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Eröffneten den landeskulturellen Wanderweg auf Erlinger Flur: Diplom-Forstwirt Markus Blacek von der mobilen Umweltschule, Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer, Bundestagsabgeordneter Michael Kießling, Landrat Stefan Frey, Andechs‘ Bürgermeister Georg Scheitz, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und die beiden Landtagsabgeordneten Anne Franke und Dr. Ute Eiling-Hütig (v.l.).

Mit Besuch von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber

Die Kulturlandschaft zu Fuß erkunden: Neuer Wanderweg in Andechs eröffnet

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Wandern und dabei etwas lernen: Seit gestern ist Andechs um eine Attraktion reicher. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber eröffnete den neuen landeskulturellen Wanderweg. Er führt entlang von Feldern, auf denen Getreide für Biokreis, Naturland und das Brot der Hofpfisterei angebaut wird.

Erling – Dass der Mais ursprünglich aus Mexiko stammt, weiß fast jedes Kind. Aber dass die für das bayerische Bier so unverzichtbare Gerste vor etwa 8000 Jahren ihren Siegeszug aus dem Zweistromland, in etwa dem heutigen Irak, nach Europa antrat, das ist vermutlich vielen weitgehend unbekannt. Wer mehr über Dinkel, Hafer, Weizen und deren Bedeutung, Verbreitung und ihren Weg in die hiesigen Breitengrade wissen will, wird in Andechs fündig. Dort wurde gestern der landeskulturelle Wanderweg auf Erlinger Flur feierlich eröffnet. Es ist der erste seiner Art.

Zusammen mit Bürgermeister Georg Scheitz und einer rund 50-köpfigen Gruppe aus altem und neuem Landrat, Vertretern aus Bundes- und Landtag, Bürgermeistern der Nachbargemeinden sowie amtierenden und ehemaligen Vertretern aus dem Andechser Gemeinderat erkundete Michaela Kaniber, Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, was es entlang des knapp drei Kilometer langen Pfades zu entdecken gibt.

An 15 interaktiven Stationen über die Kulturlandschaft lernen

Gleich die erste der 15 interaktiven Stationen mit Wissenswertem über Landwirtschaft früher und heute hatte es der Ministerin sichtlich angetan. Georg Scheitz ließ es sich nicht nehmen, scherzhaft darauf hinzuweisen, dass es Mitte der 1970er Jahre bereits eine Informationstafel zu diesem Thema gegeben habe. Wobei: „Das, was da propagiert wurde, hätte eher die Bezeichnung Landwirtschaft gestern und vorgestern verdient“, sagte Scheitz, der selbst Bio-Bauer der ersten Stunde ist.

Dargestellt wird an der neuen Station in einer Art Memory-Spiel von je zwei drehbaren Holzscheiben ein Vergleich, wie sich Landwirtschaft binnen einer Generation verändert hat. So waren etwa 1949 noch 4 819 000 Menschen in Deutschland in der Landwirtschaft beschäftigt. 2017 waren es gerade noch 616 000.

Tafeln sollen zum Nachdenken und zur Diskussion anregen

Auch die Rolle des Verbrauchers kommt nicht zu kurz. Auf der Tafel zu diesem Thema ist zu lesen, dass ein Kilogramm Schweinefleisch 1950 noch 1,6 Prozent eines durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens kostete, 2002 waren es nur noch verschwindend geringe 0,28 Prozent. Der Konsum ist im gleichen Zeitraum von 40 Kilogramm pro Jahr auf 60 gestiegen. Das Lesen der Informationstafeln entlockte Kaniber ein sichtlich beeindrucktes „Wahnsinn“. Es scheint zu funktionieren: Die Tafeln sollen zum Nachdenken und zur Diskussion anregen.

Memory mit der Ministerin: Michaela Kaniber an der ersten der 15 Stationen des Weges.

Die 15 Stationen entlang des Weges thematisieren neben Ackerpflanzen, Pflanzen an Wald- und Wegesrand, der Funktion des Waldes, der Rolle des Klimawandels und der Bedeutung von Insekten auch historische Themen. So gibt es auch Einblicke in die Entstehung der Kulturlandschaft rund um Erling und wie die Spuren der letzten Eiszeit, aber auch die Bewirtschaftung durch den Menschen seit der Zeit der Kelten und Römer diese bis heute prägen. Gefördert wurde das Projekt mit 27 500 Euro aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und den Freistaat. Er ist auch für Kinder geeignet, da Schüler der Andechser Carl-Orff-Grundschule an seiner Konzeption mitgewirkt haben. Das Gesamtkonzept und dessen Umsetzung stammen von Markus Blacek aus Pähl.

Wanderweg mit aufklärerischem Ansatz

In seiner Eröffnungsrede dankte Georg Scheitz seiner Vorgängerin Anna Neppel und dem früheren Gemeinderat, dass sie das Projekt in die Wege geleitet haben. Der Weg zeige gut, wie Bauern die hiesige Kulturlandschaft zu der gemacht hätten, die sie heute sei. Im Rahmen des touristischen Angebots sei der Weg ein „wertvoller Bestandteil, weil er aufklärt“, betonte Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer.

Den Faden griff auch Ministerin Kaniber in ihrem Plädoyer für die bayerische Landwirtschaft auf. Sie stelle häufig fest, dass es die Städter aufs Land ziehe. Doch fehle denen oft das Bewusstsein, wer diese Landschaft präge. Der Wanderweg zeige auf, „dass Landwirte keine Bodenverschmutzer, Wasservergifter und Tierquäler sind“. Er verbinde die Themen Wertschöpfung und Wertschätzung.

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