dieser Stelle, dem so genannten Literaturportal, ist Georg Queri senior auch Gastwirt. An anderer Stelle heißt es, er sei Sohn eines Dampfschiffheizers und der Betreiberin eines Milchladens. Das deckt sich, zumindest was den Beruf des Vaters angeht, mit dem Vermerk auf Queris Schulentlassungszeugnis aus dem Jahr 1892 (siehe rechts). Im Gasthof Oberer Wirt in Frieding ist auf einer hölzernen Tafel vom Wirtspächterehepaar Queri zu lesen.

Häufiger Eigentümerwechsel

Das Gasthaus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, weiß der heutige Wirt Martin Bauer. Die Ursprünge des Anwesens, das über Jahrhunderte über viele Ländereien verfügte, gehen möglicherweise bis in die Zeit der Grafen von Andechs zurück (11. und 12. Jahrhundert). Es könnte eine Art Wirtschaftsgut für die Burg auf dem Heiligen Berg gewesen sein. Später wird es ein Gasthaus.

Die Eigentumsverhältnisse ändern sich häufig. „Die Familie Queri war wohl nie Eigentümerin“, ist sich Bauer sicher, das Ehepaar Georg und Pauline habe den Gasthof als Pächter betrieben. Hätte den Eltern das Anwesen gehört, wäre Sohn Georg als einziges Kind wohl nicht in „chronischer Geldnot“ gesteckt, folgert Bauer. Der Journalist und Schriftsteller habe öfter das Bratwurstglöckl im Schatten des Münchener Domes aufgesucht. „Dort hat er sich mit frechen und launigen Sprüchen verewigt, um sich eine Mahlzeit zu verdienen“, weiß Bauer.

Gastwirtschaft statt Wiese

1994 kommt Martins Vater, der Pöckinger Autohaus-Inhaber Anton Bauer senior und Betreiber einer Landwirtschaft in Drößling mit Mutterkuhhaltung und Rinderzucht, eines Tages von einer geschäftlichen Besprechung nach Hause zurück – ganz unverhofft als neuer Eigentümer des Gasthauses Oberer Wirt in Frieding. Und das hat folgenden Hintergrund: Der damalige Eigentümer bot wegen Aufgabe der Gastwirtschaft und Umzugs Bauer eine Wiese zum Kauf an. Dafür hat Bauer aber keine Verwendung. Allerdings geht ihm in dem Gespräch mit dem Wirt eine Vision durch den Kopf, in der ein Wirtshaus eine wesentliche Rolle spielt – nämlich als Vermarkter von Bauers landwirtschaftlichen Erzeugnissen, vor allem dem Fleisch seiner aufgezogenen Rinder. Also kauft Bauer kurzerhand die Gastwirtschaft Oberer Wirt.

Bevor die Vision Wirklichkeit wird, gehen einige Zeit und jede Menge Arbeit ins Land. Das Gasthaus muss komplett saniert, umgebaut und erweitert werden. So lässt Bauer senior das Mauerwerk in allen Räumen freilegen und den Tanzboden im ersten Stock des Gebäudes abreißen – mit Bedacht. Denn das alte, wertvolle Holz nutzt er zur Vertäfelung der heutigen Graf-Rasso-Stube. Am 1. September 1997 wird der neue „Oberer Wirt zum Queri“ eröffnet. Als Betreiber findet die Familie Bauer zunächst den Gastronom Ludwig Jehle als Pächter. Zehn Jahre später übernimmt Sohn Martin mit seiner Frau Nicole den Betrieb.

Sprung ins kalte Wasser

Für den ausgebildeten Koch ist die Selbstständigkeit „ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt er heute. Aber das Wagnis hat sich bezahlt gemacht. Der Obere Wirt hat eine große Stammkundschaft und zieht Gäste aus der weiteren Umgebung an. Wegen der ausgezeichneten bodenständigen Küche und weil der Geist Queris in dem Haus auch heute noch gegenwärtig ist – insbesondere in der gemütlichen QueriStube. Dieser anheimelnde Raum ist geschmückt mit einer Menge von Erinnerungen an den Dichter und Schriftsteller. Es hängen Dokumente an den Wänden, zum Beispiel auch die Todesanzeige Queris. Und in einem Wandschränkchen bewahrt Martin Bauer einen Teil seiner in Antiquariaten und bei Auktionen erstandenen Originalausgaben von Queri-Werken, teils mit persönlichen Einträgen und Widmungen des Autors. Und immer mal wieder melden sich Menschen, die bei Haushaltsauflösungen nach dem Tod von Angehörigen Queri-Bücher auf dem Speicher oder im Keller entdeckt haben und sie den Bauers anbieten.

Queri ist aus dem Leben der Familie Bauer gar nicht mehr wegzudenken – und nicht nur, weil Töchterchen Hannah an einem 30. April zur Welt kam, Queris Geburtstag.

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