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Lattlschießen im TV-Studio: In der Sendung „Schlag den Raab“ machte TV-Entertainer Stefan Raab Krolls mobile Eisstockbahn bundesweit bekannt.
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Die tiefste Bahn der Welt steht im Erlebnis-Bergwerk Merkers in Thüringen. Dort kann man in knapp 900 Meter Tiefe Stockschießen.
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Alles für den Eisstocksport hat Björn Kroll in seinem Laden in Frieding auf Lager.

Wintergaudi auf Seen und Weihern

Der Eisstock-Spezialist

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Frieding - Klirrende Kälte, zugefrorene Weiher und Seen. Besser als im Moment könnte das Wetter für Hobby-Eisstockschützen nicht sein. Das spürt auch Björn Kroll, der seit einigen Jahren erfolgreich einen Fachhandel mit allem betreibt, was zum Stocksport gehört.

Seit die kleineren Gewässer im Landkreis zugefroren sind, bevölkern hunderte von Eisstockschützen die Weiher und Seen. Ob auf dem Maisinger oder Weßlinger See oder auf dem Uneringer Weiher – Fans des traditionellen Volkssports nutzen derzeit jede Gelegenheit, um der beliebten Wintergaudi zu frönen. „Zurzeit ist bei mir die Hölle los“, sagt Björn Kroll. Der 48-jährige Seefelder packt und versendet mit seinen Mitarbeitern täglich zig Pakete. Vor allem Holzeisstöcke für Hobbyspieler sind gerade der Renner. Kroll betreibt den Onlineshop eisstock24.de und ein Ladengeschäft in Frieding, der sich komplett auf den Stocksport spezialisiert hat.

Bis vor wenigen Jahren hatte Björn Kroll mit Eisstockschießen so viel zu tun wie ein Dachdecker mit Quantenphysik. „Eigentlich komme ich aus dem Verlagswesen“, erzählt der verheiratete Familienvater von drei Kindern. Ursprünglich vertrieb er in seinem Kroll-Verlag gedruckte Datenbanken in Form von Presse-Taschenbüchern.

Doch mit der fortschreitenden Digitalisierung schwand das Interesse an seinen Printprodukten, weshalb er sich mit der Programmierung von Onlineshop-Plattformen ein zweites Standbein aufbaute. Um den Kunden seine Ideen zu demonstrieren, baute er einen Mustershop auf, der Artikel für das Stockschießen anbietet. Denn als er 2012 versuchte, selbst im Internet Eisstöcke für sich zu kaufen, musste er feststellen: Das ist eine Marktlücke.

„2012 während der Weltmeisterschaft in Waldkraiburg ging die Seite online, ein halbes Jahr später im Juni habe ich meinen ersten Eisstock verkauft“, erinnert sich Kroll. Seither hat sich der Umsatz „jedes Jahr verdoppelt“. Mittlerweile verkauft der findige Unternehmer „800 bis 1000 Stück pro Jahr“ sowie sämtliche Artikel, die mit dem Sport zu tun haben. Laufplatten, Griffe, Stiele, Dauben, Schuhe und Kleidung sowie zum Teil selbst entwickeltes Zubehör wie Plattenständer und Standhilfen (so genannte Fuassn) oder exklusiv designte Stockkörper – es gibt bei eissport24 nichts, was es nicht gibt. „Wir sind in diesem Bereich Marktführer, weil wir sämtliche Marken und namhaften Hersteller im Programm haben“, behauptet Kroll, der sich im Laufe der Jahre ein breites Fachwissen angeeignet hat und jeden – sei es der ambitionierte Profisportler oder der reine Gaudischütze – fundiert beraten kann.

Marktführer ist Björn Kroll auch mit seinen mobilen Eisstockbahnen. Die witterungs- und saisonunabhängigen Spielflächen sind mittlerweile ein Renner. „Derzeit stehen bundesweit etwa 60 Anlagen von mir“, weiß der Seefelder. Ob am Chinesischen Turm im Englischen Garten, in vielen Biergärten, ja selbst 900 Meter unter Tage im Erlebnis-Bergwerk Merkers (Thüringen) oder auf der Ostsee-Promenade in Grömitz kann man dank der vom internationalen Eisstockverband zertifizierten Kunststoffbahnen ganzjährig Stockschießen.

Um immer auf dem Laufenden zu bleiben, reist Kroll von Event zu Event. Ob bei der letzten Weltmeisterschaft am Ritten (Südtirol) oder jüngst beim Alpenpokal am Kärtner Weissensee, dem größten Eisstockturnier Europas – der Seefelder lässt keine Gelegenheit aus, um seine Produkte zu vermarkten. Nicht zu toppen ist allerdings ein Ereignis, das am 12. September 2015 in Köln stattfand. In der drittletzten Folge der Kultsendung „Schlag den Raab“ duellierte sich der TV-Entertainer vor einem Millionenpublikum eine knappe halbe Stunde lang im „Lattlschießen“. Auf der von Kroll im Fernsehstudio aufgebauten Stockbahn ließ Stefan Raab seinen Herausforderer Robert Klauß alt aussehen und brachte so dem Seefelder Unternehmer bundesweite Aufmerksamkeit. „Das war natürlich ein Riesen-Ding für uns, das war der Durchbruch für unsere Spielbahn“, sagt Kroll. Außerdem habe die Sendung auch dazu beigetragen, den Stocksport als modern und jugendlich darzustellen – ein Hauptanliegen für Björn Kroll.

„Das Problem in unserem Sport ist der Nachwuchs. Im Alter zwischen zehn und 30 Jahren klafft eine große Lücke“, weiß Kroll, der etwa 40 aktive Stockschützen unter Vertrag hat. Deswegen grübelt er ständig über Ideen nach, die den Sport für Jugendliche attraktiver und auch publikumsfreundlicher machen könnten. Er hat bereits ein Projekt mit den Seefelder Grundschulen organisiert, entwirft extra pfiffige Designs für die Stöcke und dreht modern und jugendlich inszenierte Videoclips für Youtube. Sein neuester Plan: „Ich will eine neue Turnierform kreieren.“ Ihm schwebt ein Wettbewerb ähnlich wie beim Darten vor, bei dem zwei Stockschützen eins gegen eins mit identischem Material antreten und gleichzeitig auf den Rängen ausgelassene Partystimmung herrscht.

Eher gemütlich geht es da im Moment auf den zugefrorenen Seen zu.

Das braucht man zum Eisstockschießen:

Eisstockschießen ist ein jahrhundertealter Volkssport insbesondere in den Alpenländern. Deutschlandweit gibt es rund 45 000 aktive Schützen, in Österreich sind es 123 000 und in Europa geschätzt 250 000.

Erfunden haben sollen den Sport Handwerker und Bauern, die sich im Winter mit hölzernen einbeinigen Melkstühlen die Zeit vertrieben. Erstmals schriftlich erwähnt wird das Eisschießen mit der Gefangennahme von Richard Löwenherz durch Leopold V. Der soll sich im Dezember 1192 in Wien-Erdberg auf der zugefrorenen Alten Donau beim Eisschießen vergnügt haben, als ihm ein Herold von der Festnahme des englischen Königs berichtete.

Um den Sport zu betreiben, braucht es nicht viel. „Ein Eisstock, gute Schuhe und warme Kleidung“, sagt Robert Pabst. Der Ehren-Kreisobmann des Eisstocksportkreises 400 Ammersee, dem 55 Vereine und etwa 1000 Mitglieder angehören, empfiehlt, gleich einen Turnierstock zu kaufen, wenn man etwas ambitionierter ist: „Da kann man den Stiel und die Laufplatten wechseln, je nach Untergrund. Und man kann ihn auch im Sommer auf Asphalt nutzen“, so der Starnberger. Wer ausschließlich auf Natureis ab und zu ein Gaudispiel machen will, für den reiche auch ein einfacher Holzstock. Den bekommt man bereits ab ca. 70 Euro. Für eine turniertaugliche Ausrüstung muss man schon um einiges tiefer in die Tasche greifen. „Mit 500 bis 600 Euro muss man da schon rechnen“, sagt Pabst. „Aber am Anfang, wenn man in einen Verein eintritt, bekommt man zunächst auch viel Leihmaterial.“

Wie in vielen anderen Sportarten plagen die Stockschützen auch Nachwuchssorgen. Für Robert Pabst, der von 2003 bis 2011 Kreisobmann war und 1996 den ESV Starnberg gegründet hat, ist der Grund relativ simpel: „Unser Hauptproblem sind die Anfangszeiten der Wettbewerbe.“ Da es nur sehr beschränkte Eiszeiten in den Stadien gibt, beginnen die Wettkämpfe oft schon frühmorgens um 7 Uhr. „Welcher Jugendliche will schon am Wochenende um 5.30 Uhr aufstehen, um zum Beispiel nach Schongau zu fahren und dann sechs Stunden auf dem Eis zu stehen?“

Es gibt verschiedene Disziplinen beim Stockschießen. Am verbreitesten ist das Mannschaftsspiel, bei dem eine aus vier Personen bestehende Moarschaft gegen eine andere antritt. Ziel ist es, die eigenen Stöcke näher an der so genannten Daube zu platzieren als der Gegner. Relativ beliebt sind auch das Weit- und das Zielschießen sowie das Lattlschießen, das ans Kegeln erinnert. Dabei müssen von einem Gestell herunterhängende Latten mit unterschiedlichen Punktwerten getroffen werden.

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