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Stehen auf regionale Produkte (v.l.): Axel Markwardt (Stadt München), Vize kreisbäuerin Annemarie Wunderl, Bauernchef Georg Zankl, Epos-Geschäftsführer Hermann Oswald, Kreisbäuerin Anita Painhofer, Irmgard Reischl (Kompetenzzentrum Ernährung), Markus Müller (BBV), Gertraud Gafus (Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft), Vizekreisobmann Georg Holzer, Bezirksbäuerin Christine Singer, Thomas Müller (BBV) und Barbara Gräul vom aktuellen Herrschinger Landwirtschaftsgrundkurs.  

Kreisbauerntag

Wissen, wo unser Essen herkommt

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Andechs – Regional, saisonal, ökologisch: Dieser Dreiklang könnte ein Rettungsanker für die Landwirte sein. Leider hapert es an der Vermarktung und der Weiterverarbeitung ihrer Produkte. Das liegt auch an den Auflagen.

Heimische Produkte, kurze Wege, wissen, wo’s herkommt: Schlagworte, die dem Verbraucher gut gefallen. Den Bauern und denen, die mit landwirtschaftlichen Produkten arbeiten und handeln, auch. Nur: Der Teufel steckt im Detail. Etwa bei den tiefgefrorenen gewürfelten Zwiebeln, von denen Hermann Oswald vom Bio-Großvertrieb Epos beim Kreisbauerntag in Andechs sprach. Er wollte bayerische Zwiebeln, aber gewürfelt und gefroren. Die Zwiebeln waren leicht zu finden. „Zum Würfeln und Frosten wurden sie aber an die holländische Grenze gefahren, weil es in Bayern keinen Betrieb gab, der das machte“, berichtete Oswald. „Wir könnten viel mehr regionale Lebensmittel brauchen“, sei seine Erfahrung am Markt.

Für die Landwirte der Region öffnet sich mit der geplanten Großküche für Großhadern und den Münchner Campus in Gilching Süd eine Möglichkeit der Vermarktung. Zumindest theoretisch. „Ich würde gerne Kartoffeln dorthin liefern“, sagte Lorenz Wastian aus Unterbrunn. „Die nehmen sie aber nur geschält und geschwefelt.“ Das heißt: Die Kartoffeln müssten erst in den nördlichen Landkreis München zum Schälen gebracht werden, bevor sie in Gilching zu Mittagessen für Münchner Patienten verarbeitet werden.

„Beim Landwirt muss am Ende ja auch was ankommen“

Martin Schwojer aus Gilching hätte Rinder für die neue Großküche. „Das Fleisch muss zerlegt sein“, weiß er. Das bedeutet: Die Tiere werden mit dem Hänger zum Schlachten gebracht. Das Fleisch kehrt im Kühlanhänger zurück, es muss im eigenen Kühlraum gelagert werden, bis es zur Weiterverarbeitung kann. Allein der eigene Kühlraum verlangt viel Organisation und Bürokratie. „Es gibt detaillierte Hygienevorschriften, und dann brauchst du einen externen Hygienebeauftragten, der regelmäßig kontrolliert – das kostet“, sagte er. Überhaupt Kosten: Die regionale Nutzung von Lebensmitteln und deren Vermarktung sind gut und wichtig, waren sich nicht nur die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion beim Kreisbauerntag einig. 

Aber wie die Produkte unter die Leute bringen? „Wir haben das Verkaufen nicht gelernt“, stellte Gertraud Gafus von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft fest. Einig war sich die Podiumsrunde, dass sich die Bauern besser vermarkten müssen. Den einzigen Ansatzpunkt für die organisierte Vermarktung im Landkreis bietet die Solidargemeinschaft Starnberger Land. Die deckt nur einen Bruchteil des Marktes ab. Selbst können es die Landwirte auch nicht machen. „In den Betrieben sind keine Kapazitäten für die Vermarktung frei“, stellte Lorenz Wastian fest. Man bräuchte jemanden, der sich darum kümmert. Personal kostet aber Geld. „Beim Landwirt muss am Ende ja auch was ankommen.“

Zusammenhalt ist auch den 150 Gästen im

Kreisbäuerin Anita Painhofer regte im Gespräch mit dem Starnberger Merkur eine bessere Vernetzung an, die schon im Kleinen in den Dörfern beginnen sollte. „Der eine hat die Pflaumen, der andere die Hühner – ein bisschen wie früher, als man sich ausgetauscht hat.“ Schwojer zeigte sich auch da skeptisch: „Ein Hofladen bedeutet großen bürokratischen Aufwand.“

Vermarktung ist das eine, das andere ist eine bessere Zusammenarbeit der Landwirte untereinander. Die konventionellen und die Bio-Bauern sollten sich nicht bekriegen, sagte Bezirksbäuerin Christine Singer. „Wichtig ist, dass wir uns nicht gegenseitig schlechtreden“, appellierte sie an die rund 150 Gäste im Saal. Applaus.

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