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Am Klavier im Florianstadel: Helge Schneider.

Weit weg vom Katzeklo

Helge Schneider im Florianstadl: So war sein Auftritt in Andechs

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Helge Schneider wartet im Florianstadl mit Jazz und Kalauern auf. So kam der Komiker beim Andechser Publikum an.

Andechs – Wer geht eigentlich zu einem Helge Schneider-Konzert? Die Antwort ist kompliziert, weil sie so einfach ist: alle. Der Jugendliche mit Basecap und Schlabberhosen, der junge Mann mit dem Punk-T-Shirt lacht mit dem in Lederhosen, der Handwerksmeister und Gemeinderat, die junge Frau mit dem Lachkrampf und die ältere Dame im Abendkleid. Sie alle sind an diesem herrlichen Frühlingsabend gekommen, um Helge Schneider im nahezu ausverkauften Andechser Florianstadel zu erleben.

Und erleben schon vor Konzertbeginn die erste Überraschung. Mitarbeiter des Veranstalters laufen durch die Reihen: „Herr Schneider beginnt pünktlich um 20 Uhr. Bitte austrinken und rein!“ Schnell werden die Gläser geleert, eilig geht’s rein in den Saal, der enger bestuhlt ist als die Holzklasse im Billigflieger. Und tatsächlich: „Herr Schneider“, den früher alle noch „Helge“ nannten, steht um 20.05 Uhr auf die Bühne.

Schneider ist Clown und Genie zugleich

Auftakt für einen durchaus denkwürdigen zweieinhalbstündigen Auftritt. Schneider setzt auf Minimalismus. Auf der Bühne sind er, seine beiden wunderbaren Begleiter Rudi Olbrich (Kontrabass) und Peter Thoms (Schlagzeug), viele Instrumente und eine Leiter. Das war’s. Ein Spot auf „Herrn Schneider“, und das Programm beginnt mit feinstem Jazz.

Bei all der Blödelei, die viele mit Helge Schneider verbinden, vergisst man allzu leicht, was für ein virtuoser Jazzer er gleichzeitig ist. Schneider will an diesem Abend in Andechs beweisen, dass er beides ist – Clown und Genie. Das funktioniert meistens. Musikalisch sowieso: Ob am Piano, am Vibraphon, am Cello, auf der Panflöte, am Saxophon oder der Gitarre – „Herr Schneider“ muss nicht mehr beweisen, dass er mit jedem Instrument perfekt umzugehen vermag.

Exkurs über „Astrid“ und einen Schäferhund

Er weiß aber, dass das Publikum auch den anderen, den Helge sehen will, dem mit der Single „Katzeklo“ in den 90ern der Durchbruch gelang. Zwischendrin also ergeht er sich immer mal wieder in den verschrobenen Monologen, für die ihn seine Fans lieben. Erzählt die Geschichte, wie er 1972 in Berlin Duke Ellington traf, der gar nicht Duke Ellington war. Und webt in die Geschichte einen absurden Exkurs über die „Astrid“, den Schäferhund seiner Großmutter ein. Das wirkt immer wie in diesem Moment ausgedacht – vielleicht ist es das auch –, ist aber immer auch herrlich absurd und meist urkomisch.

Ein einziges Element strapaziert der Musikclown an diesem herrlichen Abend deutlich zu stark: Die ersten Male sind die teils minutenlangen Umbaupausen, die Schneider auf der Bühne mit allerlei Hampelei genüsslich zelebriert, noch lustig. Bei der x-ten Wiederholung stellt sich dann aber doch eine gewisse Ermüdungserscheinung ein.

Dem Publikum im Andechser Florianstadel scheint es egal zu sein. Es lacht, es johlt, es applaudiert. Es liebt den Helge, es liebt aber auch den „Herrn Schneider“, der gegen Ende des Konzerts nahezu komplett übernimmt. Samtweicher Jazz klingt auf dem Heimweg noch lange in den Ohren.

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