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Spektakulär ist die Wanderausstellung „Wächter des Reinheitsgebots“, die ab heute bis zum 30. September Station im Florian-Stadl in Andechs macht. Christian Rieger (l.) und Martin Glaab gewährten einen ersten Einblick.

500 Jahre Reinheitsgebot

Spannende Ausstellung: Großer Spaß, bierernst

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Eine ganz besondere Wanderausstellung macht ab sofort Station im Florianstadl in Andechs: Aus Anlass des 500. Geburtstags des Deutschen Reinheitsgebots enstanden 100 größtenteils spektakuläre Aufnahmen bayerischer Bierbrauer.

Warum so bierernst? Gestreng schauen Pater Valentin und Braumeister Alexander Reiss in die Kamera. Es ist Spätherbst, die beiden halten einen Krug mit dem guten Andechser in der Hand und sehen auf dem Bild entgegen ihrer eigentlichen Art wirklich grimmig aus...

„Das war gar nicht so einfach“, sagt Martin Glaab, der bereits gestern, also am Tag vor der Eröffnung, durch die Ausstellung führte. Aber die Schau heißt nun mal „Wächter des Reinheitsgebotes“ – und Wächter lächeln nicht.

Schließlich kümmern sie sich um bayerisches Bier, also weit mehr als ein Getränk. Um ein Kulturgut. Wie viel Kultur darin steckt, darüber kann man durchaus staunen, wenn man sich die Ausstellung anschaut. Denn die 100 riesigen Fotos, abgezogen auf große Leinwände und von hinten beleuchtet, sind teils ganz offen an großen Kunstwerken der Kulturgeschichte orientiert. Da sitzen die Herren von der Brauerei Hopf in Miesbach in der selben Pose auf ihren Fässern wie Rodins berühmter Denker. „Der Brauer braucht halt auch Hirn“, meint Glaab.

Freier Eintritt, hervorragender Katalog

Die Spitalbrauerei Regensburg inszeniert sich dergestalt, dass unwillkürlich die Assoziation zu Da Vincis Abendmahl entsteht. Ein Abgesang auf die Kunst des Bierbrauens? „Von wegen“, meint Glaab: „Das letzte Abendmahl war nicht das Ende, es war der Beginn einer weltweiten Bewegung.“

Die Bilder von Sead Husic, sie sind faszinierend, überraschend, originell. Ein Mammutprojekt, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Bereits 2014 begannen die ersten Vorbereitungen, insgesamt 100 Brauereien entwickelten Ideen, wie sie sich als Wächter des Reinheitsgebots inszenieren wollen. Die Aufnahme aus Andechs, die direkt am Eingang steht, war eine der letzten, die angefertigt wurden. Sie alle beweisen, dass die hohe Kunst des Bierbrauens in Bayern nach wie vor hochgehalten wird. Und das sie eine Zukunft hat. Viele Braumeister sind auf den Bildern in Szene gesetzt. Und die meisten sind jung. Sehr jung.

Die Bilder, sie zeigen auch, dass das viel zitierte Klischee von Laptop und Lederhose durchaus passend für die Brauereien im Freistaat ist. Auf der einen Seite präsentiert die Privatbrauerei Wochinger aus Oberbayern ihren Stammbaum, der beweist, dass sie seit 1587 in der mittlerweile 15. Generation als Brauer tätig sind. Auf der anderen Seite zeigen die gewitzten Aufnahmen aber auch, dass das Bierbrauen eben nicht nur Traditionspflege ist, sondern ein Stück Kulturgut, das sich beständig anpasst und modernisiert.

Unklar ist, wie viele der Geschichten, die auf den Bildern erzählt werden, sich dem Nicht-Fachbesucher von selbst erschließen. Führungen sind bisher nicht geplant, sagt Glaab und verweist auf den superben Ausstellungskatalog, der am Eingang erhältlich ist. Die Ausstellung ist ab heute bis zum 30. September täglich von 11 bis 19 Uhr im Florianstadl zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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