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Zwischenstation am Shishapangma: Den 8027 Meter hohen Berg im Himalaya wollte der Starnberger David Göttler 2016 besteigen. Vor dem Gipfel musste er aber mit seinem damaligen Partner Ueli Steck umdrehen. Der Schweizer kam im April 2017 bei einem Bergunfall am Nuptse (Nepal) ums Leben. 

Tag des Berges

Starnberger David Göttler: „Berge sind meine längste Beziehung“

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Der gebürtige Starnberger David Göttler ist einer der Stars beim Tag des Berges am 28. Oktober auf Kloster Andechs. Der Starnberger Merkur hat mit ihm über seine Leidenschaft gesprochen.

Andechs – David Göttler (39) hat sich als Bergsteiger einen Namen gemacht. Der Starnberger hat bereits sechs Achttausender bestiegen. Am „Tag des Berges“ spricht er neben anderen Experten am Samstag, 28. Oktober, im Florian-Stadl von Kloster Andechs von 15 bis 16.30 Uhr über seine Erfahrungen (Eintritt 12 Euro). Im Vorfeld erreicht ihn der Starnberger Merkur beim Ausdauerlauf. Er spricht über seinen großen Mentor, den Umgang mit dem Scheitern und über Schere, Stein, Papier in 6000 Metern Höhe. Prägend war für ihn, vor sieben Jahren mit dem Hubschrauber gerettet zu werden.

-Zum Tag des Berges sind Sie im Landkreis – ein seltenes Erlebnis?

Ich bin nicht mehr oft hier, ja. Im Sommer bin ich in Spanien, im Winter in Chamonix in Frankreich. Ab und zu besuche ich aber Freunde in Starnberg und in München – und esse mal wieder eine gute Brezn mit Butter.

-Das können Sie am Samstag wieder. Worüber werden Sie sprechen?

Über meine Beziehung zu den Bergen. Die Berge sind meine längste Beziehung. Sie haben mir viele Seiten gezeigt, die ich so noch nicht kannte – speziell in den vergangenen zwei Jahren.

-Sie haben viel Erfahrung. Was war in diesen zwei Jahren besonders?

Ich durfte mit dem mittlerweile leider verstorbenen Ueli Steck arbeiten. Er zeigte mir, wie man an einen Achttausender rangeht. Dabei habe ich mich unglaublich verbessert. Im Frühjahr 2016 waren wir an der Südwand des Shishapangma. Wir haben es bis 7800 Meter geschafft, zwei Routen probiert. Auch wenn wir es nicht für den Gipfel gereicht hat: Das war für mich Wahnsinn. Wir haben innerhalb von einer Woche 2000 Höhenmeter gemacht, nur mit kleinen Rucksäcken. Eine radikale Herangehensweise.

-Und das Ganze ohne Sauerstoff-Flasche?

Sowas hatten wir nicht dabei. Die Hauptschwierigkeit in der Höhe ist, dass es wenig Sauerstoff gibt. Wenn ich das mit künstlichem Sauerstoff wettmache, nehme ich den Reiz. Das wäre, wie wenn ich die Zugspitze mit der Seilbahn hochfahre – ein schönes Erlebnis, aber sportlich keine Herausforderung.

-Wie bereiten Sie sich auf diese Herausforderungen vor?

Auf die Expedition mit Ueli Steck hatte ich mich besonders gut vorbereitet – schließlich durfte ich mit einem der Superstars, der „Swiss Machine“ arbeiten. Es gab ein striktes Trainingsprogramm. Ich habe viel an meiner Ausdauer gearbeitet. Je näher es an die Expedition ging, desto spezifischer wurde das Training. Dann habe ich einen schweren Rucksack die Skipiste hochgeschleppt.

-Hinzu kommt sicher die mentale Vorbereitung?

Da habe ich jemanden, der mir hilft. Ich versuche, mich auf alle Eventualitäten vorzubereiten – gerade das Scheitern ist ein Punkt. Ich treffe da kleine Arrangements mit mir. Ich will mit dem Erreichten zufrieden sein, auch wenn ich den Gipfel nicht erreicht habe. Am Shishapangma habe ich mehr gelernt, als bei erfolgreichen Expeditionen.

-Wie gehen Sie mit dem Scheitern um?

Oben, fast auf dem Gipfel, umzudrehen, ist frustrierend. Mir kamen da schon Tränen, ich habe vor Enttäuschung geweint. Auf dem Weg nach unten dachte ich mir dann: Umzudrehen ist ein Zeichen von Stärke. Manchmal braucht man diesen Baustein, um sein Ziel nächstes Mal zu erreichen.

-Am Achttausender Nanga Parbat waren Sie zur Aufgabe gezwungen.

Da bin ich mit meinem Partner in eine Mausefalle getappt. Es ging nichts mehr vor oder zurück. Der Schnee war wie Zucker, der sich durch nichts festigen ließ. Das hatten wir trotz guter Vorbereitung falsch eingeschätzt. Ein paar Kilometer weiter war der Schnee in Ordnung.

-Sie riefen einen Rettungshubschrauber.

Einer der schlimmstem Momente meines Bergsteigerlebens. Zu wissen, aus eigener Kraft nicht mehr herunterzukommen, ist als Bergsteiger beschämend. Wir haben uns die Blöße gegeben und den Helikopter kommen lassen.

-In dem nur Platz für einen von ihnen war.

Wir waren beide unverletzt. Aber wir wussten, dass der eine erst mal zurückbleibt. Wir hatten nur zwei Quadratmeter, daneben ging es 1000 Meter in die Tiefe. Nachts hatte es minus 20 Grad. Bei jedem Windhauch dachten wir: Oje, der Helikopter kann nicht kommen. Wir haben einen Galgenhumor entwickelt und Schere, Stein, Papier gespielt, wer als erstes geholt wird. Ich habe gewonnen.

-Als der Hubschrauber Ihren Partner holen wollte, stürzte er ab – die Piloten starben.

Unglaublich schlimm. Wir sind zu den Hinterbliebenen. Das war hart, hat aber auch gut getan. Es sind Hindus. Sie glauben, wenn jemand ein Leben rettet und dabei stirbt, kommt er ins Paradies. Wir haben sogar Geschenke bekommen. Das ist schwer einzuordnen. Das trägt man immer als Bürde mit sich herum. Es gehört zu meinem Leben.

-Sie haben weitergemacht. Welche Projekte wollen Sie auf jeden Fall noch verwirklichen?

Auf alle Fälle noch mal den Shishapangma, das ist so ein schöner Berg. Alle Achttausender werde ich nicht mehr erwischen – aber der Everest interessiert mich. Ich möchte erleben, wie es ist, ohne Sauerstoff auf dem höchsten Berg der Erde zu stehen.

Mehr Informationen zum Tag des Berges auf Kloster Andechs gibt es hier.

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