Sorgt vor für die Baustellen der Zukunft: Molkerei-Geschäftsführerin Barbara Scheitz, hier im Sommer 2018 auf dem Betriebsgelände in Erling, als die Milchannahme und das Tanklager erweitert wurden.
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Sorgt vor für die Baustellen der Zukunft: Molkerei-Geschäftsführerin Barbara Scheitz, hier im Sommer 2018 auf dem Betriebsgelände in Erling, als die Milchannahme und das Tanklager erweitert wurden.

Kompromiss im zweiten Anlauf

Hin und Her im Bauausschuss: Andechser Molkerei darf erweitern, aber...

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Die Andechser Molkerei Scheitz braucht mehr Platz für die Produktion und will eines Tages Gebäude aufstocken können. Manche Gemeinderäte sorgen sich deshalb um das Landschaftsbild. Nun haben die Lokalpolitiker einen ersten Kompromiss gefunden – auf etwas kuriosem Wege.

Erling – Die Geschichte wäre schnell erzählt, hätte sie nicht diese ungeahnte Wendung genommen: Um auf dem Lebensmittel-Markt auch künftig mitzuhalten, will die Andechser Molkerei Scheitz Produktionsräume erweitern und Gebäude aufstocken. Deshalb beriet der Bauausschuss nun über acht Änderungswünsche im Bebauungsplan. Das Ergebnis: Das Gremium lehnte die Pläne der Molkerei mit 5:3 Stimmen ab. Enttäuschung herrschte daraufhin nicht nur bei Geschäftsführerin Barbara Scheitz, ihrem Anwalt und ihrem Betriebsleiter – sondern auch bei den drei CSU-Vertretern, die für die Änderungen gestimmt hatten. Letztlich war es ein Antrag zur Geschäftsordnung, der das Bild für den neutralen Beobachter komplett auf den Kopf stellte: Stefan Dorn (CSU) verlangte nach einer Einzelabstimmung. Und siehe da: Nun votierte der Großteil der Gemeinderäte für die Änderungswünsche, die man eben noch mehrheitlich abgelehnt hatte. Besonders verwunderlich: Mit 6:2 Stimmen winkte der Bauausschuss auch die zuvor kritisierten Wandhöhen (12, 15 und 18 Meter je nach Gebäude) durch.

Aber nur, weil die Lokalpolitiker sich auf einen Kompromiss geeinigt hatten – und zwar in der 15-minütigen Sitzungspause, die ebenfalls Dorn beantragt hatte. In kleinen Gruppen standen die Gemeinderäte zusammen, Scheitz’ Anwalt Alexander Kopitsch mischte sich unter sie. Der Kompromiss sieht nun in etwa so aus: Die Molkerei bekommt in der Summe nicht mehr Baufläche nach außen hin, dafür aber mehr Spielraum bei der Verdichtung – damit nicht zu viel versiegelt wird, das Landschaftsbild sich nicht groß verändert, benachbarte Landwirte sich nicht bedrängt fühlen, der Betrieb sich aber trotzdem wirtschaftlich entwickeln kann.

Andechser Molkerei: Nicht mehr Fläche, aber mehr Spielraum

Wahrscheinlich ist, dass die Molkerei begrünte Flachdächer statt Satteldächer auf ihre Gebäude setzen darf, wenn sie sie erhöht. Für Revisionsarbeiten an den Milchtanks soll ein Geländer angebracht werden. Die Lärmschutzwand soll, eventuell auch als bepflanzbarer Wall, Richtung Südosten verlängert, und auf dem Parkplatz sollen überdachte Radständer installiert werden. Die Einigung bei der Baufläche fasste Gemeinde-Geschäftsleiter Michael Kuch auf Merkur-Nachfrage in einem Satz zusammen: „Was im Südwesten dazu kommt, fällt im Südosten weg.“ Wichtig ist den Gemeinderäten auch, dass die Molkerei Geruchsbekämpfung betreibt. „Die Bürger schimpfen über den Gestank.“ Geschäftsführerin Barbara Scheitz erklärt auf Nachfrage, man werde zeitnah an einer neuen Abwasseraufbereitungsanlage arbeiten, durch die „weniger Schmutzfracht“ im Kanal lande. Wie sich der Betrieb eines Tages verändern soll, konnten sich die Teilnehmer der Sitzung noch nicht wirklich vorstellen. An der Wand der Grundschul-Turnhalle sahen sie lediglich eine Grafik mit unterschiedlich großen Kästchen – die Skizze höhenmäßig abgestufter Gebäudeteile.

„Um den heutigen Marktanforderungen gerecht zu werden, muss man sich anpassen. Sonst spielt man irgendwann nicht mehr mit“, erklärte Anwalt Kopitsch angesichts der Kritik, die vor allem von Peter Schmaderer (Grüne) kam. Er sagte: „Ich verstehe nicht, warum der Bebauungsplan immer wieder aufs Neue geändert wird.“

Einige Gemeinderäte stimmten erst dagegen - und dann dafür

Einer, der erst dagegen und dann dafür stimmte, war neben Christine Hirschberger (Bürgergruppe) ihr Fraktionskollege und Vizebürgermeister Robert Klier. Er leitete die Debatte wegen der Befangenheit von Bürgermeister Georg Scheitz. „Wir haben versucht, einen Mittelweg zu finden, damit sich die Molkerei modernisieren kann, nach außen hin aber nicht größer wird.“ So erklärt Klier die Vorgänge im Bauausschuss im Nachhinein. Aber er betont auch: „Es ist noch nichts durch. Die Molkerei hat jetzt die Chance, etwas Konkretes vorzulegen.“ Etwa eine detaillierte Planung, wie die Gebäude nach der Erweiterung aussehen sollen.

Molkerei-Chefin Barbara Scheitz ist nun zwar froh, eine Mehrheit für die grundsätzlichen Pläne gewonnen zu haben. Aber sie betont: „Wir hatten schon einen Kompromissvorschlag vorgelegt und mussten nun noch mal ein Baufeld aufgeben. Das hat mich überrascht, weil es ja Vorgespräche gab.“ Warum man mehr Platz braucht, erklärt sie an einem einfachen Beispiel. „Die Erwartungen der umweltbewussten Kunden ändern sich. Mehrweggläser sind immer mehr gefragt. Und dafür brauchen wir mehr Fläche auf dem Hof.“ Scheitz klärt auch die Wendung bei der Sitzung auf: In der Pause habe Anwalt Kopitsch der Bürgergruppe angeboten, auf den Bereich im Süden zu verzichten.

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