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Gruselig: In Erling an der Straße zum Kloster grüßt ein Plastiksoldat samt Schäferhundattrappe aus einem Garten. Nach Angaben des Besitzers soll er Einbrecher abschrecken.

Aufreger im Garten

Der Landser von Erling:Bürgermeisterin schaltet Polizei ein

Er sieht zum Fürchten aus, und genau so will es sein Besitzer auch: An der Straße zum Kloster Andechs in Erling grüßt seit einiger Zeit ein vermeintlicher Wehrmachtssoldat samt Schäferhund-Attrappe aus einem Garten.

Erling– Laut Besitzer soll die Puppe Einbrecher abschrecken, die dort schon ihr Unwesen getrieben haben: Zwei Motorsägen seien ihm aus dem Stall gestohlen worden, klagt der Erlinger. Er verdächtigt „rumänische Bettelbanden“.

Auch wenn die lebensgroße Figur stark an einen Soldaten aus dem Dritten Reich erinnert, weist der Anwohner jegliche politische Motivation weit von sich: „Ich bin kein Nationalsozialist und auch kein Reichsbürger.“ Er habe auch nichts gegen Asylbewerber, versichert der Mann, obwohl er er von ihnen „mehr Demut“ fordert. Die Schaufenster-Puppe und den Plastikschäferhund hat sich der Erlinger besorgt, „den Helm aus dem Ersten Weltkrieg hatten wir noch“. Die Binde am Arm wiederum sei ein umgedrehtes FC Bayern-Emblem. „Ich selbst bin 60er-Fan.“

Der Mann aus dem Klosterdorf ist wütend auf die Gemeinde Andechs, die gegen die Figur vorgehen wollte: „Die haben mir die Polizei geschickt.“ Bürgermeisterin Anna Neppel bestätigte auf Anfrage, dass sie im Dezember die Polizei eingeschaltet hatte, weil sie von Bürgern auf die Figur angesprochen worden war. Diese hatte es besonders gegruselt, zumal die Puppe im Dunkeln auch noch angeleuchtet wurde. Dass das Rathaus wenig gegen Soldat und Plastikhund ausrichten wird können, hatte der Rathauschefin jedoch schon gedämmert, bevor die Beamten vor Ort waren. „Die Figur steht auf Privatgrund“, so Neppel. Überdies habe ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes nichts Volksverhetzendes gefunden.

Gemeinde müsste eine Satzung erlassen

Das musste dann auch die Polizei in Herrsching einräumen. Dienstellenleiter Erich Schilling schickte zwei Beamte in Zivil vorbei. Das Ergebnis der Inspektion: „Es ist nichts an der Figur, war verboten wäre“, erklärt der Polizeichef, der aber auch die Ähnlichkeit mit einem Wehrmachtssoldaten nicht abstreitet. Doch ihm sind die Hände gebunden. Der Gemeinde gib Erich Schilling den Tipp, eventuell „eine Satzung zu erlassen, was alles in den Gärten alles aufgestellt werden darf“. jvr

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