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Fototermin im Schneegestöber: Auf ein neues Zeitalter im Klostergasthof freuen sich Restaurantfachwirt Ralf Sanktjohanser (v.l.), Küchenplaner Joachim Billinger, Christian Rieger als kaufmännischer Leiter der Klosterbetriebe, Karl-Heinz Kieltsch, Bau- und Projektleiter, und nicht zuletzt der zweite Pächter im Bunde, Manfred Heissig aus Penzberg. 

Gastronomie

Klostergasthof Andechs: Modern an Traditionen anknüpfen

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Der Klostergasthof Andechs wird bis April umfassend saniert und zum Teil umgebaut. 

Andechs – Vor 14 Jahren haben sich ihre Wege das erste Mal gekreuzt, seitdem arbeiten sie projektbezogen zusammen: Ralf Sanktjohanser (48) und Manfred Heissig (52). Ab diesem Jahr gibt es für den Seefelder und den Penzberger nur noch ein Projekt, und dies langfristig – den Klostergasthof in Andechs. Nach umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten soll die Wirtschaft im April unter ihrer gemeinsamen Leitung wiedereröffnet werden.

Wie berichtet, sind Sanktjohanser und Heissig die Nachfolger von Alexander Urban, der den Heiligen Berg Ende vergangenen Jahres verlassen hat. Schon gleich zu Beginn des neuen Jahres wurde mit den Bauarbeiten in dem denkmalgeschützten Haus begonnen. Die Küche soll komplett erneuert werden, ebenso die Kühltechnik, und sobald die Genehmigung vorliegt, wird die Schänke im Gasthof wieder so hergestellt, wie es auf Plänen aus den 1950er Jahren schon mal war – offen zur Gaststube hin. Rund 500 000 Euro nehme das Kloster als Eigentümer der Immobilie für die Arbeiten in die Hand, so Christian Rieger, kaufmännischer Leiter der Klosterbetriebe.

Der Klostergasthof wurde 1438 erstmals erwähnt, ist also älter als das Kloster selbst. Der vordere Teil steht unter Denkmalschutz, weshalb es der Genehmigung für den Umbau der Schänke in den Gastraum hinein bedarf. Das Thema steht in der nächsten Woche auch auf der Tagesordnung des Andechser Bauausschusses zur Debatte. „Eine reine Formalie“, so Bau- und Projektleiter Karl-Heinz Kieltsch. Die neue alte Situation in der Wirtsstube entspricht aber genau der Philosophie der beiden Wirte. Sie wollen nah am Gast sein. „Der Kellner kann Gastgeber sein, nimmt den Gast sogleich in Empfang.“ Und der Service wird mit modernster Technik ausgestattet, so dass es keiner Nachfrage in der Küche bedarf, um zu wissen, dass ein Gericht zum Beispiel glutenfrei ist. Alle Daten sind für den Service direkt abrufbar.

Der letzte große Umbau im Klostergasthof erfolgte in den 1990er Jahren. Kaminstube und Kühlhaus wurden angebaut, der Wirtsgarten wurde neu gestaltet. „Vor 25 Jahren habe ich diesen Neuanfang drei oder vier Monate begleitet“, sagt Heissig. Auch Sanktjohanser war schon mal als Restaurantleiter im Klostergasthof. „Ein kurzes Gastspiel, das nur vier Wochen dauerte“, räumt er ein. Das war 2005. Keiner von beiden hätte gedacht, dass der Klostergasthof ein Thema für sie werden würde. Erst als sie aus der Zeitung erfuhren, dass der Wirt aufhört, zogen sie die Möglichkeit in Erwägung und nahmen die Sache gemeinsam in die Hand. Dem Klostersprecher Martin Glaab verriet Sanktjohanser dann, dass er, der meist angestellt war, eigentlich nur in diesem Haus wirklich Wirt sein wollte.

Erprobt ist das Zusammenspiel der beiden Gastronomen bereits. Vor sechs Jahren haben Sanktjohanser und Heissig das Seerestaurant im Münchner Olympiapark neu konzipiert und umgebaut. 2006 in Deutschland haben sie in sechs Stadien mehrere zehntausend Gäste bewirtet. Der Erfolg und der Zuspruch der Gäste führten zu einer Wiederholung während der Fußball-WM 2010 in Südafrika, wo sie die Bewirtung der Stadien in Johannesburg und Pretoria organisierten. „Da wohnten wir auf engstem Raum zusammen“, sagt der Seefelder Sanktjohanser, der im Gegensatz zu Heissig ledig ist. Heissig ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Aktuell betreibt der Penzberger seit 2014 einen Catering-Service. „Sobald der Klostergasthof wiedereröffnet ist, wird der wohl vorerst stillgelegt“, meint Heissig. Das würde zu viel, denn die Ansprüche an sich selbst haben die beiden hoch gesetzt.

Die Speisenkarte werde eine neue Handschrift tragen. „Natürlich bleiben wir traditionell“, versichern sie. Das betreffe die sowohl Küche als auch den Service. Aber es gebe viele neue Ansätze zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der Klosterbrauerei, die die beiden Wirte durch Bierverkostungen, Seminare und dergleichen mehr im Klostergasthof erlebbar machen wollen. „Es gibt viele Ideen“, sagen sie voller Vorfreude und in der Hoffnung, dass der Bauzeitplan eingehalten werden kann. „In so alten Gebäuden weiß man das nie“, so Rieger. Es könne immer wieder die ein oder andere Überraschung in alten Gemäuern auftreten. Aber davon geht erstmal niemand aus. Bis April werden Sanktjohanser und Heissig eng mit Planer und Küchenbauer zusammenarbeiten, damit spätestens Ende April alles wie am Schnürchen laufen kann.

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