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Gute Freunde: Rudi Schreiber reist den Kastel ruther Spatzen so oft es geht hinterher. Für Feste der Feuerwehr holte er die Musiker dreimal nach Andechs.

Freundschaft

Weißwürste für die Kastelruther Spatzen

Dreimal hat Rudi Schreiber die Kastelruther Spatzen zu Festen der Freiwilligen Feuerwehr nach Erling geholt. Den 79-Jährigen verbindet mit den Musikern eine dicke Freundschaft. Morgen macht sich Schreiber mit 100 Andechser Weißwürsten zu den Südtirolern auf.

Erling – Seit gut drei Jahrzehnten gehören die Kastelruther Spatzen aus Südtirol zum engen Freundeskreis von Rudi Schreiber, ehemaliger Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Erling-Andechs. „Ende der Siebziger habe ich das Amt übernommen und war dann 24 Jahre lang aktiv“, erzählt der 79-Jährige. Dreimal hat er es geschafft, die bekannte Musikgruppe zu Festen der Feuerwehr nach Erling zu holen.

Erstmals die Spatzen gehört: „Des hod wos g’habt“

Im Sudetenland (Trinksaifen/Neudeck) geboren und im mittelfränkischen Ursheim aufgewachsen, kam Schreiber als 14-Jähriger nach Andechs. Sein Onkel Adolf Schreiber hatte ihn als Nachfolger für seine kleine Terrazzo-Werkstatt zu sich geholt. „In Erling hab’ ich mich sehr schnell zu Hause gefühlt. Das lag auch an den drei Stadler-Buam Schorsch, Herbert und Albert. Sie wohnten vis-à-vis und haben mich sofort in ihrer Clique aufgenommen“, erzählt Schreiber. Auch beruflich lief es gut: Er absolvierte die Meisterschule als Steinmetz. 1970 übernahm er die Firma seines Onkels und baute sie in der Folge zu einem bedeutenden Steinmetz-Betrieb aus.

Eine Herzensangelegenheit aber war ihm immer schon die Freiwillige Feuerwehr. Und weil die nicht nur löscht, sondern auch zu feiern versteht, überlegte Schreiber, mit welcher Attraktion er im Jahr 1990 anlässlich einer Fahnenweihe seine Mitglieder und die Bürger überraschen könnte. „Zufällig sind meine Frau Gertraud und ich während der Vorbereitung zum Fest nach Verona gefahren, um neuen Marmor einzukaufen. In Südtirol haben wir dann erstmals im Autoradio die Kastelruther Spatzen gehört. Des hod wos g’habt.“ Nach einem Konzert stand für ihn fest: „Die hol’ ich nach Andechs.“ Insgesamt organisierte er drei Auftritte unterhalb des Heiligen Bergs: 1990, 1993 und zuletzt am 9.9.1999. „Das Zelt war jeweils mit 2700 Personen rappevoll. Es hat nicht nur Spaß gemacht, wir konnten auch die Feuerwehrkasse gut füllen. Immerhin stand als langfristiges Ziel ein neues Feuerwehrhaus auf dem Plan.“

Weißwurstessen mit seinen befreundeten Musikern

Aus den Engagements hat sich längst eine dicke Freundschaft zwischen Schreiber und den Südtiroler Musikanten entwickelt. „So oft es ging, sind meine Frau und ich zu deren Konzerten gereist. Darunter waren zwei Kreuzfahrten und anlässlich meines 60. Geburtstages ein Auftritt in Kapstadt. Freunde aus Gilching und meine Frau hatten heimlich Karten für das Konzert besorgt und den Flug gebucht. Und dann standen wir in Kapstadt, und ich sah ein Riesenplakat mit der Konzertankündigung. Da hätt’s mich fast umgehauen.“

Auch wenn Ehefrau Gertraud im Frühjahr verstorben ist, Rudi Schreiber wird in ihrem Sinne den Kastelruthern weiterhin treu bleiben. „Was mich richtig gefreut hat, war, dass Frontmann Norbert Rier mit seiner Ehefrau Isabella sogar zur Beerdigung nach Andechs gekommen ist.“ Und weil Schreiber eine Ehrenkarte auf Zeit hat, reist er der Band hinterher, so oft es der Terminplan zulässt. „Am Freitag geht es zum Open-Air nach Südtirol“, freut er sich. Nicht ohne aber vorher in der Andechser Klostermetzgerei rund 100 frische Weißwürste, Brezn und einen süßen Senf für die Kastelruther Spatzen mitzunehmen. „Wenn ich ankomm’, sitzen meine Freunde bereits um den Tisch und warten auf die Brotzeit. Tradition ist, dass nur ich die Weißwürst ins heiße Wasser legen darf. Und, es muss vor dem Zwöifeleitn sei.“

Von Uli Singer

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