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Eine Mass Bier vom Heiligen Berg: Auch den Mitarbeitern der Klosterbrauerei Andechs stehen 78 Liter Haustrunk im Monat zu. Den verbieten zu wollen, halten die Verantwortlichen für keine gute Idee.

Tradition

So halten es Brauer im Landkreis mit dem Haustrunk

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Landkreis - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), hat angeblich die Abschaffung des so genannten Haustrunks gefordert, also der Freigetränke, die Brauereimitarbeitern zustehen. Später stritt sie das zwar ab, aber die Aufregung war groß. Wie handhaben es Brauereien im Landkreis mit dem Freibier?

Traditionen haben zumeist einen praktischen Hintergrund. So auch der so genannte „Haustrunk“. Der steht heute sogar im Tarifvertrag. Dereinst – wann genau, weiß keiner mehr so richtig – wurde er eingeführt, um Diebstähle in Brauereien zu verhindern. Seitdem haben die Bierbrauer ein Anrecht auf eine bestimmte Menge an Produkten aus dem eigenen Haus pro Monat.

Auch die Mitarbeiter des Starnberger Brauhauses aus Höhenrain profitieren davon. „Und sie machen rege Gebrauch davon“, sagt Leonhard Ehrl von der Brauerei. 78 Liter pro Monat stehen jedem Mitarbeiter zu, der in Vollzeit arbeitet. Wer weniger als 40 Stunden pro Woche arbeitet, bekommt dementsprechend weniger Haustrunk. Gänzlich leer gehen die Mitarbeiter der Verwaltung und der Geschäftsführer aus.

„Der Haustrunk ist rechtlich vorgeschrieben und eine alte Tradition, an der wir nicht rütteln möchten“, sagt Ehrl im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Aber was macht man mit 78 Liter Bier pro Monat? Das sind immerhin fast acht Träger.

„Eines ist klar: Der Verkauf ist streng verboten“, erklärt Ehrl. Wild in der Gegend verschenken würden die Brauer die Produkte auch nicht. „Aber glauben Sie: Im Freundes- und Verwandtenkreis gibt es immer dankbare Abnehmer“, berichtet er und lacht. Es würde die Mitarbeiter schon auch stolz machen, wenn sie zum Grillfest eingeladen sind und einen Kasten des eigenen Produkts mitbringen können: „Hier trinkt keiner seine 78 Liter selbst“, ist sich Leonhard Ehrl sicher.

Hat man denn überhaupt noch Lust auf Bier, wenn man den ganzen Tag damit arbeitet? „Wir trinken hier ja nicht den ganzen Tag. Wenn wir das Produkt verkosten, dann reichen ein, zwei Schlucke, um zu schmecken, dass alles passt.“ Er kenne auch Bäckermeister, die nach Feierabend gern noch in eine ihrer Brezn beißen würden.

Nun sind die Produkte des Starnberger Brauhauses ja ohnehin immer noch relativ schwer zu bekommen, weil die Produktion in Höhenrain die Nachfrage kaum decken kann – liegt das am Haustrunk? Ehrl lacht: „Mit Sicherheit nicht.“ Fünf Mitarbeiter sind in der Produktion tätig, dazu noch der Braumeister. Und die dürfen auch nicht komplett frei wählen: Das Starkbier Seenator und das Starnberger Weißbier sind für die Mitarbeiter tabu – sie werden exklusiv für die Kunden hergestellt. Die Brauer haben die Wahl zwischen dem Hellen und dem Spezial.

Auch die rund 70 Mitarbeiter der Klosterbrauerei in Andechs, die in den Genuss des Haustrunks kommen, wissen diese Draufgabe auf den Lohn zu schätzen, berichtet der Pressesprecher des Unternehmens, Martin Glaab. Die Andechser handhaben die Sache allerdings anders als die Brauer vom Starnberger See.

Dort bekommt jeder Bezugsberechtigte so genannte Bierzeichen. Diese entsprechen dem Gegenwert von 78 Liter Bier. Die Bierzeichen werden elektronisch verwaltet. „Der Mitarbeiter geht einfach in unsere Expedition, sucht sich aus, was er will und das wird dann von seinem Bierzeichenkonto abgezogen“, berichtet Glaab.

Im Gegensatz zum Starnberger Brauhaus gibt es nicht nur Bier im Angebot. „Wir stellen auch Tafelwasser, Spezi, Zitronenlimonade und Apfelschorle her, die die Mitarbeiter selbstverständlich auch über den Haustrunk beziehen können“, sagt Glaab. Dabei gilt: Die alkoholfreien Getränke müssen zwingend weniger Bierzeichen kosten als das billigste Bier. Wer hingegen einen Träger vom süffigen Doppelbock mit nach Hause nehmen will, muss dafür deutlich mehr Bierzeichen aufwenden.

Doch was ist nun mit der Kritik der Frau Mortler, dass der Haustrunk die Gratis-Eintrittskarte in eine Suchtkarriere darstelle? „Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst“, sagt der Brauerei-Sprecher. Als guter Arbeitgeber wisse man natürlich, wie es jedem Angestellten gehe. „Und wenn Alkohol zum Krankheitsbild werden würde, dann haben wir eine ganze Reihe von Maßnahmen, um dem betroffenen Mitarbeiter zu helfen.“ Dazu gehört auch, dass der Mitarbeiter komplett auf alkoholfreien Bezug umgestellt werden kann.

Prinzipiell allerdings, so Glaab, „stellt sich die Frage, ob sich verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol mit Verboten erreichen lässt“. Zudem sei das eine Frage, die nicht von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, sondern den Tarifpartnern geklärt werden müsse.

So lange können die Brauer aus dem Landkreis ihren Haustrunk weiter genießen.

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