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Der Deuter des Andechser Himmels: der Herrschinger Hobbyhistoriker Jakob Spindler (48).

Kloster Heiliger Berg

Das Rätsel des Andechser Himmels

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Das Deckenfresko der Wallfahrtskirche auf dem Heiligen Berg Andechs gab jahrhundertelang viele Rätsel auf – was soll es bedeuten? Ein Herrschinger Hobbyhistoriker hat eine Lösung gefunden, eine Erklärung für den Himmel auf Erden.

Herrsching – 1755, zum 300-jährigen Bestehen des Klosters Heiliger Berg, zählten dessen Mönche zur intellektuellen Elite der deutschsprachigen Benediktiner. Sie glaubten mit jeder Faser ihres Seins, Andechs sei der einzige und wahre Wohnsitz Gottes auf Erden, dem Ort, an dem sich alle biblischen Prophezeiungen, insbesondere aus dem Buch Ezechiel und der Offenbarung des Johannes erfüllen werden. Die Mönche glaubten, dass die Wiederkehr des Messias bevorstehe. Genau auf diesem Berg in Bayern, dem sich alle anderen heiligen Berge beugten – selbst der Berg Sinai. Jakob Spindler zieht diese Erkenntnis aus dem Buch „Lob- und Dankopfer“ zum 300. Jubiläum des Klosters. „Das ist nicht metaphorisch, die meinten das so“, sagt er voller Überzeugung.

Ein Gedicht steht für diese Überzeugung. Es stammt von Pater Placidus Scharl. „Er war ein großer Denker“, weiß Spindler. In diesem Gedicht werden die drei Jahrhunderte des Bestehens in Jahreszeiten gebettet und jeweils eine Jahreszeit hat drei Sternzeichen. Der Herbst hört mit dem Schützen auf. „Der Abt zu dieser Zeit hieß Bernhard Schütz“, merkt Spindler spitzbübisch an und fragt: „Was fehlt?“ Der Winter mit den Sternzeichen Steinbock, Wassermann und Fische. Spindler erkennt den letzten friedlichen Tag im Herbst in der Darstellung des „Andechser Himmels“ in der Wallfahrtskirche wieder. Dieser zeigt, klug verschlüsselt, die Sternenkonstellation, die am Himmel zu sehen ist, zum Zeitpunkt der Wiederkehr des Messias.

Das Kloster – als eigenständige Abtei – wird 1455 gegründet. Kaum hatte es sich vom Dreißigjährigen Krieg erholt, schlägt 1669 der Blitz in die Turmspitze. Bis auf die Heilige Kapelle liegen Kloster und Kirche in Schutt und Asche. Doch noch im selben Jahr wird die Kirche wieder neu eingedeckt, das Kloster wird 1671 bezogen. Die Deckenfresken in der Wallfahrtskirche stammen aus den Jahren 1751 bis 1755 von Johann Baptist Zimmermann. Fertiggestellt zu der großen 300-Jahr-Feier des Klosters Heiliger Berg. Das Bild zeigt das große Weihrauchopfer. Auf Andechs bezogen sei dies das Ende – die Säkularisation, so Spindler. „Was mit Weihrauch beginnt, löst sich in Rauch auf“, sagt Spindler. Der letzte Andechser Abt hieß Gregor Rauch. „Das ist nicht historisch, aber doch bemerkenswert tragisch-komisch“, findet der 48-jährige Hobbyhistoriker. Die Säkularisation 1803 brachte das Ende, „aber nicht mit dem Teufel“, so Spindler, „Viel schlimmer: Es kam ein bayerischer Verwaltungsbeamter.“

Erst 1846 kauft König Ludwig I. das ehemalige Klostergut Andechs und unterstellt es 1850 als Priorat der von ihm gegründeten Benediktinerabtei St. Bonifaz. Die Wallfahrtskirche bleibt im Eigentum des Freistaates.

Das Buch, in dem Spindler seine Deutung des Andechser Himmels erklärt, „ist fix und fertig gesetzt. Wer es haben will, kriegt es“. Spindler lässt es aber erst drucken, wenn genügend Bestellungen vorliegen – maximal 300. Höher darf die Auflage nicht sein, wegen lizenzierter Bilder aus diversen Museen. Das macht den Druck teuer. „Es wird wegen seines Formats und der farbigen Bilder leider 107 Euro kosten“, sagt Spindler. Der Rechtsanwalt selbst hat bereits viel investiert in den Kauf dieser Bilder, in Literatur. „Ich hab’ ehrlich gesagt nicht gerechnet. Es ist ja irgendwo auch mein Hobby.“

Im Kloster sind derlei Thesen durchaus willkommen, sagt Sprecher Martin Glaab: „Wir freuen uns immer, wenn Autoren Baugeschichte, Bildsprache, Symbolik und Spiritualität der Andechser Wallfahrtskirche aus vielfältigen Perspektiven beleuchten. Diese ganz unterschiedlichen Interessen zeigen uns, wie attraktiv die Wallfahrtskirche nach wie vor ist und dass sie Menschen auch heute anregt, sich lange und intensiv mit dem ,Programm‘ zu beschäftigen, das ihr zugrunde liegt.“

Spindler nennt es weniger Programm als vielmehr Gesamtkonzept, zu dem sämtliche Fresken und Figuren dazugehören, spannend mit immer neuen Entdeckungen – wie ein Wimmelbild.

Infos

zum Buch gibt es unter der Telefonnummer (0 81 52) 96 95 55

oder per E-Mail ra.spindler@t-online.de


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