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„Sie dürfen sich zu Recht feiern lassen“

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Von: Stephan Müller-Wendlandt

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Sie haben alles richtig gemacht: 33 junge Handwerker, die am Dienstag in Andechs freigesprochen wurden. Jedoch: Unter ihnen war kein Metzger, und die Bäcker waren nur mit einer Fachverkäuferin vertreten.
Sie haben alles richtig gemacht: 33 junge Handwerker, die am Dienstag in Andechs freigesprochen wurden. Jedoch: Unter ihnen war kein Metzger, und die Bäcker waren nur mit einer Fachverkäuferin vertreten. © Andrea Jaksch

Wer kann schon besser für seine Zunft werben, als das Handwerk selbst? Niemand. Den Beweis lieferte die Kreishandwerkerschaft Starnberg einmal mehr mit seiner Freisprechungsfeier für frischgebackene Junggesellinnen und -gesellen.

Landkreis – Den Lobgesang in eigentlich schwierigen Zeiten stimmte der Kreishandwerksmeister an. Am „größten Feiertag der Kreishandwerkerschaft“ begrüßte Ludwig Gansneder 33 junge Handwerker, die ihre Ausbildung mit Erfolg zu Ende gebracht haben. Ein Kandidat hatte bei den Prüfungen gepatzt und war durchgefallen. Eine Bäckereifachverkäuferin, elf Schreiner sowie 21 Zimmerer waren in den Saal des Klostergasthofs Andechs gekommen, die meisten in Begleitung ihrer Eltern und Lehrherren. Zudem hatten es sich Landrat Stefan Frey sowie die Bürgermeister beziehungsweise deren Stellvertreter aus Seefeld, Weßling, Gauting, Starnberg und Gilching nicht nehmen lassen, „die schönste Freisprechung im Oberland“ (Gansneder) zu genießen. Die Bewirtung übernehmen im jährlichen Wechsel Kreissparkasse und VR Bank, heuer war die Sparkasse Gastgeber.

Gansneder bezeichnete die Feier als Paukenschlag, weil sie das Ende der Ausbildung markiere. Damit hätten die Junggesellinnen und -gesellen den ersten Schritt auf der beruflichen Karriereleiter gemacht: „Sie dürfen sich zu Recht feiern lassen.“ Der Kreishandwerksmeister ermunterte die jungen Leute, die Chance zu ergreifen und die Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung zu nutzen „bis zum Meister und Lehrer“. Für ihn, so Gansneder, sei der Meistertitel gleichzusetzen mit dem Master-Abschluss an der Universität. Kein Wirtschaftsbereich biete bessere Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung als das Handwerk. „Das Handwerk stellt den Menschen in den Mittelpunkt“, sagte Gansneder, „und Sie sind jetzt die Botschafter für unsere Zünfte.“

Leider hätten sich diese Vorzüge noch nicht weit genug herumgesprochen. Denn sonst könnten nicht mehr als 2000 Lehrstellen unbesetzt sein, sprach der Pöckinger das Nachwuchsproblem an. Besonders ist das bei den Bäckern – die nur mit einer jungen Fachverkäuferin vertreten waren – und Metzgern ausgeprägt. Letztere konnten keinen Kandidaten zur Freisprechung schicken.

Der Landrat unterstrich die Worte des Kreishandwerksmeisters mit seinen eigenen Erfahrungen. Bei den Schulabschlussfeiern habe er mit vielen Jugendlichen gesprochen und sich nach deren weiterem Lebensweg erkundigt. „Da war viel von Auslandsaufenthalten, Sabbatical beziehungsweise Sabbatjahr sowie Studium die Rede“, sagte Frey, „erst die 15. Antwort beinhaltete eine Ausbildung im Handwerk“. Der Landrat versprach, dass der Landkreis nicht nachlassen werde, auf sein ausgezeichnetes Arbeitsplatz- und Ausbildungsangebot hinzuweisen. Und er schloss mit: „Es lebe das bayerische Handwerk, es lebe das Handwerk im Landkreis Starnberg.“

Dietmar Eisenschmid, Geschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern, bestätigte, dass in der wirtschaftlich schwierigen Lage die Rückmeldungen aus dem Handwerk nicht so schlecht seien wie aus anderen Bereichen. „Ihr jungen Leute habt es richtig gemacht. Das Handwerk behält seinen goldenen Boden, bleibt der Hort der Stabilität“, sagte er und ermunterte die Junggesellen, ihren Berufen treu zu bleiben. Der insgesamt heiteren Stimmung setzte „Broadway Joe“ seinen Stempel drauf. Auf Starnberg und die Kreishandwerkerschaft gemünzten Sketche sorgten für die beklatschten Zwischentöne.

Innungssieger und freigesprochene Auszubildende

Die Obermeister der beteiligten Handwerksinnungen haben bei der Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft Starnberg im Andechser Klostergasthof die Junggesellen mit den besten Prüfungsergebnissen ausgezeichnet.

Bäcker-Innung: Innungssiegerin als Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk ist Denise Sommer (Ausbildungsbetrieb Wilhelm Boneberger, Gilching).

Schreiner-Innung: Innungssieger ist Johannes Frisch (Schreinerei Pfisterer, Berg-Farchach). Sieger „Gute Form“: Manuel Flesche (Schreinerei Hauf, Oberbrunn).

Zimmerer-Innung: Innungssieger und bestes Gesellenstück Andreas Wurbs (Holzbau Bedacht, Wörthsee).

Die freigesprochenen Auszubildenden der Kreishandwerkerschaft Starnberg:

Schreiner: Christoph Berle (Schreinerei Abendschein, Starnberg), Kai Bötzl (Schreinerei Königsdorfer, Krailling), Nicolas Feser (Anton Richter Schreinerei, Krailling), Manuel Flesche (Schreinerei Hauf, Oberbrunn), Johannes Frisch (Schreinerei Pfisterer, Berg), Marvin Jahn (Frank Schäfer, Herrsching), Tobias Leimer (Wolfgang Leutenbauer, Hochstadt), Dominik Leitmeier (Walter Blaschke, Weßling), Felix Meisner (Stephan Pook GmbH, Feldafing), Florian Schneider (Seidel und Bayer GmbH, Hochstadt), Constantin Tettero (Schreinerei Mieth, Maising).

Zimmerer: Sebastian Albrecht (Zimmerei Sebastian Höfler, Machtlfing), Markus Andres (Leopold Göring, Starnberg), Florian Bichler (Anton Gansneder GmbH, Pöcking), Kilian Johannes Botz (Christoph Preininger, Drößling), Paul Julius Henniger (GHV Holzverarbeitung, Gauting-Hausen), Milan Hoffmann (Leopold Göring, Starnberg), Finn Caspar Jäger (Alois und Thomas Wild GmbH, Berg), Bastian Lenich (Leopold Göring, Starnberg), Florian Mayr (Mayer & Dosch, Hechendorf), Valentin Mueller (Zimmerei Sebastian Hölfler, Machtlfing), Veronika Müller (Bau-Dosch GmbH, Hechendorf), Florian Simon Paul (Josef Bernlochner, Hochstadt), Fausto Richter (Martin Koder, Herrsching), Vinzenz Rinderle (Holzbau Kahl, Wörthsee), Janek Seiler (Meindl GmbH & Co. KG, Gilching), Laura Anna Stangl (Andreas Drexl, Schlagenhofen), Hannes Thier (Holzbau Kraus GmbH, Starnberg), Marco Leon Thoma (Zimmerei Autenrieth GmbH, Hochstadt), Valentin Julian Weinl (Fersch GmbH, Percha), Felix Herbert Wolff (Anton Gansneder GmbH, Pöcking), Andreas Wurbs (Holzbau Bedacht, Wörthsee).

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