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Der S-Bahnhof Gilching-Argelsried war Mitte Dezember 2017 Schauplatz einer heftigen Auseinandersetzung.

Aus dem Gerichtssaal

Prügel-Attacke am S-Bahnhof Gilching-Argelsried vor Gericht

Der Fall sorgte Ende vorigen Jahres für Aufsehen. Nun musste sich ein 21 Jahre alter Mann aus Andechs vor Gericht verantworten.

Gilching – Mitte Dezember machte ein junger Andechser dem DB-Sicherheitspersonal mächtig Ärger. Beim nächtlichen Überqueren der Gleise am S-Bahnhof Argelsried in Gilching fiel der 21-Jährige zunächst unangenehm auf. Kurz darauf eskalierte die Situation und der S8-Verkehr kam für eine Stunde zum Erliegen. Jetzt musste sich der vorbestrafte Arbeiter wegen versuchter Körperverletzung, Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten.

Erinnern kann sich der 21-Jährige an die Geschehnisse jener Winternacht nicht. Offenbar löste die Promillezahl von 1,86 eine alkoholbedingte Amnesie aus. Umso nachhaltiger die Reaktion des jungen Mannes, der nach dem Vorfall umgehend die Reißleine zog und sich einer Entgiftung in Sachen Alkohol und Amphetamine unterzog.

Anschaulich schilderten dafür die Sicherheitskräfte der Deutschen Bahn im Zeugenstand das wilde Gebaren des Angeklagten, der sich nur ungern von ihnen belehren lassen wollte, als er über die Gleise stiefelte. Der aggressive 21-Jährige ließ jede Menge wüste Beleidigungen hören und blockierte hartnäckig die Weiterfahrt der S-Bahn, indem er sich in die Waggon-Tür stellte. Als der irritierte Lokführer sich zum Tumult dazugesellte, kassierte der 27-Jährige einen Faustschlag ins Gesicht, und seine Brille flog zu Boden: „Ich hatte dann etwa drei Wochen lang Schmerzen am Kiefer.“

Den DB-Sicherheitsmännern gelang es, die Schläge des Andechsers so lange abzuwehren, bis die Polizei eintraf. „Er war emotional total aufgelöst. In einer Art Rausch“, sagte der 45-jährige Sicherheitsmann. Auch die Polizisten hatten ihre liebe Not mit dem Angeklagten, der auch dann nicht müde wurde rumzuschreien, als er fixiert am Boden lag. „Er hat ununterbrochen Beleidigungen von sich gegeben und gelallt“, so ein 23-jähriger Beamter. Auf der Germeringer Dienststelle kochte die Stimmung erneut hoch, als der Vater des 21-Jährigen zu dessen Abholung eintraf. Der Angeklagte beleidigte auch diesen und spuckte ihm vor die Füße. Schließlich musste der Andechser an den Beinen gefesselt werden, damit er nicht weiter randalierte. Einem Beamten drohte er dabei, er werde ihm mit einer Machete den Kopf abschlagen.

Zum Vorteil wirkte sich ein Täteropferausgleich aus, der im Vorfeld des Prozesses mit den DB-Sicherheitsmännern ausgehandelt worden war. Beide erhielten dabei ein Entschuldigungsschreiben sowie je 200 Euro. Vorteilhaft auch die reumütige Haltung des Angeklagten, der sich nach der Entgiftung einem längeren Drogen-Klinikaufenthalt unterzogen und sein Leben jetzt auch beruflich neu geordnet hatte. Nachdem der medizinische Sachverständige bei dem 21-Jährigen eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausschließen konnte, fiel das Urteil von Richterin Brigitte Braun relativ maßvoll aus. Die verhängte Geldstrafe setzte das Gericht bei 120 Tagessätzen à 40 Euro fest.  nh

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