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Beifall für den Landratskandidaten: Stefan Frey (M.) erhielt 99,08 Pro zent der Stimmen und viel Applaus von Bezirksrat Harald Schwab, Gautings Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger, vom Bundestagsabgeordneten Michael Kießling, von der Landtagsabgeordneten Dr. Ute Eiling-Hütig und von seinem Vater, Altlandrat Heinrich Frey (v.l.). Sohn Clemens befasste sich weiter mit seinem Notizbuch

99,08 Prozent Zustimmung bei CSU-Versammlung für den Starnberger Stadtrat

Stefan Frey will pragmatisch und ohne Ideologie ins Landratsamt

Die CSU im Landkreis Starnberg hat Stefan Frey nun offiziell zum Landratskandidaten gekürt. Der 44-Jährige aus Starnberg soll nach dem Willen der Christsozialen Amtsinhaber Karl Roth nachfolgen, der bei der Wahl 2020 nicht mehr antritt.

Andechs/Landkreis – Eine Gegenstimme, 99,08 Prozent Zustimmung: Stefan Frey hat als Landratskandidat der CSU im Landkreis Starnberg am Donnerstagabend in Andechs ein für Christsoziale standesgemäßes Ergebnis eingefahren. In seiner Bewerbungsrede gab sich der Starnberger kämpferisch, schließlich ist die Kommunalwahl am 15. März 2020 keine „gmahde Wiesn“, wie es Amtsinhaber Karl Roth formulierte.

Roth wird nicht wieder als Landrat kandidieren, obwohl er nach den Altersregeln durchaus könnte. Er hatte seine Partei in Aufruhr versetzt, als er zu Jahresbeginn seinen Verzicht erklärte. Roth hatte aber da schon den potenziellen Nachfolger zur Hand: Stefan Frey, zweitjüngster Sohn von Altlandrat Heinrich Frey, Jurist, derzeit Stadtrat in Starnberg und als Ministerialrat „rechte Hand“ von Innenminister Joachim Herrmann.

Als „meinen Nachfolger“ schlug Roth den Starnberger auch bei der Nominierungsversammlung im Klostergasthof vor, da er politisches Gespür bewiesen habe, ein Teamspieler sei und in Starnberg gezeigt habe, dass er Mehrheiten organisieren könne – gemeint war die Tunnelentscheidung. Frey sei verwaltungserfahren, kenne die Strukturen und wisse, wie er auf Landesebene an die wichtigen Personen herankomme. Kommunalpolitik habe er bereits mit der Muttermilch aufgesogen, scherzte Roth – Freys Mutter Barbara war lange Jahre Stadträtin in Starnberg.

Roth warnte seine Partei davor, andere Parteien zu unterschätzen: „Die Grünen arbeiten wahnsinnig mit Emotionen, da müssen wir dagegenhalten.“ Und er empfahl dringend, nicht über andere schlecht zu reden, sondern zu sagen, was die CSU besser mache.

Daran hielt sich Frey schon in seiner Bewerbungsrede, erlaubte sich aber Seitenhiebe. Er sehe nicht, dass man Menschen und den Landkreis grundlegend verändern müsse. Vielmehr müsse man den Weg weitergehen, aber vernünftig, pragmatisch und frei von Ideologien. Frey hält Gewerbegebiete für erforderlich, aber nicht in sensiblen Bereichen. Deswegen sprach er sich gegen eine AWISTA-Umladestation bei Hochstadt aus. Er will eine Stelle für einen Ehrenamtskoordinator schaffen und bei Arbeitserlaubnissen für Flüchtlinge Spielräume nutzen. Integration funktioniere am besten über Arbeit, und die sei „besser, als in einer Unterkunft den Tag abzusitzen“.

In Verkehrsfragen positioniert er sich als Gegenpol zu den Grünen. Er fahre gerne Auto, viele andere müssten das Auto nutzen, weswegen er „dieses Verkehrsmittel nicht in die Ecke stellen“ will. Der ÖPNV müsse ein besseres Angebot machen, nur dann werde er auch genutzt. „Mit Zwang erreichen wir nichts“, mahnte Frey. Der 44-Jährige verfolgt wie auch Roth beim Gesundheitswesen die Linie, kleine Kliniken zu erhalten. Beim Wohnraum möchte er die Gemeinden ermuntern, mehr Bauland bereitzustellen. Wohnungen in oder an Gewerbegebieten hält er für sinnvoll.

Zudem bekannte sich Frey zur Unterstützung der Landwirte, egal, ob Bio oder nicht. Man dürfe den Umweltschutz nicht einseitig den Landwirten, den „Bildhauern unserer Heimat“, aufbürden. Das hörten die Landwirte gerne, und Georg Zerhoch aus Andechs versprach, Frey an diese Worte zu erinnern.

108 der 109 Delegierten stimmten für Frey, einer gegen ihn. Frey versprach, dass die CSU am Ende „ganz oben“ stehen werde. Der Starnberger ist übrigens verheiratet mit einer Richterin, hat drei Kinder (zwei Söhne, eine Tochter), treibt gerne Sport, engagiert sich in der Kirche und macht dort auch Musik. Er spiele, räumte er ein, dort aber nur die zweite Geige. ike

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