Grafrather Graf Rasso Kirche. 
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Grafrather Graf Rasso Kirche. 

Verwirrspiel um Graf Rath

Namensverwechslung mit Folgen

  • vonAndrea Gräpel
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Wie sollte es einen Mann nicht gegeben haben, dessen sterbliche Überreste seit Jahrhunderten in der Kirche zu Grafrath liegen? Diese Frage stellte sich irgendwann auch Dr. Ernst Meßmer. Sein Buch „Graf Rath“ nennt er einen Nachruf auf einen Mann, dem seine Identität genommen wurde.

Andechs/Grafrath - Der 85-jährige Meßmer aus Grafrath war Lehrer für Latein und Geschichte. Seit seiner Pensionierung im Jahr 2000 ist er in die Geschichte seiner Heimatgemeinde eingetaucht. Er ließ sich zunächst ebenso davon blenden, was namhafte Historiker aus Anlass der Landesausstellung 1993 in Andechs in den Raum gestellt hatten, dass es nämlich den Heiligen von Grafrath gar nicht gab, er stattdessen Razzo hieß und ein großer Heerführer und Urvater des Geschlechts der Andechs-Meranier gewesen sei. Nach 21 Jahren Quellenforschung ist sich Meßmer heute allerdings sicher, das etwas zusammengefügt wurde, was nicht zusammengehört – nämlich Razzo und Rasso/Razo oder Rath. Stark vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um eine Namensverwechslung, aufgrund derer Grafrath und sein Heiliger selbst von der Kirche fast abgeschrieben wurde. Meßmer ist der Ansicht, dieser Mann „hat es nicht verdient, als legendäre oder sagenhafte oder – ganz irrwitzig – als erfundene Gestalt bezeichnet zu werden“.

Auf das Verwirrspiel gestoßen ist Meßmer bei seinem noch immer intensiven Quellenstudium. Für ihn ist es deshalb unterdessen belegt: „Die Razzo-Überlieferung ist viel später datiert als die von Graf Rath.“ Und Grafrath habe damit seinen Heiligen zurück, dessen Gebeine auf dem Hochaltar der Wallfahrtskirche bis heute aufgebahrt sind.

Seine Forschung hat Meßmer auf 271 Seiten im Bauer-Verlag veröffentlicht, in dem er schon 2011 „Graf Rath und sein Hof in Wörth“ herausgebracht hatte. Bemerkenswerterweise gibt es aber eben auch die im EOS-Verlag der Erzabtei St. Ottilien erschienen Werke „Das wundersame Grab von Graf Rasso“ aus dem Jahr 2003 und „Graf Rasso“ im Jahr 2004. In Letzterem spricht Meßmer auch noch vom Heerführer Bayerns, von dem der 85-Jährige heute überzeugt ist, dass dieser nichts mit dem Kirchstifter und Klostergründer, dem Volksheiligen Grafraths zu tun hat.

Graf Rath

ist im Bauer-Verlag Thalhofen erschienen, 271 Seiten, 12 Euro, im Buchhandel erhältlich.

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