Die einteiligen Chemieschutzanzüge wurden gerade gereinigt und trocknen noch. Die Feuerwehren proben regelmäßig ihren Einsatz, denn im Landkreis gibt es einige Objekte, für die sie im Ernstfall nötig sein könnten.
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Die einteiligen Chemieschutzanzüge wurden gerade gereinigt und trocknen noch. Die Feuerwehren proben regelmäßig ihren Einsatz, denn im Landkreis gibt es einige Objekte, für die sie im Ernstfall nötig sein könnten.

Für alle Fälle gerüstet

Neues Katastrophenschutzlager für Kreisbrandinspektion

  • VonAndrea Gräpel
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Die Kreisbrandinspektion freut sich über die zentrale Materialunterbringung im neuen Katastrophenschutzlager in Machtlfing – eine Erleichterung in vielerlei Hinsicht. Noch nicht bezogen sind Büros und das Kreisfeuerwehrarchiv.

Machtlfing – „Das war die beste Idee, die Martin Popp hatte“, sagt Andreas Pain. Er ist Kreisbrandinspektor, Martin Popp Kommandant in Machtlfing und Eigentümer der Gebäude, in der die Druckerei Ulenspiegel bis 2020 beheimatet war. Diese ursprünglich landwirtschaftlichen Gebäude standen leer, Popp suchte neue Mieter und der Landkreis brauchte dringend ein zentrales Katastrophenschutzlager. Seit Kurzem befindet sich dieses an der Birkenstraße in Machtlfing. „Momentan ist es groß genug“, sagt Pain.

Als Machtlfinger und Leiter des Lagers ergibt sich für Pain persönlich durch den Umzug ein entscheidender Vorteil – die Wege sind kürzer. Seit 2015 befand sich das Hauptlager verteilt auf verschiedene Gebäude auf dem weitläufigen Gelände des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen. „Da lag ein Kilometer zwischen einem Gebäude und dem anderen“, sagt Pain, „eine Katastrophe.“ Ganz abgesehen von seiner Anfahrt. Nebenlager gab es in Etterschlag und Gauting. Zum neuen Zentrallager sind es gerade mal 100 Meter, die Pain zurücklegen muss. Ein Heimspiel also.

1200 Quadratmeter Fläche stehen auf dem Hof zur Verfügung, was sich nach der Aufgabe der Druckerei als glückliche Fügung für den Landkreis erwies, der dringend ein Zentrum brauchte. „Und hier am Ortsrand stören wir niemanden“, sagt Pain zufrieden. Verkehr und Lärm halten sich in Grenzen. Das ehemalige Stallgebäude und die Futterbergehalle waren schon von den Druckereibesitzern jeweils zweigeschossig ausgebaut worden und verfügen über einen Lastenaufzug und große Büroräume. Ideale Bedingungen für ein Katastrophenschutzlager, in dem auch das Feuerwehrarchiv und die 13-köpfige Kreisbrandinspektion unter der Führung von Kreisbrandrat Peter Bauch Platz findet. Bauchs Brandschutzdienststelle verbleibt im Landratsamt in Starnberg.

Noch stapeln sich die Akten und Möbel: In den großen Räumen des ehemaligen Strohlagers über dem Stall hatte die Druckerei ihre Büroräume. Nun sollen dort Kreisbrandinspektion und Archiv einziehen. 

Momentan stapelt sich das viele Material noch nicht am finalen Platz. Seit April werden die Bestände in Machtlfing zusammengetragen: Masken, Desinfektionsmittel, Handschuhe, Schutzkittel und -brillen. Alles, was für die Pandemie notwendig war und ist und darüber hinaus, etwa Schutzanzüge, wenn Afrikanische Schweinepest oder Vogelgrippe ausbrechen. „Der Unterschied liegt vor allem in der Haltbarkeit“, erklärt Pain. Vom Aussehen her unterscheiden sie sich nicht. In der ehemaligen Futterbergehalle, in der die Druckerei ihr Papierlager hatte, liegen auch schwere, einteilige Chemieschutzanzüge in Kunststoff-Rollcontainern. Einmal im Jahr wird deren Einsatz geübt, denn mit Schwimmbad, Brauereien, Molkerei oder 3M gibt es im Landkreis einige Objekte, bei denen es zum Ernstfall kommen könnte. Auch Großzelte sind gelagert. Jene, die kurzzeitig in Gilching standen, bis klar war, dass Container für die Mitarbeiter der Teststation zweckmäßiger sind. Dazu eine Hochwasserpumpe, die 8000 Liter Wasser in der Minute abpumpen kann. Notdächer und eine mobile Lautsprecher- und Sirenenanlage hatte der Kreis schon vor der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pflanz und Nordrhein-Westfalen. „Bayern hat da vorgesorgt“, sagt Pain.

Ausgerüstet ist der Landkreis auch mit Feldbetten, Decken oder Zelten für eine weitere Notfallunterbringung wie 2015 in der Flüchtlingskrise in Hechendorf oder Inning. Mit einem Hub- und zwei Gabelstaplern ist das Material in den insgesamt drei Hallen schnell zur Hand. Weiteren Platz gibt es auch noch. „Wenn Sie mir sagen, dass Corona nicht mehr kommt, dann reicht’s“, sagt Pain.

Unterstützung in der Organisation des Lagers hat Pain durch Gerätewarte der Freiwilligen Feuerwehr aus Buch. Auch auf Kameraden aus Machtlfing könne er zurückgreifen. Im Notfall arbeiten alle Wehren zusammen. Denn wenn wie in der heißen Phase der Pandemie 86 Adressen regelmäßig angefahren werden müssen, bleibt nicht viel Freizeit übrig für Freiwillige wie den 42-jährigen Kfz-Sachverständigen und Vater von zwei Schulkindern. Pain allerdings hat es dafür nun nicht mehr so weit.

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