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Die beiden Bäume neben dem Eingang sorgen dafür, dass die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Friedinger Kindergartens nicht die volle Leistung erbringt. Deswegen sollen sie bald gefällt werden.

Baumfällung

Ökologische Absurditäten in Frieding

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Dass Naturschutz und erneuerbare Energien auf Konfrontationskurs gehen, hat man auch nicht alle Tage. Im Andechser Gemeinderat war es am Dienstagabend aber so.

Frieding – Als der Kindergarten in Frieding gebaut wurde, dachten die damaligen Entscheidungsträger mit. Im Sommer, wenn die Sonne gnadenlos vom Himmel brennt, brauchen die Kinder Schatten, um draußen spielen zu können. Folgerichtig pflanzte man zwei Bäume – einen Ahorn und eine Linde.

Als vor einigen Jahren die Energiegenossenschaft Fünfseenland bei der Gemeinde Andechs vorstellig wurde und vorschlug, das Dach der Kita zu mieten, um dort eine Fotovoltaikanlage zu errichten und grünen Strom zu produzieren, musste der Gemeinderat auch nicht lange überlegen. Gute Sache, sauber und leise, Miete fließt auch noch in die Kasse – der Vertrag wurde unterschrieben.

Nun aber kollidieren der umweltfreundliche Schattenspender und die umweltfreundliche Stromerzeugung miteinander. „Der Geschäftsführer der Energiegenossenschaft, Gerd Mulert, teilte uns mit, dass die beiden Bäume für eine Verschattung der Fotovoltaikanlage sorgen“, berichtete Bürgermeisterin Anna Neppel am Dienstagabend im Gemeinderat. Der Schatten sorge dafür, dass die Anlage weniger Sonnenenergie in Strom umwandeln könne. Die Forderung der Energiegenossenschaft daher: Die Bäume müssen weg. „Ansonsten drohen Nutzungsentschädigungen an die Genossenschaft, die im Mietvertrag vereinbart sind“, sagte Bürgermeisterin Neppel. Das sorgte im Gemeinderat erwartungsgemäß für mäßige Begeisterung: „Die Bäume waren schon vor der Fotovoltaikanlage da“, schimpfte Christian Kaiser (SPD). Er lehnte eine Fällung der Bäume rundweg ab: „Bei jedem anderen Antrag auf Baumfällung machen wir ein Riesengschiss und hier soll jetzt einfach die Säge angesetzt werden.“ Zurückschneiden wäre okay, Umsetzen auch, aber Fällen auf gar keinen Fall. Kaiser zweifelte auch an, dass ausschließlich der Schatten, den die Bäume werfen, für die Minderleistung der Fotovoltaikanlage verantwortlich sei. Er vermutete, dass eine Reinigung der Kollektoren bereits eine spürbar höhere Ausbeute bewirken würde.

Das sah ausgerechnet Dr. Walter Kellner (Grüne) anders: „Der Gemeinderat hat zugestimmt, dass er die Anlage will, und den Vertrag unterschrieben. Do gibt’s halt kein Radi.“ Die Fotovoltaikanlage werde permanent fernüberwacht und dabei sei deutlich geworden, dass ihre Ausbeute deutlich niedriger sei als die vergleichbarer Anlagen.

Dennoch wurde anschließend ausführlich über die Vor- und Nachteile eines Baumschnitts diskutiert. „Da bleibt vom Ahorn nicht viel übrig, wenn wir ihn so beschneiden, dass kein Schatten mehr auf die Anlage fällt“, hieß es seitens der Verwaltung. Dazu komme, dass insbesondere Ahornbäume sehr sensibel auf einen Baumschnitt reagieren. Es droht die Gefahr, dass Wasser eindringt und der Baum dadurch später doch noch gefällt werden muss. Die Linde sei da deutlich weniger empfindlich.

Schließlich unterbreitete Anna Neppel einen Vorschlag zur Güte: „Warum fällen wir die Bäume nicht und pflanzen anschließend neue Schattenspender, die leicht verschnitten werden können?“ Sie plädierte dafür, dass Obstbäume – Apfelbäume oder Kirschen – gepflanzt werden. „Dann sehen die Kinder auch gleich, wo das Essen herkommt und können sich bei der Ernte beteiligen“, schlug sie vor.

Eine Anregung, die im Rat schlussendlich auf breite Mehrheiten stieß. Christian Kaiser blieb dennoch unerbittlich: „Das ist doch absurd, dass wir schatten- und sauerstoffspendende Bäume, die kerngesund sind, fällen, damit unsere Elektroautos mit sauberem Strom aufgeladen werden können.“

Dennoch soll nun so verfahren werden. Bevor an den schönen Bäumen die Säge angesetzt wird, sollen laut Neppel aber noch die Verantwortlichen im Kindergarten informiert werden.

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