Auf dem Balkon des Kinderhauses in Erling
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Freude über ein gelungenes Kinderhaus, allein es fehlen noch mehr Kinder (v.l.): Jan Lang, Claudia Kobschätzky, Einrichtungsleiterin Simone Lushtaku und Bürgermeister Georg Scheitz. Foto: Stefan Schuhbauer-von Jena

Kinderhaus Erling

„StaRKe Strolche“ suchen Verstärkung

  • vonAndrea Gräpel
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Andechs’ Bürgermeister Georg Scheitz und BRK-Kreisgeschäftsführer Jan Lang kommen aus dem Schwärmen gar nicht raus, wenn sie durch das neue Kinderhaus der Gemeinde spazieren. Und doch drückt sie ein Problem, ein Luxusproblem: Es gibt noch freie Plätze, viele freie Plätze.

Erling – In der Regel ist es so, dass es in Gemeinden mehr Kinder als Betreuungsplätze gibt. In Andechs ist es aktuell genau umgekehrt. Erst vor einem Jahr ist das neue Kinderhaus gegenüber der Grundschule eröffnet worden. Zwei Jahre wurde daran geplant, noch mal zwei gebaut. Großzügig, denn die Gemeinde muss in den nächsten Jahren mit einem großen Zuzug rechnen. Die Neubauten am Steinrinnenweg, in direkter Nachbarschaft zum Kinderhaus, sind nur der Anfang. Von den 134 Plätzen im Haus, sind ab September aktuell aber nur 87 belegt.

Nichts ist schlimmer als ein leeres Kinderhaus.

Bürgermeister Georg Scheitz

Das schmerzt nicht nur BRK-Kreisgeschäftsführer Jan Lang, dessen Haus Träger der „StaRKen Strolche“ ist, das schmerzt auch Bürgermeister Georg Scheitz. „Nichts ist schlimmer als ein leeres Kinderhaus“, findet er. Und doch meint Lang, „erst mal sind wir froh, dass es Plätze gibt“. Und so könnte es ab September durchaus sein, dass Mädchen und Buben aus anderen Gemeinden für die dreijährige Kindergartenzeit nach Erling kommen.

Da die Nachfrage nach Kindergartenplätzen so gering, die nach Krippenplätzen aber groß ist, ist aktuell schon eine zweite Krippengruppe eingerichtet. „Die sind voll“, versichert Regionalleiterin West, Claudia Kobschätzky, bei einem Pressegespräch, zu dem Lang und Scheitz eingeladen hatten. Kindergartenplätze aber auf Dauer umzuwandeln, sei keine Lösung. So bleiben ab September aktuell knapp 50 Plätze frei.

Erstmals mehr Plätze als Kinder

„Es ist das erste Mal in der Gemeindegeschichte, dass wir so viel Kapazitäten haben. Bislang hinkten wir immer hinterher“, sagt Scheitz und versucht, dies mit Humor zu nehmen, obwohl ihm ein „halbvolles Haus“ keinen Spaß macht. Die Gemeinde konnte vor der Eröffnung des Kinderhauses bereits auf verschiedene Betreuungseinrichtungen zurückgreifen – angefangen beim katholischen Kindergarten über die „Bärenhöhle“, die Netz-für-Kinder-Einrichtung in der Alten Schule, bis hin zum zweigruppigen Kindergarten Sternschnuppe des BRK in Frieding und zuletzt zum zweigruppigen Waldkindergarten in Machtlfing. Der ehemalige Waldorfkindergarten „Rosengarten“ in Machtlfing sei inzwischen renoviert, soll aber zunächst nicht wie ursprünglich geplant wieder als Kindereinrichtung genutzt werden, sagt Scheitz. Angesichts des aktuellen Überangebots sei an dieser Stelle auch eine Tagespflege denkbar, sagt er. Tagespflegeplätze brauche die Gemeinde dringend. „Wir arbeiten gerade an einem Konzept.“

Alles in allem verfügt die 3764-Seelen-Gemeinde in ihren Ortsteilen über 269 Kindergartenplätze und ab September 49 Krippenplätze. Scheitz hofft, dass Gemeinden, die möglicherweise zu wenig Plätze haben, ihre Kinder nach Andechs schicken, wohlwissend, dass dies ein logistisches Problem darstellen könnte. Ihm ist bewusst, „das ist keine so leichte Gschicht“. Seine Amtskollegen seien aber informiert.

Lang ist guten Mutes, dass die „StaRKen Strolche“ im Kinderhaus bald Verstärkung bekommen. Das BRK betreibe im Landkreis 20 Einrichtungen dieser Art, und in Feldafing habe es vor einigen Jahren ein ähnliches Problem gegeben, als dort eine neue Krippe gebaut und der Kindergarten erweitert worden sein, sagt er. Rund drei Jahre habe es gedauert, bis alle Plätze belegt waren, also eine Kindergartengeneration. Als Träger derlei Einrichtungen mit 300 Mitarbeitern sei ein Mehrbedarf auch personell kurzfristig abzudecken, bis langfristige Lösungen gefunden sind. Und Lang versichert, dass Kinder, die für September in Andechs angemeldet würden, auch bis zum Ende ihrer Kindergartenzeit dort bleiben können. Im Übrigen gelte dies für Kinder mit und ohne Behinderung. Lang: „Ein Kinderhaus ist für alle Kinder.“

„Und dieses Haus sowieso“, sagt Georg Scheitz. „Das Haus hat was.“ Es fügt sich in ein Quartier ein, das komplett der Gemeinde gehört, inklusive Grundschule. Deren Erweiterung lasse auch nicht lange auf sich warten, ist sich Scheitz sicher. Auch in dieser Hinsicht hat die Gemeinde vorgebaut: Schon vor einem Jahr seien Container organisiert worden, die bereits auf einer freien Fläche im Quartier stehen, aber noch umgebaut werden müssten. Wenn die Schülerzahl es verlangt, können Kinder dort provisorisch untergebracht werden, bis die Schule erweitert ist. Aktuell muss die Gemeinde jedoch noch 5,8 Millionen Euro verdauen, die Kinderhaus und Turnhalle gekostet haben.

Mehr Leben im Kinderhaus wünscht sich vor allem auch die neue Leiterin der Einrichtung, Simone Lushtaku. Schon Ende Februar hatte die 46-Jährige die Leitung kommissarisch übernommen. Zuvor war sie Leiterin der Kinderkrippe in Wörthsee. Seit Anfang dieses Monats ist sie nun offiziell Chefin der Strolche. Mit ihrem Team arbeitet sie daran, das Angebot im Haus auszuweiten. „Wir haben hier so viele Möglichkeiten“, schwärmt sie. Die Räume seien flexibel nutzbar, zum Beispiel für Musik, aber auch für vieles mehr. Die räumlichen Voraussetzungen mit Gruppenräumen und Küche ermöglichten sogar, Kindergeburtstage zu veranstalten. Rückbildungsgymnastik sei ebenso möglich.

Ab September startet das neue Kindergartenjahr aber zunächst einmal mit zwei Krippengruppen statt mit einer Gruppe und mit einer Kindergartengruppe. Geöffnet ist von 7.30 bis 17 Uhr. Wer sich für einen Betreuungsplatz in Erling interessiert, meldet sich bei Simone Lushtaku per Mail an simne.lushtaku@brk-starnberg.de oder unter z (0 81 51) 2 60 20. Mehr Infos im Internet unter kinderhaus-andechs-erling.brk-starnberg.de.

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