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Immer wieder müssen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren während ihrer Einsätze Atemschutzgeräte tragen. Daher muss deren Anwendung regelmäßig trainiert werden.

Feuerwehren

Landrat will Katastrophenschutz-Zentrum

Voraussichtlich im Herbst werden die Kommandanten einen neuen Kreisbrandrat wählen. Bisher gibt es einen Kandidaten. Unterdessen plant Landrat Karl Roth ein Zentrum für alle Feuerwehren.

Frieding/Landkreis – Mehrere Monate wird es dauern, bis der Landkreis einen neuen Kreisbrandrat hat. Nachdem Markus Reichart sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt angekündigt hat (wir berichteten), hat Landrat Karl Roth die Feuerwehren aufgefordert, Vorschläge zu machen. Die Kreisbrandinspektion hat ihren bereits vorgelegt. Reicharts Nachfolger wird sich auch mit einer neuen Idee des Landrats befassen – einem Feuerwehr- und Katastrophenschutzzentrum.

Derzeit betreiben die Feuerwehren auf dem Sonderflughafen Oberpaffenhofen ein Lager mit Betten, Zelten, Treibstoff und vielem anderen sowie Evakuierungsmaterial für rund 200 Personen. Letzteres ist für den Fall angeschafft worden, dass eine der Containeranlagen für Flüchtlinge geräumt werden muss. Das Lager besteht seit 2015 und wird gehegt und gepflegt; derzeit bauen die Feuerwehrler ein Regalsystem ein. Allerdings ergeben sich durch den Eigentümerwechsel am Flughafen potenziell Probleme: Das Lager ist in einer Halle untergebracht, die nach dem Planfeststellungsbeschluss für den Flughafen abgerissen wird. Der neue Betreiber setzt auf mehr Gewerbe, was bald zu einem Abriss führen kann – „wir sollten einen Plan B haben“, sagte Reichart bei der Kommandantentagung am Freitagabend in Frieding.

Da ist ja noch die Leichtbauhalle

Den hat Karl Roth bereits. Die Idee ist nicht neu, aber die Gelegenheit günstig: Der Landrat will jene Leichtbauhalle, die der Kreis einst als Notunterkunft für Asylbewerber angeschafft hatte, dafür nutzen. Die Halle sollte ursprünglich in Gauting gebaut werden, was aber mittendrin gestoppt worden war. Seither liegt sie in einem Lager im Allgäu, hat kein Dach – das dann anzuschaffen sein wird – und findet keinen Käufer.

Der Bau wäre groß genug, auch für Übungen, sagte Roth. Und für die Atemschutzübungsstrecke, die derzeit im Keller des Landratsamtes untergebracht und nach 30 Jahren sanierungswürdig ist. „Wir denken das mal weiter“, sagte Roth. Was ihm noch fehlt, ist ein passendes Grundstück. Mindestens ein Jahr wird es dauern, schätzt er, zumal ein Bau nur im Außenbereich möglich wäre und damit langwierig in der Genehmigung.

So lange wird Markus Reichart voraussichtlich nicht mehr sein Amt als Kreisbrandrat und damit als Chef von 44 Freiwilligen Feuerwehren sowie Betriebs- und Werkfeuerwehren ausüben. In den Monaten, bis die Wahl vollzogen und der neue Kreisbrandrat von der Regierung von Oberbayern bestätigt ist, könne er „einige Projekte zu Ende zu bringen“. Seit wenigen Wochen ist er Fachbereichsleiter für Ordnung und Sicherheit im Landratsamt, verantwortet damit Bereiche wie Waffen- und Sprengstoffrecht, Gaststättenwesen, Tierschutz und den Katastrophenschutz. „Auf Dauer ist das zeitlich nicht mit der Funktion des Kreisbrandrates vereinbar“, sagte er. Zweiter Grund: Er wird auch über Beschaffungen nicht nur für die Feuerwehr, sondern auch auf Wasserrettung, Rettungsdienst und THW mitentscheiden. „Gefühlt findet sich sicher jemand, der da einen Interessenkonflikt sieht.“

Reichart will zum Jahresende aufhören

Das Gefühl täuschte nicht, wie Landrat Roth einräumte. Es hätten sich bereits einige Vertreter von Hilfsorganisationen erkundigt, ob der Feuerwehrmann Reichart „auf einem Auge nicht so ganz sichtig“ sein würde. Rechtlich wären Aufgabe und Amt vereinbar. Reichart will aber nicht den geringsten Anschein eines Konflikts zulassen – und legt das Amt nieder. Vermutlich wird es um den Jahreswechsel sein.

Roth geht davon aus, dass es „irgendwann im Herbst“ eine Neuwahl geben wird. Wahlberechtigt sind die Kommandanten, kandidieren kann jeder Feuerwehrler mit ausreichender Ausbildung. Das schränkt den Kandidatenkreis auf einige Dutzend ein. Der Landrat will bis Mitte September Vorschläge; er muss mit allen Bewerbern reden und entscheiden, ob sie zugelassen werden können.

Peter Bauch ist von der Kreisbrandinspektion einstimmig als neuer Kreisbrandrat vorgeschlagen worden.

Die Kreisbrandinspektion hat sich bereits entschieden: Sie votierte einstimmig für Peter Bauch, derzeit Kreisbrandmeister für Funk und Unterstützungsgruppen und zweiter Kommandant in Krailling. „Er macht viel im Verborgenen“, sagte Reichart über Bauch, der Feuerwehrmann am Münchner Flughafen ist. Viele Kommandanten gehen davon aus, dass es keine weiteren Kandidaten geben dürfte – sicher ist das allerdings nicht.

Etwas anderes ist hingegen ganz sicher: Die Kommandanten sind mit der Arbeit Reicharts in den vergangenen 14 Jahren zufrieden. Das zeigte der minutenlange Beifall, der ihm in Frieding zuteil wurde. Mit Dankesworten waren alle noch sparsam, schließlich ist es bis zum offiziellen Abschied Reicharts noch eine Weile hin.

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