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Wildtierfütterung: Alle zwei Tage bekommt das Rotwild der Hembergers Getreide zugefüttert. Wenn Eugen Hemberger kommt, ist die Herde sofort da.

Gastronomie

Die Hembergers und das liebe Wild

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Die 400 Jahre alte Posthalterei stand vor dem Abriss. Der Denkmalschutz war dagegen. Familie Hemberger machte aus der Not eine Tugend und verwandelte den Gasthof zu einem Vorzeigeobjekt.

Erling – Als Eugen und Anneliese Hemberger den Gasthof zur Post 1991 übernahmen, stand alles auf Anfang. Das baufällige Gebäude hätte nach Wunsch von Eugen Hembergers Eltern längst abgerissen werden sollen. Der Denkmalschutz machte der Familie damals einen Strich durch die Rechnung. Die knapp 400 Jahre alte Posthalterei sollte erhalten bleiben.Familie stellte in drei Jahrzehnten das Haus komplett auf den Kopf, und doch blieb es das alte. „Das Haus hätte sehr viel zu sagen“, weiß Anneliese Hemberger. Sie und ihr Mann fügten zusammen, was auf den ersten Blick vielleicht erstmal gar nicht zusammenpasst. Aus dem Hotel wurde ein Frühstückshotel, die aufwendige Schweinehaltung durch weniger intensive Wildtierhaltung ersetzt, und die Einzelhandelskauffrau Anneliese bekam ihre Metzgerei. Die hatte sie sich gewünscht. Schließlich ist Ehemann Eugen nicht nur Landwirt, sondern auch Metzger und sie wollte verkaufen. Und weil die Gäste die schicken Dirndl der Wirtin so liebten, kam irgendwann auch das Trachtenladerl dazu. Zurzeit aber herrscht Hochsaison in der Metzgerei.

200 Stück Rotwild

„Wir mussten ganz vorn anfangen“, erinnern sich die Hembergers. Auf der Suche nach einer Geschäftsidee mit Alleinstellungsmerkmal, mussten sie gar nicht weit schauen. Der Familie gehörte bereits ein Damwild-Gehege mit zehn bis zwölf Tieren. „Das war das Hobby vom Vater“, so Eugen Hemberger. Heute halten die Hembergers auf 25 Hektar zirka 200 Stück Rotwild übers Jahr wechselnd auf zehn Koppeln. Drei Herden mit jeweils 40 Hirschkühen und den drei Platzhirschen – Max, Moritz und Georg. Mit ihrem prächtigen Mehrendern stechen die drei deutlich aus der Menge heraus. In der Metzgerei landet das Fleisch der einjährigen so genannten Schmaltiere und Spießer – Weiblein und Männlein. Die einen noch nicht „beschlagen“, die anderen mit ihren noch kurzen Spießen, die sich zum ebenso prächtigen Geweih entwickeln würden, wie bei Max, Moritz oder Georg. Aber Platzhirsche gibt es eben nur drei, und die Mutterkühe werden bei den Hembergers bis zu 20 Jahre alt.

„Das Wild ist robust“, weiß Eugen Hemberger. Ein Tierarzt kommt nicht ins Gehege, „in der freien Wildbahn ist der auch nicht zur Stelle“. Medikamente bekommen seine Tiere nicht, und was sie fressen, das wächst auf den Koppel, wird von ihnen abgegrast oder von Hemberger und seinem Sohn gemäht und dann als wertvolle Silage verfüttert.

Saisongeschäft

Für Eugen Hemberger ist die Rotwildzucht zur Passion geworden. Herbst und Winter schlachtet er selbst und produziert eigenes Fleisch, Wurst und Salami. Anneliese Hemberger und Sohn Eugen (IV), der Koch und Betriebswirt gelernt hat und mit einer laufenden landwirtschaftlichen Ausbildung in die Fußstapfen des Vaters treten will, bestücken die Metzgerei mit hochwertigem Fonds, Leberwurst, Pastete, küchenfertigen Hirschspezialitäten und Beilagen. Alles läuft Hand in Hand. Geöffnet ist die Metzgerei nur zur Saison von Oktober bis März. Im Sommer wird der Metzger zum Landwirt, kümmert sich um die Koppeln, die Mahd und den Wald.

Die Andechser Wildspezialitäten sind mittlerweile weit über Andechs hinaus beliebt. Und das Hotel innerhalb von fast 30 Jahren so liebevoll saniert, dass der 40-Betten-Betrieb mit Frühstück floriert. Anneliese Hemberger hat dem Betrieb eine eigene Note verpasst, genauso wie auch dem Trachtenladerl. Dass das Haus unter Denkmalschutz steht, mag ein Außenstehender als glückliche Fügung betrachten, denn welches Hotel garni dieser Größe leistet sich eine wenigstens 70 Quadratmeter große Diele – genauso liebevoll dekoriert wie jedes einzelne Zimmer. „Dafür hat sie ein Händchen“, weiß Ehemann Eugen zu schätzen. Und es steckt weiter Bewegung im Betrieb. Die Kinder Eugen (28) junior und Monika (26) leben die Begeisterung weiter. Monika hat für den Verkauf und die Trachtenmode dasselbe Gespür wie die Frau Mama. Und der gingen die Ideen nicht aus, sagt Hemberger und lacht verschmitzt. „Ende dieses Jahres wird es etwas Neues geben“, so Anneliese Hemberger vielsagend. Aber was, das verrät sie noch nicht. Stattdessen freut sie sich lieber aufs nächste Ziel. Denn das ist ihr Rezept: „Man muss sich Ziele setzen.“

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