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Das Wieininger Schlösschen liegt zentral in dem Gelände.

Starnberger Bauträger neuer Eigentümer

Wieninger Schlösschen in Erling bleibt erhalten

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Für die 30.000 Quadratmeter große Fläche des Max-Planck-Geländes in Erling ist ein neuer Investor gefunden. Den Gemeinderäten fällt ein Stein vom Herzen.

Erling – Seit Beginn 2014 ist bekannt, dass die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts an der Von-der-Tann-Straße Erling verlassen wollen. Das etwa 30 000 Quadratmeter große Grundstück hat nicht nur eine exponierte Lage, sondern zeichnete sich auch immer durch das Wieninger Schlösschen aus. Die 1862 erbaute Villa steht nicht unter Denkmalschutz. Umso mehr mussten die Andechser fürchten, dass sie von neuen Eigentümern abgerissen wird. Eine Angst, die den Mitgliedern des Andechser Bauausschusses am Dienstag genommen werden konnte. Walter Essler von Frei & Essler Baumanagement Starnberg stellte sich als neuer Eigentümer vor und präsentierte sogleich ein Konzept. Und dies so ganz nach dem Geschmack der Gemeinderäte – mit dem Erhalt der markanten Strukturen dieses Grundstücks.

Der Münchner Hof in Starnberg, der Maximilianhof und auch das Max-Quartett in Starnberg – all dies sind mutige Projekte, mit denen sich das Starnberger Baumanagement Frei & Essler in der Vergangenheit auszeichnete. Seit April ist das Unternehmen Eigentümer des ehemaligen Max-Planck-Instituts an der Von-der-Tann-Straße in Erling, gab Walter Essler am Dienstag bekannt. Essler machte sich die Mühe, das Konzept zusammen mit Architekt Tim Sittmann-Haury in einer der Sitzung vorangegangenen Ortsbegehung vorzustellen.

Das 30 000 Quadratmeter große Areal sticht im Westen durch die bewaldete Erlinger Höhe heraus. Im Zentrum liegt das große Plateau mit dem Wieninger Schlösschen mit seinem historischen Pflanzbeet, Treppenanlagen, Karpfenteich, Gärtnerhaus und Waldhütte. Ziel des Entwurfs ist, diesen Charakter zu erhalten. Und genau dies hatten sich die Andechser Gemeinderäte gewünscht, als sie von den Verkaufsplänen der Max-Planck-Gesellschaft erfuhren. Insbesondere der Erhalt der alten Villa und der nicht ganz 12 000 Quadratmeter großen Waldfläche lag ihnen am Herzen.

Der Starnberger Investor erfüllt all dies und verleitet die Gemeinderäte im Andechser Bauausschuss zu Lobeshymnen. Bürgermeisterin Anna Neppel war dabei mit ihrem Beitrag, dies als gute Lösung zu empfinden, noch eher zurückhaltend. Georg Scheitz (CSU) sprach deutlichere Worte: „Wir hatten alle Angst gehabt, was da kommen könnte. Und das hier – ich finde, das passt hin. Vor allem ist es gelungen, das Schloss zu erhalten.“ Für seine Person sei er mit einem guten Gefühl vom Ortstermin begeistert zurückgekehrt. Erasmus Höfler (BG) stimmte mit ein: „Toll.“

Sittman-Haury ist sensibel vorgegangen unter Berücksichtigung einer Wohnnutzung für verschiedene Einkommensklassen, verschiedene Altersgruppen und verschiedene Familienformen. Berücksichtigt wurde auch ein Wunsch der Max-Planck-Gesellschaft, bezahlbaren Wohnraum für den wissenschaftlichen Nachwuchs des Instituts in Seewies zu schaffen.

Das Schlösschen soll in ein mischgenutztes Gebäude umgewandelt werden – Arbeiten und Wohnen für maximal sechs Einheiten. Zwei so genannte Kavaliersgebäude, die sich als Ensemble in die Schloss-Umgebung einfügen, sowie ein weiteres Mehrfamilienhaus, wo zurzeit noch alte Institutsgebäude stehen, bieten insgesamt 20 freiverkäufliche Wohnungen verschiedener Größen an. Durch diese „Hofbebauung“, so der Archtitekt, komme auch das historische Pflanzbeet vor dem Schlösschen zu seiner Geltung. Das Plateau ist für sich abgeschlossen, die Zufahrt soll über die Herrschinger Straße erfolgen.

Über diese Zufahrt wird auch eine Häusergruppe im Süd-Osten des Grundstücks am ehemaligen Fischteich erreicht. In einem der drei- und zweigeschossigen Gebäude sind 20 Appartements für Max-Planck-Mitarbeiter geplant, in einem weiteren sechs Sozialwohnungen. Nicht zuletzt sind fünf Einfamilienhäuser entlang der Von-der-Tann-Straße geplant, die über diese Straße erschlossen werden. Er wollte damit zu viel Mehr an Verkehr an dieser Stelle vermeiden, erklärte Sittmann-Haury in der Sitzung. Insgesamt entstehen neben den Sozialbauten 31 Wohneinheiten, die der Ortsteil in den nächsten Jahren zusätzlich zu den Vorhaben an Stadlerweise, Pähler Hart Ost, VR-Bank, Pfahlweg und Steinrinnenweg zu erwarten hat.

Begrüßt wurde freilich der Erhalt des alten Gärtnerhauses und der Forsthütte, der sogar ein neues Försterhaus zur Seite gestellt werden soll. „Zur sinnvollen Organisation der Pflege soll sich der Wald künftig in einer Hand‘ befinden. Dafür ist ein kleines Forsthaus in der nordwestlichen Ecke des Grundstücks vorgesehen. Das eingeschossige Gebäude mit Satteldach steht am Rand einer bestehenden Lichtung. Die historische Hütte dient als Geräteschuppen oder Gartenhaus. Durch die umgebenden Bäume sind die niedrigen Holzbauten aus keiner Richtung zu erkennen“, ist in dem Konzept zu lesen. Mehr noch: Das Gebiet soll „integraler Bestandteil“ Erlings werden. Es soll also öffentlich zugänglich sein. Ein Weg durch den Wald soll zudem die Lücke im überregionalen Fuß- und Radwegenetz schließen, so der Plan.

Wichtig für die Gemeinderäte war, neben dem Schlösschen den Schutzwald im Interesse der Gemeinde zu sichern, denn die Gemeinde Andechs hat keine Baumschutzverordnung. Die Bäume auf dem Höhenrücken bieten Schutz bei starkem Westwind. Auch diese Sorge ist mit dem Konzept genommen.

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