Aus dem Amtsgericht

"Die Zeugin ist nicht glaubwürdig"

Andechs - Gestritten haben sie schon lange, dann offenbar eskalierte die Situation zwischen zwei Andechser Eheleuten. Oder auch nicht. Die Verhandlung wegen Körperverletzung endete jedenfalls mit Freispruch.

Ihre Ehe ist längst zerbrochen und die juristischen Auseinandersetzungen fordern den üblichen Tribut. Mit einer handgreiflichen Besonderheit. Neben finanziellen Streitfragen setzte sich ein Andechser Ehepaar nun auch strafrechtlich auseinander. Auf der Anklagebank des Starnberger Strafgerichtes musste sich der getrennt lebende Ehemann wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten.

Im Streit soll der Mann seine Partnerin im März 2015 ebenso spontan wie aggressiv bedrängt haben. Im Zuge des Prozesses rückte die Einlassung der Belastungszeugin jedoch zunehmend in ein fragwürdiges Licht. Richterin Christine Conrad gab mit dem verhängten Freispruch berechtigten Zweifeln den Vortritt: „Die geschädigte Ehefrau hat eine massive Belastungstendenz gezeigt und die Verhandlung als Bühne genutzt. Es handelt sich um eine Aussage-gegen-Aussage-Situation. Es war schwer herauszufinden, wer wann was gemacht hat.“

Zwistigkeiten um die Postnachsendung ließen vor gut einem Jahr die Gemüter hochkochen. Laut Anklage soll der inzwischen nach München verzogene Ehemann seine Ex auf dem ehemals gemeinsamen Andechser Anwesen tätlich angegriffen haben. „Er hat mich vorne am Schlawittchen gepackt und wollte mich auf die Erde stoßen“, so die 46-Jährige im Zeugenstand. Schläge auf den Brustkorb der Frau zogen laut Anklageschrift entsprechende Prellungen nach sich.

Laut Schilderung des Angeklagten stellte sich der Tathergang um einiges harmloser dar: „Bei Verlassen des Gartens habe ich einen Tritt in die Hacke bekommen und bin erschrocken. Wahrscheinlich hat sie mir die Kataloge am Boden hinterhergetreten.“ Um sich zu wehren, habe der 37-jährige Münchner seine Noch-Ehefrau dann lediglich an den Schultern angefasst und zurückgedrückt.

Vorteil für den Ehemann: Im Zeugenstand ließ die geschädigte Belastungszeugin eine klare Linie vermissen. Für das Gericht Grund genug, dem Grundsatz „in dubio pro reo“ stattzugeben. „Ich kann ihren Mann nicht wegen irgendwelcher schwammiger Angaben verurteilen“, sagte Richterin Conrad. Derselben Meinung war auch die Staatsanwältin, die ebenfalls auf Freispruch setzte und erklärte: „Die Zeugin ist nicht glaubwürdig.“

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