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Die Betrügereien des arbeitslosen Ehemanns machen seine Frau (Martina Burkhart) und den Partnerschaftsmoderator (Erwin Geiger) sprachlos und führen fast zur Ehekrise. 

Theaterfreunde Machtlfing

Angriff auf Zwerchfell und Tränendrüsen

Die Theaterfreunde Machtlfing legen sich in diesem Jahr richtig ins Zeug bei „Und ewig rauschen die Gelder“. Unterhaltung ist garantiert.

Andechs – Novemberdepression ade! Wer unter den frühen, kalten Abenden leidet, der muss nach Andechs: Die Theaterfreunde Machtlfing liefern heuer eine derart gute Komödie, dass die Heilwirkung noch Tage anhält. Am Samstag jedenfalls lachte man im Klostergasthof Tränen.

Dabei ist das Thema doch so gar nicht lustig: „Und ewig rauschen die Gelder“ handelt von Arbeitslosigkeit und Lüge, Leichen und Sozialhilfe. Autor Michael Cooney allerdings ging die Sache 1993 mit britischem Humor an, die Machtlfinger mischten das ganze wunderbar bayerisch – aber nicht derb – auf. Der Effekt: Lachsmuskeltraining für die Zuschauer. Und vermutlich eine Schlankheitskur für die Schauspieler: Sie bieten ein unglaubliches Tempo auf der Bühne.

Die Ausgangslage dafür ist reinrassiger Betrug: Erich Schön ist seit zwei Jahren arbeitslos. Heimlich. Er kompensiert das mit Sozialhilfe-Leistungen für den ausgewanderten Untermieter und für erfundene Hausbewohner und Familienangehörige, die sukzessive alle Krankheiten der Welt und diverse Todesfälle zu bewältigten haben. Alters-, Invaliden-, Unfall- und Frührente, Schlechtwetter-, Kranken-, Wohn- und Kindergeld – kein schlechtes Geschäft. Im Nebenerwerb verhökert Erich auch noch die Sachleistungen. Bis er vom Sozialamt überprüft wird.

Der „Partnerschafts-Moderator“

Und damit beginnt eine Lügenspirale, die höchstes schauspielerisches Können fordert. Michael Pfänder ist grandios als Erich: Er dreht und wendet sich, münzt in rasendem Tempo alles um, bringt die Wortspiele auf den Punkt, Mimik und Gestik absolut glaubhaft. Von Tourette-Symptomen bis zur Aerobicvorführung ist das eine Show. Sein unfreiwilliger Kompagnon ist Untermieter Norman: Martin Weikenstofer mutiert vom Verzweifler zum kongenialen Notlüger, sein Auftritt als Frau ist nur einer der Höhepunkte des Abends. Der Dritte im Betrügerbunde ist Onkel Georg alias Peter Geiger, ein relaxtes Schlitzohr, eine perfekte Leich, bis er in Unterhosen mit der Bahre auf dem Rücken vor dem Krematorium flieht. Gefährlich wird es nur für die Zuschauer: Es droht Lachattacke. Herr Jakobs gibt dem Publikum den Rest: Das Beamtenimage poliert er zwar nicht auf, dafür aber die humoristischen Glanzszenen mit seiner Mischung aus Steifheit und Gutgläubigkeit als behördlicher Prüfer.

Es geht aber noch weiter im Charakter-Kabinett: Den „Partnerschafts-Moderator“ mimt Erwin Geiger und zieht alle Klischee-Register. Sozialarbeiterin Susis alias Sonja Kaindl setzt dem mit einer Portion Verständnis für die vermeintlichen Opfer noch die Krone auf. In dem ganzen Wahnsinn schlägt sich Linda Schön (Martina Burkhart), nichtsahnende Frau des Hauses, noch wacker. Erst als der Bestatter (Stefan Geiger), Sozialamt-Inspektorin (Inge Breiter) und Normans Verlobte (Anne Geiger) ins Haus kommen und der behördliche Prüfer vom Dach fliegt, stürzt das Lügengerüst ein.

Das Unglück konnte Spielleiter Michael Pfänder (Assistenz: Volker Fiedler) am Samstag mit größtem Genuss beobachten. Bühne, Maske, Technik, alles klappte, alles wunderbar passend und unaufdringlich. Dem voraus ging aber eine mehrfache Ausnahmesituation: Pfänder hat ein Team mit durchweg talentierten Schauspielern unterzubringen und alle mussten einen Riesenberg an Situationskomik und Wortspielen bewältigen. Das Ergebnis: Ein Galopp durch alle Eskalationsstufen, die selten so viel Spaß machen wie bei den Theaterfreunden Machtlfing.

Weitere Vorstellungen: vom 14. bis 17. November sowie am 20. und vom 22. bis 24. November, jeweils ab 20 Uhr (sonntags ab 18 Uhr).

VON FREIA OLIV

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