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Erinnerung an einen Widerstandskämpfer und seine Helfer: Andechs’ Bürgermeister Anna Neppel mit den Künstlern Franz Nickel und Franziska Ghirardo (Foto li., v.l.) enthüllten die Stele.

Machtlfinger NS-Widerstand

Mahnmal für die Menschlichkeit

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Das Hitler-Attentat in Berlin und die Hilfe für den Widerstandskämpfer Albrecht Haushofer in Machtlfing: „Beides zeigt, dass es Menschen gab, die ein anderes Deutschland wollten“, sagte Dr. Toni Aigner bei der Enthüllung einer Erinnerungsstele für Haushofer und seine Helfer.

Machtlfing – Eine Bronzestele unterhalb der Alten Schule in Machtlfing erinnert seit gestern an den NS-Widerstandskämpfer Albrecht Haushofer und die Menschen, die ihm auf seiner Flucht geholfen haben. Unter anderem an die Familie Otto, die ihn wochenlang in Machtlfing versteckt hielt und die am heutigen 18. September vor 73 Jahren, neun Wochen nach dem Hitler-Attentat, verhaftet wurde.

Für Andechs’ Bürgermeisterin Anna Neppel ist die Stele ein dreifaches Zeichen: „Ein Zeichen der Dankbarkeit in die Vergangenheit für das selbstlose Engagement der Machtlfinger Bürger, in die Gegenwart für das soziale Engagement vieler und in die Zukunft für das ehrenamtliche Engagement vieler, ohne das eine Gesellschaft nicht bestehen kann.“

Für die Tochter des postum geehrten Ehepaars Otto, Gabriele Gentner, war dies ein bewegender Moment. „Es ist wichtig, dass dieses Kapitel der Geschichte nicht vergessen wird“, sagte sie. „Es gab auch in dieser schlimmen Zeit Menschen, die nicht nach der Pfeife getanzt haben.“ Sie war mit ihrer Tochter Julia (32) nach Machtlfing gekommen. Das Ehepaar Otto, das nach dem Krieg körperlich und seelisch gezeichnet aus KZ- und Gestapo-Haft heimgekehrt war, hatte fünf Kinder. Dr. Martin und Elisabeth Otto starben in den 1990er Jahren. Gabriele Gentner ist die Bewahrerin der Familiengeschichte. „Meine Eltern waren unwahrscheinlich gläubig“, sagte sie. „Der Glaube hat Oma und Opa durch die Haft getragen“, ergänzte Julia Gentner.

Deshalb war es umso wichtiger, dass ein Gottesdienst Teil des Festakts zur Einweihung der Machtlfinger Stele war. Pater Anno Bönsch und sein evangelischer Kollege Pfarrer Michael Stein, die die Stele später segneten, erinnerten in dem ökumenischen Gottesdienst an das Weltengericht aus dem Matthäus-Evangelium. „Wie wird einst mein Leben beurteilt?“, fragte Bönsch. „Vor Gott gilt ein anderer Maßstab: der der einfachsten Menschlichkeit.“

Die Idee zu dem Denkmal kam vor zwei Jahren dem Andechser Gemeinderat Johann Albrecht, als die Tutzinger den Widerstandskämpfer Haushofer mit einer Ausstellung würdigten. Die selbe, sehr informative historische Ausstellung ist noch kommendes Wochenende von 12 bis 17 Uhr in der Alten Schule zu sehen. Am Sonntag, 24. September, um 12 Uhr ist Renate Haushofer dabei und erzählt von ihrer Familie.

Dank der Gemeinde, des Landkreises und zahlreicher privater Spender kam das Geld für die Stele zusammen, 19 000 Euro. Kurz vorher drohte der Festakt zu scheitern: „Der Guss der Bronze ist im wahrsten Sinn des Wortes geplatzt“, berichtete Künstler Franz Nickel, der die Stele mit seiner Tochter Franziska Ghirardo gestaltet hatte. Sie wurde dann nochmal komplett gegossen und rechtzeitig vor der Alten Schule aufgestellt.

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